Nach dem Schlusspfiff wirkte Hans-Joachim Watzke überaus zufrieden. „Es war eine großartige Leistung unserer Mannschaft“, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund nach dem 2:1 (1:0) bei der TSG Hoffenheim: „Wir sind sehr stolz darauf.“ Stolz darauf, dass sich das junge, stark ersatzgeschwächte Team in einer aufgeheizten, teilweise giftigen Atmosphäre durchgesetzt hatte. In einer Atmosphäre, für die nach Auffassung der Hoffenheimer auch Watzke persönlich mit verantwortlich zu machen ist.

„Ein bisschen Brandstiftung war schon dabei“, sagte Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser nach einer Partie, die nicht nur von der Roten Karte gegen den Hoffenheimer Maicosuel (81.), der Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller den Ball aus der Hand geschlagen hatte, überschattet worden war. Erneut hatten Dortmunder Fans den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp auf hässliche Art beleidigt. „Fußballhure“ und „Fahr zur Hölle“ stand auf einigen Spruchbändern. „Dort kommen Dummheit und schlechtes Benehmen zusammen“, erklärte Schindelmeiser.

„Es gibt immer ein paar Leute, denen man nicht helfen kann“, sagte Watzke, der sich von den Chaoten „in aller Deutlichkeit“ distanzierte. Dass Watzke jedoch selbst ein Kritiker des Hoffenheimer Modells ist, hatte er in der vergangenen Woche deutlich gemacht. „Wie heißt diese THG oder TSG doch gleich? Wo wären die ohne den weißen Ritter aus Hoffenheim? Wir können eben nicht sagen: ‚Lieber Dietmar Hopp, bitte lass es Geld regnen’“, hatte er auf der Aktionärsversammlung des BVB gepoltert. Am Tag danach hatte er dann in einem offenen Brief die Fans aufgerufen, sich trotz der Differenzen zwischen den Vereinen fair zu verhalten.

„Scheinheilig“ findet Hopp den Brief. Schließlich führe Watzke schon seit längerem einen Feldzug gegen die Hoffenheimer, deren Mäzenatentum seiner Ansicht nach sogar ein Verstoß gegen die in der Liga geltenden „50+1“-Regel darstellen könnte. Kern dieser Regelung ist, dass Investoren nicht Mehrheiten an deutschen Vereinen erwerben dürfen. Watzke stört, dass die Hoffenheimer wesentliche Teile ihres Etats durch Zuwendungen von Hopp bestreiten und so Wettbewerbsvorteile gegenüber den Traditionsvereinen haben.

Der Hinweis von Schindelmeiser, er solle sich lieber auf das Potenzial von Borussia Dortmund konzentrieren, wurde von Watzke deshalb auch ebenso spitzfindig gekontert: „Ich glaube, das kann er nicht richtig beurteilen. Er muss das Geld nicht jeden Tag verdienen wie ich, sondern kriegt einen großen Teil gestellt.“ Hier liegt in der Tat Watzkes Dilemma: Im engen Rahmen der „50+1“-Regel ist es nur begrenzt möglich, weitere Investoren für seinen Verein zu finden.

So kämpft Watzke, übrigens ein Befürworter von „50+1“, weiter gegen Windmühlen. Zustimmung erhält er zwar auch von anderen Traditionsvereinen. Bislang allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Denn solange Chaoten Dietmar Hopp in übelster Weise beleidigen, ist auch mit möglicherweise berechtigter Kritik am Hoffenheimer Modell nicht gerade Beliebtheit zu erringen.