Frauen-Fußball

Nach WM-Aus auch Olympia ohne Deutschland

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat nach dem WM-Aus gegen Japan und dem Sieg Schwedens gegen Australien auch die Teilnahme beim olympischen Turnier 2012 in London verpasst.

Das Spiel ist aus, die Party vorbei, das große Finale abgeblasen – ausgerechnet für Titelverteidiger und Gastgeber Deutschland. Bereits eine Woche vor dem Finale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankfurt/Main muss das Team von Bundestrainerin Silvia Neid Tränen trocknen und Koffer packen. „Das tut weh“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Auch Organisationschefin Steffi Jones trauert. Und der Zug zu den Olympischen Spielen in London 2012 ist auch angefahren.

Dafür feiern neben den Japanerinnen und die Französinnen auch die Schwedinnen den Einzug ins Halbfinale. Die Skandinavierinnen setzten ihren Sturmlauf auch gegen Australien fort und siegten in Dresden mit 3:1 (2:1) gegen den Außenseiter. Für den Vize-Weltmeister von 2003 trafen Therese Sjögran (11. Minute), Lisa Dahlkvist (16.) und Lotta Schelin (52.). Ellyse Perrys Tor (40.) half den „Aussies“ nicht mehr.

Das Team von Trainer Thomas Dennerby spielt nun am Mittwoch (20.45 Uhr) in Frankfurt/Main gegen Deutschland-Bezwinger Japan um den Einzug ins Endspiel.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth hatte am Samstag noch kurz vor dem Anpfiff erzählt, dass die Stadt nach dem 17. Juli den WM-Titel der Deutschen mit „einer großen Sause“ feiern könnte. Doch dann herrschte Fassungslosigkeit in der Wolfsburger WM-Arena, auf den Fanmeilen und vor den Fernsehschirmen: Dass der Traum vom WM-Triple für die DFB-Auswahl so früh ausgeträumt ist, hätte sich kaum jemand vorstellen können. „Ich bin fassungslos. Ich kann es nicht glauben. Es ist alles aus und vorbei“, brachte Nationalspielerin Linda Bresonik die allgemeine Gemütslage nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen Japan als Erste treffend auf den Punkt. „Ich bin sehr, sehr traurig“, sagte Neid mit versteinerter Miene.

Das Tor von Karina Maruyama in der 108. Minute vor 26.067 Fans traf die DFB-Auswahl bis ins Mark. „Ich werde irgendwie noch gar nicht erwartet zu Hause. Wir hängen jetzt so ein bisschen in der Luft“, gestand Neid. Für die deutschen Frauen endete damit die Rekordserie von 15 WM-Spielen (davon 14 Siege) ohne Niederlage. Es war das schwächste Abschneiden bei einer WM seit 1999.

Neid wird sich Kritik gefallen lassen müssen, nicht nur wegen des umstrittenen Umgangs mit Spielführerin Birgit Prinz, die nach 214 Länderspielen ihr internationales Karriereende auf der Bank erlebte und stocksauer war. „Ich habe mich fit gefühlt und hätte gerne gespielt. Die Trainerin hat aber anders entschieden. Ich akzeptiere das“, grummelte Prinz. Noch schlimmer verlief der Abend für Kim Kulig: Die 21-Jährige zog sich bereits in der 4. Minute einen Kreuzbandriss im Knie zu.

Fast 17 Millionen sahen das Viertelfinale

Kein Trost ist den WM-Gastgebern der erneute TV-Rekord: 16,95 Millionen Fernsehzuschauer sahen das Spiel im ZDF. Statt der DFB-Elf treffen nun die Japanerinnen am Mittwoch in ihrem ersten WM-Halbfinale in Frankfurt auf Schweden. „Ich bin stolz auf meine Spielerinnen. Wenn man schon gegen den Gastgeber und Favoriten Deutschland gewinnt, hat man auch Chancen auf den Einzug ins Finale“, meinte Trainer Norio Sasaki.

Steffi Jones, die Präsidentin des WM-Organisationskomitees, hatte das Drama auf der Frankfurter Fanmeile verfolgt und rang „wahnsinnig traurig“ nach Worten. „Wir hatten uns so viel vorgenommen, wir wollten bis ins Finale“, sagte die Weltmeisterin von 2003. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir als Gastgeber die anderen Mannschaften unterstützen.“

Frankreichs Fußballerinnen tanzten hingegen vor Freude über den 4:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen England und den erstmalige Einzug in ein WM-Halbfinale. Trainer Bruno Bini durfte sich zudem über die Olympia-Qualifikation für London 2012 freuen, die die zwei besten europäischen Teams bei diesem Termin sicher haben. „Ich bin bei dem Gegentreffer zehn Jahre gealtert und weitere zehn Jahre beim verschossenen Elfmeter. Aber der Sieg hat mich wieder 22 Jahre jünger werden lassen“, sagte der 56-Jährige. Am Mittwoch (18.00 Uhr) wartet nun in Mönchengladbach der Sieger der Partie Brasilien – USA auf die Französinnen.

Vor 26.395 Zuschauern mussten Bini und sein Team allerdings lange zittern. Elise Bussaglia glich erst in der 88. Minute mit einem Gewaltschuss die englische Führung durch Jill Scott (59.) aus – und nach torloser Verlängerung eröffnete Abily das Elfmeterschießen mit einem Fehlversuch. Nerven zeigten aber ebenso die Engländerinnen Claire Rafferty und Faye White, die mit dem letzten Schuss die Latte traf.