Ex-Trainer

Die Bayern fürchten sich vor Magaths nächster Rache

Ausgerechnet Wolfsburgs Trainer Felix Magath kann am Samstag mit einem Sieg für seinen ehemaligen Klub Bayern München zum Spielverderber werden.

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Die Meinung von Karl-Heinz Rummenigge steht felsenfest. Länderspiele hält der 95-malige Nationalspieler per se für den Quell allen Übels, für Feinde des Vereinsfußballs, und wenn es dann noch Freundschaftsspiele sind, geht der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern automatisch auf die Barrikaden. „Ersatzlos streichen“ würde er solche Termine, sportlich hätten diese Partien keinen Wert, polterte er auch vor dem Brasilien-Spiel am vergangenen Mittwoch. Nur im stillen Kämmerlein dürfte er sich dieser Tage selbst widersprechen, wenn auch nur ganz leise. Denn der deutsche 3:2-Sieg gegen den Rekordweltmeister dürfte den acht Bayern-Spielern, die Bundestrainer Joachim Löw in seinen Kader berufen hatte, durchaus gutgetan haben.

Zwar fühlte sich FC-Trainer Jupp Heynckes unter der Woche mitunter recht einsam auf dem Trainingsplatz, wo ihm zwischenzeitlich nur vier Feldspieler zu Übungszwecken zur Verfügung standen. Und auch Manager Christian Nerlinger war unglücklich und tat es seinem Boss Rummenigge gleich; er unkte in einem Fan-Chat: „Das Länderspiel ist ein Unding, kommt zur Unzeit, macht überhaupt keinen Sinn und bringt sehr viel durcheinander.“

Doch aus dem Klub kam auch Gegenrede. Der Außeneinsatz der Nationalspieler habe auch Vorteile, betonte Franck Ribery. Es könne für den Kopf der Spieler durchaus gut sein, wenn sie zwei, drei Tage weg seien, sagte der Mittelfeldstar. In der Tat: Fern der bajuwarischen Heimat konnten sich nicht nur die deutschen Auswahlkicker nach dem 0:1-Fehlstart gegen Borussia Mönchengladbach frisches Selbstbewusstsein holen, auch der lange verletzte Ivica Olic feierte sein Nationalelf-Comeback im kroatischen Team. „Die vielen deutschen Nationalspieler – das ist auch sehr gut für die Automatismen beim FC Bayern, weil sich alle perfekt kennen“, sagte Ribery.

Ob Befürworter oder Gegner der Testspiele – der erhöhte Redebedarf beim FC Bayern signalisiert, wie nervös der Rekordmeister nach dem verpatzten Saisonstart ist. Und der Gegner am Samstag trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Der VfL Wolfsburg hat sich durch seinen 3:0-Auftaktsieg beim 1. FC Köln an die Spitze der Tabelle geschossen. Und bei den Niedersachsen sitzt ein Mann auf der Bank, den die Bayern ganz besonders fürchten: Felix Magath .

Der 58-Jährige trug in der vergangenen Saison maßgeblich dazu bei, dass der Rekordmeister weit an seinen gesteckten Zielen vorbeirauschte. Mit dem FC Schalke, den er bis zum 16. März 2011 betreute, fügte er dem Branchenprimus am 15. Spieltag eine schmerzhafte 0:2-Niederlage hinzu. Und als die Münchener die Meisterschaft ohnehin schon abgeschrieben hatten, schmiss Magath sie auch noch aus dem DFB-Pokal – im Halbfinale reichte ein Raul-Tor, um die letzte Titelchance der Münchener zu beseitigen.

Dabei ist Magaths Bilanz gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber mitnichten überragend. 2004 heuerte er in München an und wurde im Januar 2007 entlassen, obwohl er in den beiden Spielzeiten zuvor jeweils das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen hatte. Anschließend gelang ihm mit dem VfL Wolfsburg nur ein Sieg über die Bayern. Der allerdings hatte es in sich. In der Meistersaison 2008/09 trafen die Niedersachsen am 26. Spieltag auf die Gäste aus Süddeutschland, damals punktgleich mit dem VfL. Mit einem überragenden 5:1-Sieg stießen die Wolfsburger Hertha BSC von Platz eins der Tabelle, den sie nicht mehr hergaben. Unvergessen dabei das Hackentor des brasilianischen Stürmers Grafite, das später zum „Tor des Jahres“ gewählt wurde. Nun kann Magath dem FC Bayern den Start in die neue Saison endgültig vermasseln.

