Seinem Glücksboten wäre Cristiano Ronaldo am liebsten um den Hals gefallen. Als der perfekt gestylte Portugiese am Montagabend die Türe seiner 5-Millionen-Euro-Villa im Promi-Paradies Alderley Edge bei Manchester öffnete, war der steile Aufstieg des vierten Kindes eines armen Gärtners von der Blumeninsel Madeira vollkommen. Mit der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres hat sich der erste große Traum des kleinen, störrischen Jungen aus einem schmuddeligen Viertel Funchals erfüllt.

Mitarbeiter der französischen Fußball-Zeitschrift "France Football" überbrachten ihm die frohe Botschaft. „Für mich waren es unbeschreibliche Emotionen. Das ist einer der schönsten Tage meines Lebens, ein großer Tag für mich und die Familie“, erklärte Ronaldo, der exzentrische Flügelstürmer von Manchester United.

In Designerjeans, einem bordeauxroten Hemd und mit einem strassbesetzten braunen Ledergürtel posierte der 23-Jährige vor seiner Trophäensammlung. Am Sonntag, nach der Übergabe im Rahmen einer französischen Fußball-Sendung („Telefoot“), wird der Goldene Ball hinzukommen. „Dieses Auszeichnung zu gewinnen, davon habe ich als Kind geträumt. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ein Traum wahr geworden ist.“

Sohn eines Gärtners und einer Köchin

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro, Sohn des Gärtners Jose Dinis und der Köchin Maria Dolores, benannt nach dem US-Präsidenten Ronald Reagan, dem Lieblingsschauspieler seines Vaters, ist nun der dritte Portugiese nach Eusebio (1965) und Luis Figo (2000), der den Goldenen Ball erhält.

„Ich bin bei den ganz Großen angekommen. Ich bin erst 23, das ist wunderbar, unglaublich“, sagte Ronaldo, „es ist fantastisch. Die ganze Welt hatte die Chance, die Trophäe zu holen, aber ich habe sie gewonnen.“

Er siegte mit 446 Punkten, 165 Punkte vor Lionel Messi (FC Barcelona, 281), 267 Punkte vor Fernando Torres (FC Liverpool, 179). Michael Ballack, einziger Deutscher auf der Vorschlagsliste, wurde mit vier Punkten 19., bester Bundesliga-Profi war Franck Ribery von Bayern München mit sieben Punkten auf Platz 16. Mannschaftskollege Luca Toni erhielt nicht eine Stimme, ebenfalls ohne Punkt blieb der ehemalige HSV-Profi Rafael van der Vaart (Real Madrid).

Erster Meilenstein

Für Cristiano Ronaldo ist die Auszeichnung der erste Meilenstein auf dem Weg zum König aller Fußballer. Am 12. Januar wird im Züricher Opernhaus der Weltfußballer geehrt - Ronaldo ist Topfavorit. „Ich stehe weiter um 8.00 Uhr auf und sage mir: Ich will noch besser werden“, sagte der Nationalspieler: „Ich danke meinen Mitspielern, die mir die Bälle zugespielt haben, sodass ich viele Tore erzielen konnte.“

42 Pflichtspieltore für United waren es letzte Saison, und 77 von 96 Juroren stimmten nun für Cristiano Ronaldo, den Mann, dessen Eltern früher die Waschmaschine an die Decke hängen mussten, um für ihre Kinder Platz zu schaffen. Ronaldos Jugendhaus steht nicht mehr. Bevor der Dribbelkünstler berühmt wurde, wurde es als „Schandfleck für die Stadt“ abgerissen.

Mit elf Jahren ging Ronaldo in ein Jugendinternat von Sporting Lissabon, war todunglücklich und biss sich dennoch durch. Nach einem Testspiel gegen Sporting überredeten United-Spieler Teammanager Sir Alex Ferguson noch im Flieger, den Wunderknaben zu verpflichten. Es begann der Aufstieg zum Superstar, „besser als George Best und Denis Law“, wie Johan Cruyff sagte.

Doch auch als Reizfigur taugt Cristiano Ronaldo vortrefflich. Schwalbenkönig, Heulsuse, weicher Schönling, sämtliche Urteile sind bereits gesprochen worden. Nach dem WM-Viertelfinale gegen England 2006 war er „Staatsfeind Nummer eins“. „Alles, was ich tue, wird zu Tode analysiert“, sagte Ronaldo nach dem Stadtderby gegen City (1:0) am Sonntag, in dem er nach einem bizarren Handspiel vom Platz flog. „Jubele ich nicht, bin ich angeblich traurig. Äußere ich mich aber öffentlich, habe ich angeblich meine Demut verloren.“

Wirklich traurig macht Cristiano Ronaldo, Nachfolger von Kaka (AC Mailand), dass sein Vater den großen Tag nicht mehr miterlebte. Er starb, von der Mutter getrennt, alkoholkrank, im September 2005.

sid/jr