Schalke feiert, Bayern trauert: Der Absturz von Bayern München nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Der deutsche Rekordmeister verlor das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Schalke 04 mit einem souveränen Manuel Neuer nach einer erneut schwachen Vorstellung verdient mit 0:1 (0:1). Den Münchnern, in der Liga bereits ohne Meisterchance, droht nun eine Saison ohne Titel. Nur noch in der Champions League ist die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal im Rennen. Auf den Niederländer warten sehr ungemütliche Zeiten.

„Es ist eine große Enttäuschung. Das ist auch Fußball, dass eine Mannschaft nur verteidigt, dann kontert und auch noch ein Tor macht", meinte van Gaal. "Dann fehlt uns auch noch das Glück. Ich denke, dass wir in der zweiten Halbzeit großartig gespielt haben – mit einem Löwenherz.“

Schalke-Coach Felix Magath sagte: „Wir wussten, dass wir eine Chance kriegen würden. Wir sind bei den Standards sehr gefährlich gewesen und hätten noch ein Tor mehr machen können. Insofern haben wir uns das verdient, auch wenn wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel für das Spiel getan und nur noch verteidigt haben. Das Finale in Berlin ist etwas ganz Lohnendes, und ich freue mich, dass wir es erreicht haben.“

Schalke nutzte dagegen dank Torschütze Raul die wohl letzte Chance, sich doch noch für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Die Königsblauen zogen zum zwölften Mal ins Pokalfinale ein. Am 21. Mai in Berlin ist das Team von Felix Magath gegen den Zweitligisten MSV Duisburg klar favorisiert.

„Wir freuen uns tierisch, dass wir im Finale stehen. Das ganze Ruhrgebiet freut sich darauf, na ja, nicht das ganze“, meinte Schalkes Nationaltorwart Manuel Neuer. „Wir wussten, dass wir eine Chance kriegen würden. Wir sind bei den Standards sehr gefährlich gewesen und hätten noch ein Tor mehr machen können. Insofern haben wir uns das verdient, auch wenn wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel für das Spiel getan und nur noch verteidigt haben“, erklärte Trainer Magath.

„Natürlich hat das frühe 0:1 Schalke in die Karten gespielt, sie haben sich bis 40 Meter vor dem eigenen Tor zurückgezogen. Wir haben keine Lösung gefunden“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm und bilanzierte: „Wenn wir nicht Meister werden und nicht den Pokal gewinnen, ist es keine gute Saison für den FC Bayern.“

Für die Bayern, 15-maliger Cupgewinner und bisher 17-mal im Finale, war es die erste Pokal-Heimniederlage seit knapp 20 Jahren. Seit dem 2:4 nach Verlängerung gegen den FC Homburg am 17. August 1991 gab es 24 Siege. Für Schalke war es im zehnten Pokal-Duell gegen die Bayern erst der zweite Sieg.

Den Triumph der Schalker und ihres Trainers leitete einmal mehr der Spanier Raul mit seinem Treffer in der 15. Minute ein. Bayern-Keeper Thomas Kraft war ohne Abwehrchance. Das Duell zwischen Kraft und Schalkes Nationaltorwart Neuer, Wunschkandidat der Münchner, stand im Mittelpunkt des Interesses.

Neuer musste sich schon vor dem Anpfiff ein gellendes Pfeifkonzert gefallen lassen. Zudem wurde jede Ballberührung des 24-Jährigen von lautstarken Pfiffen der Bayern-Fans begleitet. Die hatten ihre Meinung zum geplanten Wechsel zudem mit Plakaten deutlich gemacht: „Koan Neuer“ (kein Neuer) war zu lesen. Kraft wurde dagegen bei jeder Aktion frenetisch gefeiert. Neuer ließ dies jedoch kalt. Er zeigte eine fehlerfreie Vorstellung. „Ich denke, ich habe eine solide und seriöse Leistung geboten“, meinte Neuer.

Die Bayern bestimmten die Anfangsphase, ohne dabei gefährlich zu werden. Anders die Schalker: Bereits bei der ersten Gelegenheit durch Raul nach Eckball von Jose Manuel Jurado (14.) musste Mario Gomez auf der Linie retten. Nur eine Minute später gingen die Gäste dann aber in Führung. Nach Eckball von Jefferson Farfan verlängerte Benedikt Höwedes, Raul vollendete mit dem Kopf aus kurzer Distanz. Die Bayern-Abwehr, insbesondere Bastian Schweinsteiger und Anatoli Timoschtschuk, sah dabei nicht gut aus.

Die Bayern waren nur kurz geschockt. Arjen Robben, ansonsten wie schon gegen den BVB gut abgeschirmt, traf das Außennetz (17.). Danach erlahmten die Bemühungen aber schon wieder. Schalke hatte in der Defensive leichtes Spiel, da auch Franck Ribery nicht ins Spiel kam. Neuer erlebte so eine weitgehend geruhsame erste Hälfte. Auf der Gegenseite hatte Kraft Glück, dass Philipp Lahm nach einem Kopfball von Höwedes auf der Linie klärte (35.).

Nach dem Wechsel erhöhte Bayern den Druck. Zunächst verpasste Robben eine Hereingabe von Danijel Pranjic nur knapp. Dann scheiterten Schweinsteiger (54.) und Robben (55.) an Neuer. Robben verzog zudem knapp (58.). Schalke konnte sich nur noch sporadisch befreien, blieb bei Kontern aber gefährlich. Die Münchner warfen alles nach vorne und wechselten Miroslav Klose und Daniel van Buyten als Stürmer ein.

sid/fb