Boxen

Felix Sturm kritisiert die Klitschkos und Abraham

Vor seinem WM-Kampf am Samstag gegen den US-Amerikaner Ronald Hearns spricht Felix Sturm im Interview mit Morgenpost Online Klartext.

Am Sonnabend (22.30 Uhr, Sat.1) boxt Felix Sturm gegen den US-Amerikaner Ronald Hearns – es ist das zehnte Mal, dass der gebürtige Bosnier seinen Weltmeistertitel des Verbandes World Boxing Association verteidigt. Insgesamt kommt der 32 Jahre alte Mittelgewichtler bei 37 Kämpfen auf 34 Siege und zwei Niederlagen.

Morgenpost Online: Als Sie sich Anfang 2010 vom Universum-Stall getrennt haben und selbstständig wurden, haben Sie angekündigt, nur noch gegen die Besten boxen zu wollen. Jetzt treten Sie gegen die Nummer 49 der Weltrangliste an. Wie passt das zusammen?

Felix Sturm: Ich gebe nicht viel auf diese Computer-Ranglisten. Ronald Hearns ist ein sehr guter Gegner, er hat nur eine Niederlage kassiert und den unbedingten Willen, seinem berühmten Vater nachzueifern. Deshalb verdient er mehr Respekt. Ich bin mir sicher, dass mir ein harter Kampf bevorsteht.

Morgenpost Online: Den großen Namen verdankt Ihr Gegner seinem Vater Thomas „Hitman“ Hearns. Ist es nicht Ihr Anspruch, Gegner zu bekommen, die ihren Ruf selbst erarbeitet haben?

Sturm: Das Problem ist, dass die ganz großen Namen derzeit gar nicht da sind. Ich hätte gegen Sergio Martinez boxen können, aber den kennt hier niemand. Wir waren mit Ricardo Mayorga einig, doch dann hat er das Angebot erhalten, in den USA gegen Miguel Cotto anzutreten und eine Millionenbörse zu kassieren. Das war Pech. Alle anderen, die wir angefragt haben, Leute wie Kermit Cintron oder Peter Manfredo, hatten zwar eine große Schnauze, aber nach Deutschland wollte niemand kommen. Der Pay-TV-Sender HBO wollte mich in die USA holen, aber mein Markt ist Deutschland.

Morgenpost Online: Spüren Sie jetzt, dass Sie es sich nicht leisten können, die Großen nach Deutschland zu holen?

Sturm: Wir haben eine Menge Geld geboten, einigen mehr, als sie in drei Kämpfen drüben verdienen. Aber die trauen sich letztendlich nicht, hier anzutreten. Ich verstehe die Kritik nicht. Als ich noch bei Universum war und schwache Gegner geboxt habe, gab es nicht einmal halb so viele Beschwerden. Immerhin hole ich mir keinen Unbekannten aus dem tiefsten Russland, den ich dann groß rede. Ich investiere in Gegner mit Klasse und Bekanntheit. Beides hat Ronald Hearns, der nebenbei bemerkt auch teuer ist.

Morgenpost Online: Was ist mit Titelvereinigungskämpfen gegen die anderen deutschen Weltmeister Sebastian Sylvester und Sebastian Zbik von den Verbänden IBF und WBC?

Sturm: Ehrlich gesagt reizen mich an diesen Kämpfen lediglich die Titel. Sportlich bringen mir diese Duelle nicht viel. Sylvester habe ich schon einmal klar geschlagen. Ich habe mit seinem Promoter Kalle Sauerland gesprochen, der wollte zu Verhandlungen nach Köln kommen. Gehört haben wir dann nie wieder was, nur über die Presse. Das ist typisch für die: große Klappe und nichts dahinter.

Morgenpost Online: Und Zbik?

Sturm: Was hat der schon erreicht? Er hat den WBC-Titel geschenkt bekommen, weil Sergio Martinez ihn niederlegen musste. Er hat keinen namhaften Gegner besiegt. Ich kann mittlerweile nur noch darüber lachen, dass viele meinen Namen benutzen, um sich eine gute Börse zu verschaffen. Aber dennoch: Für Deutschland sind diese Kämpfe sicherlich interessant. Ich bin also für jedes Gespräch offen.

Morgenpost Online: Auch Arthur Abraham wird schon wieder als Gegner gehandelt.

Sturm: Das ist noch etwas, was ich nicht begreife. Glaubt denn sein Promoter Sauerland nicht daran, dass er im Super-Six-Halbfinale gegen Andre Ward gewinnt? Ich habe das Gefühl, die haben Abraham aufgegeben. Wenn er gegen Ward verliert, weiß ich allerdings auch nicht, ob er für mich noch interessant ist, bei dann drei Niederlagen in Serie. Ich fühle mich bestätigt: Arthur ist ein Hauer, er hat boxerisch aber nichts drauf. Das hat die Welt spätestens bei seiner Niederlage gegen Carl Froch gesehen.

Morgenpost Online: Können Sie irgendwann den Status der Klitschko-Brüder erreichen?

Sturm: Ich würde diesen Status gern erreichen, und ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Allerdings bleibe ich dabei, dass es mir persönlich nicht egal ist, gegen wen ich antrete. Ich will die Besten! Aber die müssen sich auch mal trauen.

Morgenpost Online: Sie gehören keinem Boxstall an. Wann sind Sie so weit, selbst als Promoter aufzutreten?

Sturm: Ich möchte derzeit nicht zweigleisig fahren, weil meine Konzentration auf meiner aktiven Karriere liegt. Allerdings lebe und atme ich das Boxen seit 20 Jahren, ich gucke mir viel ab von den Leuten um mich herum, und wenn ich in vier, fünf Jahren aufhöre, dann könnte mich das Promoterbusiness schon reizen.

Morgenpost Online: Sie haben mittlerweile zwei Boxer unter Vertrag. Wie viele Anfragen von Kollegen bekommen Sie?

Sturm: Das sind schon einige. Aber ich mache denen keine großen Hoffnungen, ich will gar nicht so viele andere Sportler hier haben. Ich habe das Gym hauptsächlich für mein kleines Team und mich gebaut, damit ich meine Ruhe habe.

Morgenpost Online: Nach dem Ausstieg des ZDF musste bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber Universum ein Großteil der Belegschaft entlassen werden. Überrascht?

Sturm: Eigentlich nicht. Die haben einfach ein richtiges Seuchenjahr gehabt, und wenn dann der Fernsehpartner abspringt, ist es unheimlich schwer, das Niveau zu halten. Das ist wirklich schade für Universum.

Morgenpost Online: War Ihr Abgang der Sargnagel?

Sturm: Nein. Universum hatte viele talentierte Sportler, ich war nur einer von vielen. Es wäre ja auch fahrlässig, nur auf eine Säule zu bauen. Ich war Teil des Fundaments, aber mein Abgang hat nicht dazu geführt, dass das Haus eingestürzt ist.