Morgenpost Online : Frau Friedrich, wie schwer tragen Sie an der Last, in der deutschen Öffentlichkeit auf eine WM-Medaille, ja sogar auf Gold, programmiert zu sein?

Ariane Friedrich : Wie Sie sicher mitbekommen haben, gehe ich offen mit dem Thema um: Ich erkläre immer wieder der Öffentlichkeit und vor allem Ihren Kollegen, dass ich um eine Medaille kämpfen werde. Im gleichen Satz erkläre ich aber, dass auch andere Athletinnen die Medaillen gewinnen wollen. Ein Medaillengewinn ist also kein Selbstläufer.

Morgenpost Online : Eigentlich eine klare Ansage.

Friedrich : Aber auch wenn ich diesen Satz immer und immer wiederhole, wollen ihn einige nicht hören. Hier könnten auch Medienvertreter uns Athleten viel mehr helfen.

Morgenpost Online : Wie schaffen Sie es, den ganzen Hype von sich weg zu schieben oder ihn erst gar nicht an sich heran zu lassen?

Friedrich : Wenn mein Trainer nicht die meisten Anfragen Ihrer Kollegen von mir ferngehalten hätte, hätte ich vor lauter Stress wahrscheinlich gar nicht mehr springen können. Er hat alles abgeblockt, was mich auch nur in irgendeiner Art nerven könnte. Und er weiß wirklich ganz genau, was mich nerven kann.

Morgenpost Online : Was strengt Sie denn mehr an: eine Trainingseinheit oder ein Interview?

Friedrich : Ein Interview kann durchaus auch Spaß bereiten, in letzter Zeit habe ich mich aber deutlich mehr aufs Training gefreut.

Morgenpost Online : Topleistungen durch Abschottung – ist das Ihr Erfolgsrezept?

Friedrich : Dies ist bisher bestimmt einer unserer Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Morgenpost Online : Beim letzten Aufeinandertreffen in Monte Carlo hat Blanka Vlasic gegen Sie gewonnen – ist sie jetzt psychologisch im Vorteil bei der Weltmeisterschaft?

Friedrich : Ich sehe das etwas anders, für mich ist es mehr als gut. Eigentlich sollte jetzt jeder verstehen, dass es mehrere Athletinnen gibt, die eine Medaille gewinnen wollen und dies auch können.

Morgenpost Online : Wie ist überhaupt das Verhältnis zu Blanka Vlasic, hat sie es Ihnen verziehen, dass Sie ihr 2008 durch einen Sieg beim Golden-League-Abschluss in Brüssel den Anteil am Jackpot vermasselt haben?

Friedrich : Ich denke schon – das ist eben Sport. Unser Verhältnis ist so, wie es unter Sportlern sein sollte. Man achtet und respektiert sich. Im Wettkampf sind wir aber Rivalinnen.

Morgenpost Online : Bitte vervollständigen Sie die beiden Sätze: Ariane Friedrich hat es für Ihr Leben gern ...

Friedrich : ... wenn sie sich nach dem Wettkampf mit Schokolade belohnen kann.

Morgenpost Online : Ariane Friedrich wird richtig wütend ...

Friedrich : ... wenn im Sport betrogen wird.