Gegen Lautern

Für Kölns Solbakken heißt es Siegen oder Fliegen

Beim 1. FC Köln regiert nach dem schlechtesten Start der Geschichte das Chaos. Und nun fällt auch noch Torhüter Michael Rensing gegen den Angstgegner aus.

Foto: AFP

Beistand kann Stale Solbakken gut gebrauchen. „In mir tobt die Hölle“, sagte der norwegische Trainer nach der desaströsen Niederlage seines 1. FC Köln bei Schalke 04. Die Bilanz des FC nach zwei Spieltagen ist mit dem Begriff Fehlstart noch wohlwollend umschrieben: null Punkte, 1:8 Tore, Tabellenletzter.

Es ist der schlechteste Saisonstart des FC in der Bundesligageschichte – und das gegen Wolfsburg (0:3) und Schalke (1:5), zwei Mannschaften, die in der vergangenen Saison noch hinter dem FC landeten.

Und nun tritt Angstgegner 1. FC Kaiserslautern am Samstagnachmittag gegen Solbakken und seine angeschlagene Mannschaft an (18.30 Uhr, Sky). Beim bislang letzten Sieg der Kölner über den FCK in der ersten Bundesliga war die Mauer gerade gefallen, am 16. Dezember 1989 gewann Köln auswärts 2:1. Die nun anstehende Partie gegen den Vorletzten nennt Solbakken bereits „ein Finale“, vor dem dritten Spieltag wohlgemerkt.

Gut, dass der 43-Jährige für dieses Spiel endlich den ersehnten Beistand bekommt. Eine Psychologin wird auf der Tribüne sitzen und den Glatzkopf nicht aus den Augen lassen. Doch auch sie wird Kölns Konzeptlosigkeit kaum beheben können. Solbakken hat das erfolgreiche 4-2-3-1-System aufgehoben, mit dem der FC in der Rückrunde 29 Punkte holte und am Ende als vom Abstieg ungefährdeter Zehnter einlief, aber das 4-4-2 des Norwegers hat die Mannschaft noch nicht verinnerlicht.

„Systemausfall in Gelsenkirchen“, titelte der „Kölner Stadtanzeiger“ nach der Blamage am vergangenen Wochenende. Tatsächlich wirkte die zweite Hälfte gegen Schalke mit drei Gegentoren in zwölf Minuten wie ein Computerabsturz. Gegen Kaiserlautern müssen Spieler und Trainer dringend den Reset-Knopf finden. Doch ein neues Spielkonzept ist nicht zu erwarten.

„Mich gibt es nur mit diesem System“, sagt Solbakken, „deshalb hat der Verein mich geholt.“ Er verweist auf die Erfolge seines Systems beim FC Kopenhagen, mit dem er vergangene Saison bis ins Achtelfinale der Champions League vorpreschte (und gegen den FC Chelsea ausschied). Solbakken hatte sein System also schon, als er die Bundesliga und den FC nur aus dem Fernsehen kannte.

„Meine Mannschaft soll sich eher am Raum als am Gegner orientieren und dabei die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen möglichst eng halten“, erläutert Solbakken sein Spielprinzip. Dafür benötigt der Fußballlehrer spielstarke Akteure im Zentrum.

Biedere Zweikämpfer wie Martin Lanig oder Sascha Riether – ein verkappter Rechtsverteidiger – wirken bei diesen Aufgaben überfordert. Beide sagen unisono: „Die Mannschaft benötigt noch Zeit, um das Konzept 100-prozentig umzusetzen.“ Doch an Zeit mangelt es, vor allem in Köln, wo schon am dritten Spieltag vom „Finale“ gesprochen wird.

Aber nicht nur taktisch, auch körperlich scheint Solbakkens Mannschaft nicht auf der Höhe zu sein. Der charismatische Glatzkopf verzichtete in der Vorbereitung weitgehend auf konditionelle Grundlagenarbeit. Das macht sich nun bemerkbar, sechs der acht Gegentore fielen nach der Pause.

Hinzu kommen die Hiobsbotschaften aus der medizinischen Abteilung: Torwart Michael Rensing wird gegen Kaiserslautern fehlen. Sein im Testspiel gegen den FC Arsenal verletztes Knie schmerzt wieder. Und auch Lukas Podolski droht zumindest nicht von Beginn an auflaufen zu können. Hohes Fieber plagt den 26 Jahre alten Angreifer. Das Freitagstraining ließ er ausfallen.

Dazu ist Innenverteidiger Youssef Mohamad so gut wie weg aus der Domstadt. Kurz nachdem am Mittwoch Sportdirektor Volker Finke der versammelten Presse verkündet hatte, dass Mohamad aus „familiären Gründen“ im Libanon weile, tauchten auf der Internetseite von Al Ahli Dubai Fotos von Mohamads Medizincheck im Emirat auf.

Schlimmer als die Tatsache, dass der Sportdirektor entweder sehr schlecht über die Vorgänge in seinem Verein Bescheid weiß oder – wie die Kölner Lokalpresse urteilte – schlicht ein Lügner ist, wiegt für Trainer Solbakken, dass es teamintern keinen adäquaten Ersatz für Mohamad gibt.

Weder Christopher Schorch, noch Kevin McKenna oder Tomoaki Makino drängen sich auf. Voraussichtlich stellt Finke seinem Trainer den Portugiesen Henrique Sereno als Mohamad-Entschädigung vor. Der 26-Jährige vom FC Porto wurde am Donnerstag in Köln bereits auf seine körperliche Tauglichkeit hin geprüft.

Mangelhafte Qualität

Die mangelhafte Qualität im Aufgebot beschränkt sich aber nicht nur auf die Abwehr. Als vorderste Spitze musste Podolski in Gelsenkirchen Milivoje Novakovic ersetzen und lief dabei trotz seines Treffers zumeist in einem Raum, der in Solbakkens System mit Sicherheit nicht für ihn vorgesehen war.

Nur gut, dass Solbakken bei all diesen Problemen seine Psychologin hinter sich weiß. Die ist übrigens seine Frau Anniken, mit der er in dieser Woche Häuser in Köln besichtigte. Noch wohnt Solbakken im Hotel – und das Paar sollte vor einem Umzug in ein neues Domizil lieber noch das „Finale“ gegen Kaiserslautern abwarten.