Champions League

Schalke macht gegen Inter Triumph perfekt

Seine Mitspieler tanzten auf dem Rasen und Raul war völlig außer Rand und Band. Nach dem 2:1-Sieg am Mittwochabend gegen Inter Mailand erklomm der spanische Torjäger die Tribüne und feierte den erstmaligen Einzug des FC Schalke 04 ins Halbfinale der Champions League.

Die Kunde am Nachmittag hätte sich leicht als schlechtes Omen erweisen können. Fußballer neigen ja für gewöhnlich zum Aberglaube, und so hätte der Vorfall auf der Schalker Geschäftsstelle im Vorfeld der Champions-League-Partie gegen Inter Mailand bestens herhalten können für schlechte Aussichten. Wenige Stunden vor dem Duell gegen den Titelverteidiger aus Italien war das Vereinslogo von der Geschäftsstelle in der Nähe der Veltins-Arena gestürzt. Die genaue Ursache war zunächst nicht bekannt. Ein Baukran musste die Überreste beseitigen. Personen wurden nicht verletzt.

Es war die einzige schwerwiegende Panne, die Schalke gestern auf dem Weg ins Halbfinale der europäischen Königsklasse zu überstehen hatte. Im Spiel am Abend nämlich veredelten Raul und Benedikt Höwedes das Wunder von Mailand und sorgten für den größten Erfolg der königsblauen Vereinsgeschichte seit dem Uefa-Pokal-Triumph 1997. Acht Tage nach dem 5:2 in San Siro gewannen die Gelsenkirchener gestern Abend auch das Rückspiel gegen Titelverteidiger Inter mit 2:1 (1:0) und zogen als vierte deutsche Mannschaft nach Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen in ein Champions-League-Halbfinale ein. "Wir feiern jetzt mit den Fans, dann gucken wir weiter“, sagte Torschütze Benedikt Höwedes.

Vor 53.000 Zuschauern hatten der Spanier Raul (45. Minute) mit seinem 71. Tor in der europäischen Königsklasse und eben Höwedes (81.) letzte leise Zweifel am Weiterkommen beseitigt und den vierten Sieg im vierten Spiel unter Coach Ralf Rangnick herausgeschossen. Der Gegentreffer durch Thiago Motta (49.) konnte die Freude in der Arena kaum trüben. "Das ist ein außergewöhnlicher Abend“, sagte Rangnick. "Die Jungs können stolz sein.“ Und er blickte bereits aufs Halbfinale: "Wir sind gegen Manchester klarer Außenseiter.“

Demonstration der eigenen Stärke

Am 26. April und 4. Mai darf sich Schalke nun auf zwei Halbfinal-Duelle gegen Manchester United und damit einen weiteren Geldsegen freuen. 4,2 Millionen Euro für den Einzug in die Vorschlussrunde sind bereits sicher. Unter den Augen von United-Coach Sir Alex Ferguson lieferte der Bundesliga-Neunte auch im zweiten Duell gegen Inter eine Demonstration der Stärke. Manchesters Patrice Evra zeigte sich dennoch wenig beeindruckt. "Ich habe großen Respekt vor Schalke, aber es wäre ein Desaster, eine Katastrophe, wenn wir nicht weiterkommen“, sagte der französische Verteidiger vorab.

"Entscheidend ist, dass wir eine gute Organisation hinter dem Ball haben“, hatte Rangnick seinen Schützlingen mit auf den Weg gegeben. Entsprechend zogen sich die taktisch gut eingestellten Schalker bei Ballbesitz des Gegners weit zurück und lauerten auf Konter. Die Abwehr um Höwedes und den nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske spielenden Christoph Metzelder ("Wir wollten unbedingt gewinnen, deshalb hat uns das 1:1 nicht genügt“) hielt Inters gefürchtete Offensive sicher in Schach. Und vorn lauerten Raul und Edu.

Kontrollierte Offensive lautete das Motto bei den Gastgebern, aber auch die insgeheim auf ein Wunder hoffenden Mailänder suchten nicht bedingungslos den Weg nach vorn. In der 16. Minute prüfte Raul per Kopfball Julio Cesar im Mailänder Kasten. Mehr ließ die Inter-Abwehr, die mit der Rückkehr des früheren Münchners Lucio an Stabilität gewann, zunächst nicht zu.

Inter kommt nicht vorbei an Schalkes Abwehr

Mitte der ersten Halbzeit erkämpften sich die „Nerazzurri“ gegen zu passive Schalker ein Übergewicht. Doch die Offensivkraft verpuffte, denn ehe die Spitzen Samuel Eto'o und Diego Milito in Ballbesitz kommen konnten, war immer ein Schalker Abwehrbein dazwischen. Bei den Gelsenkirchenern leistete Jurado erneut ein riesiges Laufpensum und suchte auch selbst den Abschluss wie in der 29. Minute, als er im letzten Moment von Lucio abgeblockt wurde.

Sekunden vor der Pause führte ein Duett der beiden überragenden Spanier zur verdienten Führung für Schalke. Jurado spielte den Ball im richtigen Moment auf Raul, der sich von Lucio löste und auf dem Weg zum 1:0 auch von Torhüter Julio Cesar nicht aufzuhalten war. Nach dem Spiel überraschte Raul mit einem deutschen Satz: „Wir haben Geschichte gemacht.“ Vier Minuten nach Wiederbeginn war Schalke-Torwart Manuel Neuer machtlos, als Lucio eine Sneijder-Ecke per Kopf verlängerte und Motta den Ball über die Linie drückte.

Harter Schuss führt zum 2:1

Wer jetzt ein verzweifeltes Anrennen der Italiener erwartet hatte, sah sich getäuscht. Schalke behielt die Spielkontrolle und besaß weiter gute Chancen wie in der 64. Minute, als Kyrgiakos Papadopoulos per Kopf den zweiten Treffer verpasste. Doch neun Minuten vor dem Ende war Raul mit seinem Zuspiel auf Höwedes Wegbereiter für das 2:1. "Ich wollte eigentlich lupfen, aber dann musste ich hart schießen, weil ich so große Schritte gemacht hatte“, jubelte Höwedes.

Im zweiten Viertelfinal-Rückspiel unterlag gestern Tottenham Hotspur dem Team von Real Madrid 0:1. Das Tor des Tages erzielte Cristiano Ronaldo (50.). Bereits das Hinspiel hatten die Spanier 4:0 gewonnen.