CHIO in Aachen

Rath siegt mit Totilas auch beim Grand Prix Spezial

Das Weltfest des Pferdsports in Aachen gerät zum Durchbruch für das neue Star-Duo der Dressur. "Es wird immer besser", findet Reiter Matthias Alexander Rath.

Foto: REUTERS

Der Ritt aus dem Dressurviereck geriet zum emotionalen Triumphzug. Immer wieder ballte Matthias Alexander Rath die rechte Hand zur Faust und streichelte liebevoll den Hals seines Pferdes. 5000 Zuschauer im prall gefüllten Dressurstadion jubelten dem Reiter begeistert zu, und Totilas hob bei der Ehrenrunde eifrig seinen Kopf. Es sah so aus, als bedanke sich der Hengst beim Publikum.

Nach dem Sieg im Grand Prix gewann Rath mit seinem Wunderhengst am Samstag beim CHIO in Aachen auch den Grand Prix Spezial. In der zweiten großen Wertungsprüfung um den Großen Dressurpreis erreichte das Paar 83,083 Prozentpunkte. Isabell Werth wurde mit ihrem Nachwuchspferd El Santo Dritte (78,292) hinter der Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival (79,771).

„Das ist unglaublich“, entfuhr es Rath, „ich hätte nie gedacht, dass ich auch den Spezial gewinne.“ Immerhin habe er noch gar nicht so viel Erfahrung mit Totilas . „Aber das war wieder ein super Ritt, da war kein Fehler drin. Es wird immer besser.“

Kür am Sonntag

Zum Abschluss steht für Rath und seinen Rappen am Sonntag noch die Kür an. Schon vor dem finalen Akt zur Musik von DJ Paul van Dyk kann der 26-Jährige den CHIO als großen Erfolg verbuchen. Das Weltfest des Pferdsports ist so etwas wie der Durchbruch für das neue Star-Duo im Dressurviereck.

„Gesamtkunstwerk auf vier Beinen“, „Barack Obama des Pferdesports“ oder „schillernder Rockstar“ – die Beinamen für den elfjährigen Hengst sind vielfältig und meinen doch alle das gleiche. Totilas ist ein Jahrhundertpferd, eine Ausnahmeerscheinung seiner Zunft. Entsprechend groß war die Hypothek für Rath, hieß es in der Branche doch von Anfang an: Mit diesem Pferd ist nur Platz eins möglich – und läuft es nicht, ist der Reiter Schuld.

Kein leichtes Unterfangen für Rath, der als Reiter bislang für wenig Aufsehen gesorgt hatte. Mannschaftsbronze bei EM und WM hat er gewonnen, bei den Olympischen Spielen 2012 in London wird nicht weniger als Doppel-Gold erwartet.

Zum ersten Mal trat Rath in Aachen gegen die versammelte Weltelite an, vor dem Grand Prix am Donnerstag war ihm die Nervosität anzusehen. Nach einer fast fehlerlosen Darbietung entlud sich die Anspannung. Auch bei Stiefmutter Ann-Kathrin Linsenhoff und Züchter Paul Schockemöhle , die für Totilas eine Besitzergemeinschaft bilden. Rath sagt: „Mit jedem Turnier machen wir einen Schritt nach vorn, ich lerne aus jeder einzelnen Prüfung.“

Die beiden Auftritte in Aachen haben Matthias Alexander Rath befreit. Mit einem offenen Lächeln und geröteten Wangen steht er geduldig Fans und Medien Rede und Antwort, er lacht in die TV-Kameras und erfüllt die Autogrammwünsche. „Die Fanpost ist in den letzten Monaten gestiegen, die Autogrammstunden sind wesentlich voller. Und es macht verdammt viel Spaß.“

Außerdem sagt er: „Die hohen Bewertungen haben mir sehr viel Selbstvertrauen verliehen“, und weiß: wer beim CHIO vor heimischer Kulisse besteht, der kann es auch bei den großen Championaten und Olympia schaffen. Dennoch wiegelt Rath stets ab, er werde nicht automatisch jedes Mal gewinnen.

2011 eine Kennlernjahr

Ohnehin sei 2011 eine Kennlernjahr für Totilas und ihn. „Im Viereck bin ich mit Totilas alleine, da kann mir keiner mehr helfen. Da muss ich selber fühlen, wie ich reiten muss. Letzten Endes ist das Reiten meine Handschrift.“ Es gelingt ihm zunehmend besser.

Rath hat die Zweifel hinter sich gelassen, ebenso wie die Zweifler. Die Anfeindungen im Gästebuch seiner Homepage, die vorwiegend aus den Niederlanden kamen, für die Totilas mit Edward Gal im Sattel vormals Siege in Serie errang, haben nachgelassen.

Bundestrainer Holger Schmezer meint: „Die Frage, ob Matthias der richtige Reiter für Totilas ist, ist jetzt beantwortet.“ Und der Vermarkter des Wunderpferdes, Michael Mronz, sagt: „Jeder Sport funktioniert über Protagonisten, die die Menschen in Begeisterung versetzen.“ Das ist Rath mit Totilas bestens gelungen. Alexandra Gross