1899-Mäzen Hopp

"Die Dortmunder Fans sind meine Angstgegner"

Hoffenheims Mäzen Hopp spricht im Interview mit Morgenpost Online über akustische Angriffe, sportliche Genugtuung und den uneitlen Trainer Stanislawski.

Foto: picture alliance / dpa/dpa

Eine selbst gezimmerte Lautsprecheranlage ist zum beherrschenden Thema der Fußball-Bundesliga nach dem zweiten Spieltag geworden. Seit ein Mitarbeiter der TSG 1899 Hoffenheim im Spiel am vergangenen Samstag Schmähgesänge Dortmunder Fans gegen Dietmar Hopp per Störgeräusch aus der Box unterdrückte , gibt es eine lebhafte Diskussion.

Manche fordern harte Strafen für den Klub aus dem Kraichgau, andere bewerten die Maßnahme eher als Hausmeisterscherz. Bei der Polizei Heidelberg sind bislang allerdings schon elf Anzeigen eingegangen. Die Behörde ermittelt ebenso wie der Deutsche Fußball-Bund. Im Interview bezieht Hoffenheims Mäzen Hopp (71) Stellung zu der Aktion, spricht über Dortmunder Fans, die sich offenbar als Gralshüter der Fußballtradition sähen, und genießt ein wenig auch die sportliche Genugtuung durch das 1:0 seines Klubs über den Deutschen Meister.

Morgenpost Online: Herr Hopp, Hoffenheim ist ansprechend in die neue Saison gestartet, doch weit mehr als der Sieg über Dortmund beschäftigt die Branche der akustische Angriff auf Fans der Borussia.

Dietmar Hopp: Leider müssen wir diese Aktion, die uns negative Schlagzeilen bringt, verarbeiten und können nicht den wunderbaren Sieg über den Deutschen Meister genießen. Ich hoffe aber, dass die hohe mediale Aufmerksamkeit an dem sogenannten Schallangriff wieder in den Hintergrund rückt.

Morgenpost Online: Sie selbst erklärten, mehr als 200-mal übelst von BVB-Fans beleidigt worden zu sein. Herrscht nach der Aktion vom Samstag, als Schmähgesänge gegen Ihre Person unterdrückt wurden, auch ein bisschen Genugtuung bei Ihnen vor?

Hopp: Als mich der Sportreporter unserer Lokalzeitung „RNZ“ wegen dieses Vorfalls am Sonntagabend telefonisch in Frankreich kontaktierte, habe ich an einen schlechten Scherz enttäuschter BVB-Fans geglaubt und deshalb auch schnippisch auf die Frage wegen einer angeblichen Anzeige reagiert. Ich sprach dabei die ca. 200 gegnerischen Zuschauer an, die mich am vergangenen Samstag beleidigten – und die ich anzeigen könnte. Aber wahrscheinlich waren es weit mehr als 200. Für Genugtuung meinerseits gibt es allerdings keinen Grund, denn die Gesänge waren so heftig wie immer, wenn der BVB zu Gast bei uns ist. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ohnehin nie Gewalt als Gegenmittel befürworten würde.

Morgenpost Online: Warum kommt es immer wieder gerade in Duellen mit Dortmund zu Zwischenfällen?

Hopp: Offensichtlich glaubt diese Minderheit der Dortmunder Fans, dass Dietmar Hopp der Erfinder des Kommerzes im Fußballgeschäft ist. Und es scheint so, dass sie sich als die Gralshüter der Fußballtradition verstehen. Keiner von denen hat sich je informiert über unser Konzept, unsere Werte und die Fußballbegeisterung in der Rhein-Neckar-Region. Warum sollen sich die Kids unserer Region nicht genauso für ihren Verein begeistern dürfen wie die „Schwarz-Gelben“? Aus vielen Zuschriften von BVB-Anhängern weiß ich jedoch, dass diese Leute eine kleine Minderheit im Verein bilden.

Morgenpost Online: Fürchten Sie nach der Beschallungsaffäre Sanktionen durch den Deutschen Fußball-Bund oder die Deutsche Fußball Liga?

Hopp: Ich denke, dass das vom Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung abhängen wird. Wenn die Aktion gesundheitsschädlich war, kann das Konsequenzen haben – für wen auch immer!

Morgenpost Online: Geht der Klub gegen den Initiatoren der Lautsprecherbeschallung vor?

Hopp: Das kann ich Ihnen nicht beantworten, das ist Sache der Geschäftsführung und nicht des Beirates, dessen Vorsitzender ich bin.

Morgenpost Online: Abseits der Aktion dürfte Ihnen der sportliche Auftritt gegen Borussia Dortmund Spaß bereitet haben.

Hopp: Ja und wie. Endlich haben wir einmal wieder eine beherzt aufspielende Mannschaft der TSG gesehen. Natürlich hatten wir das Glück des Tüchtigen, aber auch das gehört dazu.

Morgenpost Online: Warum kommt Dortmund gerade gegen Hoffenheim immer wieder ins Straucheln?

Hopp: Ich freue mich darüber, habe aber keine Erklärung dafür. Es passiert allerdings immer wieder, dass es sogenannte Angstgegner gibt. Und so wie die BVB-Fans meine Angstgegner sind, scheinen unsere Spieler diese Rolle bei der Dortmunder Mannschaft zu übernehmen.

Morgenpost Online: Die Spieler lobten nach dem 1:0 überschwänglich Trainer Holger Stanislawski für seine Ansprache vor der Partie. Ist er der richtige Typ für Hoffenheim?

Hopp: Dieses Gefühl hatte ich schon beim ersten Zusammentreffen, er ist in der Tat der Richtige für Hoffenheim.

Morgenpost Online: Dabei dachten vor der Saison viele, einer wie Stanislawski würde mit seiner Art nicht in den Kraichgau passen. Zu sehr St.?Pauli, zu alternativ, zu unangepasst lauteten die Urteile.

Hopp: „Stani“ ist ein intelligenter, völlig uneitler Mensch. Er ist stets authentisch und würde in jedem Klub ein sehr, sehr guter Trainer sein. Wir sind froh, ihn zu haben.

Morgenpost Online: Kann Stanislawski das Team dorthin führen, wo es schon mal stand: an der Spitze der Bundesliga?

Hopp: Das wäre sicher eine schöne Momentaufnahme, die nach ganz wenigen Spielen schon mal passieren könnte. Nach mehr als zehn Bundesligaspielen ist das aber weit entfernt von der Realität – und schon gar nicht ist das unsere Erwartungshaltung.

Morgenpost Online: Sind Sie zufrieden, wie die TSG 1899 Hoffenheim nach einem Konsolidierungskurs und erheblichen Einnahmen durch Verkäufe prominenter Spieler wie Carlos Eduardo, Demba Ba und Luiz Gustavo inzwischen aufgestellt ist?

Hopp: Ja, damit können wir sehr zufrieden sein. Aber es sind nicht nur die Spielerverkäufe, die ja Einmaleinnahmen sind, sondern auch eine solide Sponsorenbasis, die uns optimistisch für die Zukunft stimmt. Wir sind sehr gut aufgestellt und werden die Kriterien des Financial Fairplay problemlos erfüllen.

Morgenpost Online: Wohin führt die Reise der TSG?

Hopp: Ich hoffe und glaube, dass wir auch im Jahr vier unserer Bundesligazugehörigkeit eine gute Rolle im gesicherten Mittelfeld spielen werden. Und „Stani“ traue ich zu, in den nächsten Jahren eine Mannschaft zu formen, die vielleicht auch mal international spielen kann.