Seite an Seite sahen Arthur Abraham und Andre Dirrell die Eishockeypartie der Detroit Red Wings gegen die St. Louis Blues (4:2). Sowohl der 30-jährige Berliner als auch der drei Jahre jüngere Amerikaner trugen am Mittwochabend das knallrote Trikot der gastgebenden Mannschaft und warben für ihren Kampf in der Nacht zum Sonntag (3.15 Uhr, ARD). Einen Tag später war es mit der friedlichen Koexistenz vorbei. Da flogen beim öffentlichen Training im Kronk-Gym, in dem einst auch Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani sechs Wochen „bis zum Kotzen“ verbracht hat, die Fäuste.
Nicht verflogen war Arthur Abrahams Ärger vor seinem zweiten Kampf im Super-Six-Classic, einem Turnier der sechs besten Supermittelgewichtler weltweit. „Abraham ist ein harter Bursche, hat eine gute Deckung und kann mit einem Schlag einen Kampf entscheiden. Darauf verlässt er sich. Aber wenn man die richtigen Bewegungen macht, ist er ziemlich leicht zu besiegen“, hatte Dirrell einige Wochen vor dem anstehenden Duell in der Joe-Louis-Arena via Internet behauptet.
„So reden nur Dummköpfe“, konterte der in 31 Kämpfen unbesiegte Abraham. „Ich weiß nicht, warum die ihre Gegner vor dem Kampf beleidigen. Aber in Amerika werden oft Sprüche gemacht. Ich rede lieber nach einem Kampf.“
Andre Dirrell hat von 19 Profiauftritten nur seinen Turniereröffnungskampf gegen den Engländer Carl Froch nach Punkten verloren. Er ist Rechtsausleger und mit 1,88 Meter zehn Zentimeter länger als Arthur Abraham.
Das Zutrauen zu seinen Fähigkeiten scheint aber begrenzt. Bei einer Blitzumfrage war zumindest unter amerikanischen Fachleuten das Verhältnis klar: 8:1 für den deutschen Boxer. Dessen Ziel ist es ohnehin, Fuß zu fassen in den Vereinigten Staaten. Dennoch weiß er, dass der K.o.-Erfolg im ersten Super-Six-Kampf über Jermain Taylor sowie seine vorausgegangenen Siege über die US-Boys Lajuan Simon, Raul Marquez und Elwyn Ayala seine Sympathiewerte in den USA nicht eben gesteigert haben.
„Ich sehe das ohne Emotionen. Für mich als Sportler gibt es ja eine Zeit von ungefähr zehn Jahren, in denen ich ganz oben sein kann. Also muss ich mich den Spielregeln unterordnen, die mir ja die Möglichkeit bieten, viel Geld zu verdienen. Und wenn ich immer gewinne, dann akzeptieren mich auch die Amerikaner“, gibt sich Abraham pragmatisch. Und was ist mit dem Kampf gegen Dirrell? „Den werde ich deswegen auch gewinnen.“





