Vierter Sieg in Folge

Gebrselassie gewinnt erneut den Berlin-Marathon

Haile Gebrselassie ist in Berlin einfach nicht zu schlagen. Der Äthiopier gewann zum vierten Mal in Serie den Marathon in der deutschen Hauptstadt. Er verpasste dabei aber sein selbst gestecktes Ziel, zum dritten Mal in Folge Weltrekord zu laufen. Auch bei den Frauen gab es einen äthiopischen Erfolg.

Foto: AP

Haile Gebrselassie hatte kaum noch die Kraft, seine Arme zu heben, als er die Ziellinie beim 36. Berlin-Marathon überquert hatte. Völlig ausgepumpt musste sich der Äthiopier an einer Barriere abstützen. Nachdem der 36-Jährige in den vergangenen beiden Jahren in der Hauptstadt jeweils Weltrekord gelaufen war, verfehlte er diesmal die Bestzeit. Deutlich. Doch kurze Zeit später strahlte der Liebling des Publikums schon wieder: „Ich bin froh, dass ich gewonnen habe. Die letzten Kilometer waren sehr hart für mich, ich wurde immer müder.“

Der Laufstar aus Addis Abeba kam vor etwa einer Million Zuschauern in 2:06:08 Stunden ins Ziel; sein Rekord, vor einem Jahr in Berlin gelaufen, steht bei 2:03:59 Stunden. Bei den Frauen siegte Atsede Habtamu Besuye aus Äthiopien in 2:24:47 Stunden vor der Russin Silwia Skworzowa (2:26:24).

Trotz des Verpassens der Rekordmarke war der Jubel der Zuschauer um den Äthiopier groß. Wie immer stand er im Mittelpunkt. Dabei hatten die Veranstalter, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, diesmal keine Ein-Mann-Show des kleinen Mannes mit der großen Ausstrahlung bieten wollen. Renndirektor Mark Milde hatte stolz erklärt: „Wir bieten die beste Besetzung, die es jemals gegeben hat.“ Denn neben Gebrselassie hatten die Berliner in Duncan Kibet aus Kenia den Mann verpflichtet, der nach Gebrselassie die bislang beste jemals gelaufene Zeit geschafft hatte.

Doch der 31-Jährige konnte seine starke Leistung von 2:04:27 Stunden, gelaufen bei seinem Sieg in Rotterdam im April, auf der Strecke in Berlin nicht wiederholen. Bereits nach 20 Kilometern konnte Kibet dem Tempo von Gebrselassie nicht mehr folgen, er war nicht der erhoffte Herausforderer und gab das Rennen später sogar wegen Hüftproblemen auf. Auch Gebrselassie gab zu: „Ich hätte mir etwas mehr von der Konkurrenz versprochen.“

Nach 30 Kilometern verabschiedete sich der letzte Schrittmacher – danach war Gebrselassie auf sich allein gestellt. Lange lag er auf Weltrekordkurs, aber dann wurden seine Minutenleistungen immer schwächer. „Anfangs waren die Bedingungen gut, dann wurde es für einen Weltrekord einfach viel zu warm“, sagte er beinahe entschuldigend. Bei Temperaturen von 20 Grad Celsius ging es für ihn schließlich nur noch darum, als Erster ins Ziel zu laufen. Der Zweiplatzierte Francis Kiprop (Kenia, 2:07:04 Stunden) kam auf den letzten Kilometern immer näher, allerdings ohne Gebrselassie ernsthaft in Gefahr zu bringe. Dessen Gesichtszügen war in der Endphase dennoch deutlich anzusehen, wie er sich quälen musste.

Die Veranstalter durften sich gleichwohl bestätigt fühlen, erneut auf den Äthiopier gesetzt zu haben. „Kein Mann im Marathon setzt ein solches Ausrufungszeichen, und keine Verpflichtung schlägt so hohe Wellen“, sagte Milde über Gebrselassie, der nun zum vierten Mal hintereinander in Berlin gewonnen hat. Allein die Außenwirkung, den 36-Jährigen im Feld zu haben, sei enorm. Der immer lächelnde Äthiopier, der 250.000 Euro Antrittsgage und 50.000 Euro Siegprämie kassierte, ist schließlich der größte Sympathieträger in der ganzen Laufszene.

Ein erfolgreiches Comeback im Wettkampfsport absolvierte der nach einem schweren Trainingssturz querschnittsgelähmte Ex-Turner Ronny Ziesmer. Der Cottbuser kam mit seinem Handbike nach 2:09:22 Stunden ins Ziel und belegte damit Rang 102. „Das war phänomenal. Ein riesiges Erlebnis. Die Minute vor dem Start war die schlimmste meines Lebens. Soviel Aufregung und Adrenalin habe ich noch nie gespürt“, meinte der 30-Jährige.

Der Berlin-Marathon zählt neben New York, London, Chicago und Boston zu den World Marathon Majors (WMM), der Champions League der Marathonläufe.

Pünktlich um 9.00 Uhr hatten Fußball-Bundestrainer Joachim Löw und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die 41.000 gemeldeten Läufer auf die Strecke geschickt.