Freude auf 18. Saison

Aufatmen bei Schalke 04 – Liebling Raul bleibt

Stürmer Raul blüht bei Schalke 04 schon wieder auf und widerspricht den Wechselgerüchten. Manager Horst Heldt dämpft derweil die Erwartungen.

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Alexander Ernst war verdattert. Nach dem Schlusspfiff sah der 40 Jahre alte Autohändler, der nebenbei noch beim Breisgauer Siebtligisten FC Teningen im Tor steht, Raúl auf sich zukommen. „Möchtest Du mein Trikot haben?“, fragte der spanische Stürmer von Schalke 04 den Amateurkeeper. Es war eine rhetorische Frage.

Glückselig nahm Ernst das Trikot an sich und begab sich anschließend auf eine Ehrenrunde durch das Freiburger Stadion, wohin das Pokalspiel der Teninger gegen Schalke verlegt worden war.

Vor 21.000 Zuschauer präsentierte Ernst, der zuvor bei der 1:11-Niederlage zwar teilweise gut gehalten, aber häufig doch auch hilflos gewirkt hatte, das dunkelrote Trikot des früheren Weltstars wie ein Torero die Capa. Es war der Auftritt seines Lebens.

Zu verdanken hatte er ihn Raúl, der am Sonntag nicht nur bei Alexander Ernst einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Als seine Schalker Teamkollegen schon längst im Bus saßen, schrieb er noch über 20 Minuten lang Autogramme.

Raúl, der gerade im Begriff ist, in seine 18. Profisaison zu starten, wirkt derzeit zufrieden und gelöst. „Ich liebe dieses Spiel“, hatte er bereits vor einem Jahr gesagt. Da war er von Real Madrid zu Schalke gewechselt und an seinem ersten Tag gefragt worden, was ihn denn nach all’ den Triumphen immer noch antreiben würde zu spielen.

Zurzeit geht es ihm wieder richtig gut, weil er sich auf die kommende Saison freut. Die wird er, entgegen anders lautender Gerüchte der vergangenen Wochen, auf Schalke bestreiten. „Es gibt keine Anfragen für ihn“, sagte Schalkes Trainer Ralf Rangnick und trat damit Spekulationen entgegen, Raúl würde vor dem Absprung stehen.

Am vorletzten Wochenende hatte es sogar den Anschein gehabt, als würde es den 34-Jährigen Angreifer zurück in die Primera Division ziehen. Ein Besuch Raúls im Trainingslager des FC Malaga in den Niederlanden hatte die Gerüchteküche angeheizt.

Der Hintergrund war jedoch wesentlich profaner gewesen: Raúl ist mit Malagas Generalmanager Fernando Hierro, mit dem er früher jahrelang bei Real zusammen gespielt hat, eng befreundet. Es war ein Treffer alter Kollegen. Die Freunde sprachen zwar lange miteinander, aber nicht über einen Wechsel nach Spanien.

Raúl will seinen Vertrag mit den Schalkern, der noch ein Jahr läuft, erfüllen. Warum auch nicht? In seiner ersten Saison hat er – nach einigen Anlaufschwierigkeiten – 19 Pflichtspieltreffer erzielt.

Und im Konzept von Rangnick spielt er auch weiterhin eine wichtige Rolle – ob als Sturmspitze in einem Zweier-Angriff oder als zentraler offensiver Mittelfeldspieler im 4-2-3-1-System, das Rangnick für die kommende Spielzeit zu bevorzugen scheint, ist da von untergeordneter Bedeutung.

„Raúl sieht seine taktische Rolle wie ich“, sagte der Coach, der die Diskussion darüber, wie Raúl am besten einzusetzen sei, ohnehin nicht nachvollziehen kann. „Er hat auch in der vergangenen Saison schon leicht zurückgezogen gespielt“, so Rangnick, der im Verdacht stand, den Spanier durch die Systemumstellung seiner Stärke zu berauben. Tatsächlich aber findet sich Raúl überall zurecht.

In Freiburg harmonierte er im 4-2-3-1 gut mit Klaas-Jan Huntelaar. Raúl erzielte zwei Treffer , Huntelaar sogar vier.

Offen ist dagegen, welche Rolle zukünftig Ciprian Marica spielen soll. In Stuttgart, wo er wegen Differenzen über seine taktische Rolle mit Trainer Bruno Labbadia aussortiert worden war, spielte er meist als eine von zwei Spitzen. Da die beiden zentralen Positionen mit Raúl und Huntelaar besetzt scheinen, muss für den ablösefrei verpflichteten 25-Jährigen wohl eine andere Verwendung gefunden werden. Ob dies gelingt, ist offen.

„Wir müssen sehen, ob er die Bereitschaft und die taktischen Voraussetzungen mitbringt“, sagte Rangnick, der ursprünglich mit Papiss Cissé und Nolan Roux (Brest) andere personelle Vorstellungen gehabt hatte. Doch da Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem verschuldeten Klub Konsolidierung verordnet hat, ließen sich die nicht umsetzen.

Entsprechend bescheiden gehen die Schalker in die Saison. Es könne sein, sagte Manager Horst Heldt, dass nur „Platz acht“ herausspringe. Das wäre zwar gegenüber der Vorsaison eine Verbesserung um sechs Ränge, entspricht aber trotzdem kaum den sonst üblichen Vorgaben auf Schalke. Doch mit dem Hochmut soll es vorbei sein, verlangt Tönnies. „Es darf kein Gerede mehr von der Meisterschaft geben“, forderte der Fleischfabrikant zur Bescheidenheit auf.

Für Raúl dürfte dies kein Problem sein. Er hat in seiner Karriere ohnehin fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Jetzt will er nur noch spielen.