Nach der völlig überraschenden Heimniederlage gegen Mönchengladbach am vergangenen Sonntag, die ausgerechnet der neu verpflichtete Torwart Manuel Neuer mit einem Patzer verschuldete , versuchen die Bayern krampfhaft, sich selbst Mut zuzusprechen. „Aus Niederlagen habe ich meine größte Motivation geschöpft, als Spieler und als Trainer“, sagt Jupp Heynckes, „jetzt musst du wieder eine Schippe drauflegen, noch aktiver, noch aggressiver, noch besser vorbereitet sein.“

Hoffnung ruht auf Franck Ribery, der nach seinem 30-minütigen Einsatz am ersten Spieltag nun wohl in die Startformation rücken wird. Sorgen macht derweil der zweite Superstar. Arjen Robben musste zwar nicht für die niederländische Nationalmannschaft ran, deren Partie in England wegen der Unruhen abgesagt wurde. Er wird dennoch ausfallen. Am Freitag absolvierte der angeschlagene Mittelfeldmann zwar noch eine Trainingseinheit, musste danach seinen Einsatz wegen Rücken- und Adduktorenproblemen aber absagen.

Für Felix Magath sind derlei Personalfragen zweitrangig. Auch nach die Auftaktniederlage der Bayern war er nicht in Jubel ausgebrochen – im Gegenteil: „Jetzt stehen sie noch mehr unter Druck, was die Aufgabe für uns nicht leichter macht.“ Sein Rat an seine Spieler: „Meine Mannschaft soll nicht nur auf die Bayern reagieren, sondern wir wollen selbst agieren. In einem Spiel gegen die Bayern ist es Pflicht, dass die Spieler an ihre Leistungsgrenze gehen.“

Dass es gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geht, ist Magath nach eigenem Bekunden egal, obwohl seine Familie noch immer in München wohnt. Er hat sich an derartige Duelle gewöhnt, immerhin stehen in der Hinrunde ja noch sechs weitere Spiele gegen Bundesliga-Vereine an, die er schon trainiert hat. Als da wären: Hamburger SV, Werder Bremen, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und Schalke 04.

Für einen anderen Wolfsburger steckt bedeutend mehr Herzblut in der Partie. Hasan Salihamidzic spielte neun Jahre beim FC Bayern, bevor er 2007 zu Juventus Turin wechselte. Nun hat ihn Magath zurück in die Bundesliga geholt, und das Spiel gegen den Klub, mit dem er die Champions League gewann und sechs Mal Deutscher Meister wurde, geht ihm nah. „Wenn ich jetzt sagen würde, dass das ein ganz normales Spiel für mich ist, würde ich lügen. Ich freue mich riesig drauf“, sagte Salihamidzic der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“. Er habe bei den Bayern eine „Super-Zeit“ gehabt, aber „jetzt will ich mit dem VfL das Bestmögliche herausholen“.

Übrigens kamen nicht alle Bayern-Profis so gut gelaunt von ihren Länderspiel-Einsätzen in den Freistaat zurück wie die deutschen Spieler. Danijel Pranjic zum Beispiel hat nun sogar das unfreiwillige Ende seiner Nationalmannschaftskarriere zu verdauen. Er hatte nach dem 0:0 des kroatischen Teams in Irland seinem Trainer Slaven Bilic den Handschlag verweigert, weil der ihn nicht eingesetzt hatten. Bilic strich den 29-Jährige daraufhin auf Dauer aus dem Elitekader. Es gebe klare Verhaltensregeln, sagte der Coach: „Pranjic hat nach dem Spiel auf ungebührliche Weise seine Unzufriedenheit mit seinem Status zum Ausdruck gebracht. Wir haben ihm für fünf Jahre Mitarbeit gedankt und wünschen ihm Glück für seine Karriere. Das ist keine Suspendierung, sondern eine definitive Entscheidung.“

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