Olympiabewerbung

Der Münchener Slalom zu Olympia

München, Pyeongchang oder Annecy – wer bekommt die Winterspiele 2018? Das IOC wird ganz genau auf die Olympiagegner achten.

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Olympische Spiele sind ein milliardenschweres Geschäft, und nicht immer folgt ihre Vergabe einer nachvollziehbaren Logik. Oft spielt Irrationalität im Konglomerat der Interessen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Am 6. Juli befinden 105 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) darüber, ob München, Pyeongchang oder Annecy die Winterspiele 2018 ausrichten darf. Wird es eine Grundsatzentscheidung geben zwischen altem Markt (Europa) und neuem (Asien)? Welche Rolle spielt der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanke? Welche der Rückhalt in der Bevölkerung? Und wie bedeutsam sind zuvor organisatorisch reibungslos verlaufene Sportveranstaltungen zu bewerten?

Die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen – an selber Stelle würde 2018 ein Teil der olympischen Wettbewerbe stattfinden – sind dabei nur ein Mosaikstein in dem Entscheidungsprozess. Atmosphärisch gelungen und von einem Großteil der Athleten gelobt zwar, aber in ihrer Wirkung auch nicht zu überschätzen. Ebenso wenig wie die nicht eben berauschende nationale Bilanz mit lediglich zwei Bronzemedaillen.

Wichtiger Besuch vom IOC Ende Februar

Deutlich wichtiger wird für die deutschen Olympiabewerber der Ende des Monats anstehende Besuch der IOC-Evaluierungskommission. Sie bewertet in einem Bericht an alle IOC-Mitglieder jeden Bewerber einzeln. Wer im Altherrenklub unter den fünf Ringen nicht ohnehin eine Präferenz entwickelt hat aufgrund persönlicher Vorlieben (zum Beispiel für vornehme Einkaufsstraßen und rustikale bayerische Hotels), der mag das Fazit der jeweils Dutzende Seiten umfassenden drei Berichte zumindest zum Barometer für seine Entscheidung erheben. Dass im Resümee zu München die stimmungsvolle Ski-WM groß erwähnt wird, ist eher unwahrscheinlich.

Vielmehr dürfte die IOC-Entscheider interessieren, wie stark die Einwände der Olympiagegner vor Ort wiegen und die Stimmung im Land zu beeinflussen drohen. In Garmisch-Partenkirchen verhielten sie sich erstaunlich ruhig. Auch die Olympiagegner werden die zwei Wochen der Ski-WM nun analysieren, um Argumente für die These zu sammeln, dass die Marktgemeinde für Olympische Spiele nicht geeignet sei. Denn Olympia, das sollte jedem klar sein, hat eine größere Dimension. Nicht nur politisch.