Frauenfussball und Mode

"Kim Kulig ist einfach mal Milchschnitte"

Model Marie Amière spricht mit Morgenpost Online über WM-Trikots, Mode für weibliche Fans, Ljungberg und Beckham – und deren mögliche Pendants im Frauenfußball.

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Marie Amière war die einseitige Fan-Mode leid – und schaffte selbst Abhilfe. Im vergangenen Jahr brachte sie mit "Football loves Couture" ihre eigene Kollektion heraus und legte vor der WM der Frauen nach: Zusammen mit Trachten Angermaier entwarf sie eine Dirndl-Kollektion für weibliche Fußball-Fans.

Morgenpost Online: Sie haben sich die Trikots einzelner Mannschaften angesehen – welches ist der Sieger?

Marie Amière: Ich finde das Trikot der US-Mädels sehr schön, weil es diesen angedeuteten Ausschnitt und einen stylischen, modernen Schnitt hat. Aber dass es der Sieger ist, würde ich nicht sagen. Ich stehe ja wirklich auf das der Deutschen. Das weiße, taillierte Trikot mit dem klaren Design ist sehr gelungen.

Morgenpost Online: Ist es weiblich genug?

Amière: Ich finde schon. Vor allem finde ich es wichtig, dass die Frauen endlich ihr eigenes Trikot haben. Ich bin eine Frau, ich bin gerne Frau und präsentiere auch gern meine Weiblichkeit – warum sollte das bei den Fußballerinnen anders sein? Frauen sind Frauen; deshalb sollten sie auch ihre eigenen Trikots haben. Ich begreife nicht, warum das nicht schon seit langem der Fall ist. Wenn man bedenkt, dass Yves Saint Laurent Hosenanzüge für Frauen schon in den 60er-Jahren entworfen hat, hinken die Frauen-Trikots da doch gut 50 Jahre hinterher.

Morgenpost Online: Nun zeigen Sportlerinnen aus anderen Bereichen deutlich mehr Haut, tragen Figur betontere Kleidung – im Beachvolleyball müssen sie das sogar. Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte es mal gewagt, einen Vorschlag in diese Richtung zu machen – das kam nicht gut an.

Amière: Natürlich ist es toll, sich die Beachvolleyballerinnen anzuschauen, aber es geht doch in erster Linie um Sport und nicht um Fleischbeschau. Man kann die Fußballerinnen zum Beispiel auch nicht mit den Tennisspielerinnen vergleichen ...

Morgenpost Online: ... die zum Teil sehr extravagante Kleidung auf dem Platz tragen.

Amière: Das ist cool, aber sie sind ja Einzelsportlerinnen, die für sich selbst entscheiden, wie sie sich kleiden möchten. Wenn es um eine Mannschaft geht, sollte es schon schlichter gehalten sein, sodass sich wirklich alle wohlfühlen können.

Morgenpost Online: Und Sie haben sich als Fan in den Männertrikots nicht wohl gefühlt – oder wie kam es zu Ihrer eigenen Kollektion?

Amière: Bei der WM 2006 in Deutschland war ich ständig beim Public Viewing oder bei Freunden, um die Spiele zu sehen. Und ich ziehe einfach ungern immer dasselbe an – also habe ich mir ein Trikot in der Kinder-Abteilung gekauft, es bei einer Schneiderin taillieren lassen. Aber das war mir dann auch zu langweilig und ich habe mir dann aus einem Originaltrikot eines für Mädchen schneidern lassen – schön eng, mit tiefem Dekolletee und Strass. Jeder hat mich darauf angesprochen, aber so etwas gab es ja nicht im Handel. Also habe ich gedacht: ‚Dann mache ich es selbst – in Anlehnung an die deutschen Nationaltrikots.' So ist "Football loves Couture" entstanden.

Morgenpost Online: Mal abgesehen von der Trikotfrage – ticken Sie als Fan genauso wie ihre männlichen Freunde?

Amière: Ich sehe da keine großen Unterschiede. Wir Frauen putzen uns zwar auch ganz gern mal heraus, aber jubeln und schreien – das können wir doch genauso wie die Männer. Ich hatte das Glück, dass ich bei dem WM-Finale damals in Deutschland dabei sein durfte. Danach war mir jedoch nicht mehr zum Feiern zumute, weil mein absoluter Liebling Zinedine Zidane vom Feld gehen musste. Das hat mir wirklich das Herz gebrochen – seinetwegen habe ich überhaupt angefangen, Fußball zu sehen. Aber deswegen habe ich im Anschluss keine Randale gemacht. Das könnten sich die männlichen Fans, dann doch mal bei uns Frauen abgucken.

Morgenpost Online: Laut einer Studie haben sich mehr Männer als Frauen auf die WM der Frauen gefreut. Können Sie das nachvollziehen?

Amière: Fußball ist natürlich nach wie vor ein Sport, für den sich hauptsächlich Männer interessieren und es ist ja auch ehrlicher Weise so, dass viele – natürlich längst nicht alle – Frauen auch zusehen, weil sie einige Typen scharf finden. Und wenn da so ein knackiger Beckham übers Spielfeld hüpft, sehe ich da auch gerne hin.

Morgenpost Online: Beckham oder auch Freddie Ljungberg sind gewissermaßen auch Kollegen von Ihnen – sie begegnen uns auch gern mal als Models.

Amière: Fredrik Ljungberg ist ein Hammertyp. Der ist ein Knaller. Aber als ich Beckham in der Armani-Werbung auf einem Riesen-Plakat gesehen habe, wie er da in dieser Unterhose sitzt – sexy! Aus demselben Grund, weshalb manche Frau neben dem Sportlichen gern aufs Feld schaut, sehen aber vielleicht auch einige Männer zu – und es sind ja auch hübsche Spielerinnen dabei.

Morgenpost Online: Welche könnten Sie sich denn als Pendant zu Beckham oder Ljungberg vorstellen – als Model?

Amière: Die Französin Corine Franco – blond, sehr schlank, ein ganz fein geschnittenes Gesicht – ist ein Modeltyp. Aber sie ist nicht so umwerfend sexy wie einer der beiden Spieler. Alex Morgan aus den USA ist auch sehr hübsch, hat ein sehr ebenmäßiges Gesicht. Hope Solo hat zwar einen Hauch maskuliner Ausstrahlung, aber solch eine Power und Hammer Augen – die ist großartig. Heather Mitts weiß sich zum Beispiel auch auf dem roten Teppich zu kleiden, das gefällt mir. Fußballerinnen sind tolle Frauen, haben megamäßige Körper, einen knackigen Po, den sich jede zweite deutsche Frau wünscht – und das alles kann man auch hervorragend in Szene setzen, man muss es nur richtig machen.

Morgenpost Online: Eine deutsche Spielerin haben Sie noch nicht erwähnt – hat von Ihnen keine Modelpotenzial?

Amière: Fatmire Bajramaj ist eine interessante Frau, die sich zum Beispiel auch gut auf dem roten Teppich bewegt. Kim Kulig finde ich sehr hübsch, mit ihren Locken sehr süß. Vor allem hat sie eine auffallend positive Ausstrahlung; das erste, was bei mir ankommt, ist ihre Fröhlichkeit. Die ist einfach mal Milchschnitte!