Rekordmeister

Bayern setzt Stars Ribery und Robben unter Druck

Franck Ribery enttäuschte bei den Bayern oft, der Franzose steht vor einer richtungsweisenden Saison – wie der verletzungsanfällige Arjen Robben.

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Er schnappt sich seine Waffe und läuft los. Franck Ribery visiert das Ziel an, drückt ab und trifft seinen Kollegen David Alaba ins Gesicht. Die Waffe des französischen Nationalspielers vom FC Bayern München ist eine Plastikflasche, mit Wasser geladen. Ribery lacht und läuft weiter. Selbst nach einer harten Einheit bei 30 Grad Celsius im Trainingslager scheint er nicht zu wissen, wohin mit all seiner Energie.

Am Gardasee zeigt es sich jeden Tag: Ribery ist enorm motiviert und sich bewusst, dass er vor einer richtungsweisenden Saison steht. Er muss etwas unter Beweis stellen. Nicht, dass er schnell ist und Traumtore erzielen kann, das hat er zur Genüge getan. Er muss beweisen, dass er den FC Bayern und seine Rolle beim Rekordmeister verstanden hat. Dass die vergangene Saison ohne Titel für den Klub auch wegen seiner schwachen Leistungen eine Demütigung war, dass er verstanden hat, wie sehr er in der Bringschuld ist. „Ich will, dass die Fans wieder den wahren Ribery sehen“, sagte er der „TZ“.

Und meint den Ribery in seiner ersten Bayern-Saison 2007/08: elf Tore, acht Vorlagen, düpierte Gegenspieler, Meisterschaft. Viele sagten damals, er sei einer der besten Außenspieler der Welt. Auch in den Jahren danach hatte der Franzose viele große Momente, aber wenig große Phasen. Zu wenige. Ihm fehlte die Konstanz, ein Bänderriss tat sein übriges. Mit Arjen Robben, dem zweiten Ausnahmeflügelspieler, ist er das Herz des Bayern-Spiels. Und ein Herz muss immer schlagen, sonst wird es gefährlich. In der vergangenen Saison stockte es oft, jetzt stehen die Superstars in der Pflicht.

Die Bayern haben Ribery immer Rückendeckung geben, auch in der Affäre um eine Prostituierte und nach dem peinlichen Aus bei der Weltmeisterschaft 2010 mit Frankreich. Unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes hat Ribery keinen Sonderstatus. „Er muss sich wie jeder andere integrieren“, sagt Heynckes. Er sei nicht auf einzelne Spieler fokussiert und beim Spielsystem flexibel. Fest stehe aber: „Der FC Bayern muss auf den Außenpositionen immer besetzt sein.“ Heißt: Er fordert von Ribery und Robben, dass sie das Tempo bestimmen, in kritischen Spielphasen die jungen Spieler mitreißen und nahezu immer anspielbar sind.

Als Ribery mit Kollegen im Training am Dienstag einen Sprintwettbewerb verlor, musste seine Gruppe zur Strafe Liegestützen machen. Ribery war dabei schneller als jeder andere, sprang danach auf und lief mit ausgestreckter Hand zu Heynckes. Als wolle er sagen: „Siehst du Trainer, so fit bin ich schon. Ich meine es richtig ernst. Schlag ein!“ Heynckes grinste zufrieden und klatschte mit ihm ab. Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Christian Nerlinger sahen am Rande des Platzes zu. „Ich bin sehr angetan von seinen ersten Einheiten“, sagt Trainer Heynckes.

Auch Arjen Robben fordert mehr von sich selbst – obwohl er 2010/2011 eine gute Rückrunde spielte. In 14 Spielen erzielte er zwölf Tore und bereitete zehn Treffer vor. Mit einer Trefferquote von 0,8 pro Partie war er sogar fast so erfolgreich wie Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona (0,9). Sein Problem ist die Verletzungsanfälligkeit. Der Niederländer fiel in den vergangenen Jahren immer wieder über längere Zeit aus, in der Hinrunde der Saison 2010/2011 fehlte er wegen eines Muskelrisses.

Jetzt will der Nationalspieler zeigen, dass sein drahtiger Körper eine ganze Saison durchhält. „Ich arbeite hart an mir und will in der Bundesliga so stark wie möglich anfangen. Mein oberstes Ziel ist es, die ganze Saison fit zu bleiben“, sagt Robben. In diesen Tagen trainiert er nach jeder Einheit noch seine Rückenmuskulatur und dehnt sich ausgiebig. „Ich will stärker werden.“

Er hoffe sehr, dass Ribery und er fit bleiben und öfters als zuletzt gemeinsam spielen können. Schließlich habe er sich vorgenommen, noch mehr Verantwortung und eine Führungsrolle zu übernehmen. „Es ist ganz wichtig für mich, diesen Schritt zu machen“, sagt Robben.

In der vergangenen Saison habe die Mannschaft den Gegnern zu viele Freiräume gelassen. Resultat: 40 Gegentore. Robben hat die Schwäche erkannt und will jetzt mehr für die Defensive tun, das habe er sich fest vorgenommen. „Da müssen wir helfen.“

Viel Zeit zum Üben bleibt ihm und Ribery nicht – Mitte August spielen die Bayern bereits in der Qualifikation um den Einzug in die Champions League. Zwei so entscheidende Spiele gleich zu Saisonbeginn, das sei ungewohnt, so Robben, der sich mit seinen Kollegen einen Traum verwirklichen will: „Ich habe noch ein großes Ziel: Ich will die Champions League gewinnen, das fehlt mir im Verein noch.“