Nach Spielen, die torlos enden, schleichen die Spieler für gewöhnlich bedrückt vom Platz. Anders nach dem 0:0 der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch in Schweden. Da Joachim Löw den Debütanten Nummer 41 bis 44 seiner Amtszeit zu ihren ersten Länderspielen verhalf, waren nach dem Abpfiff außergewöhnlich viele strahlende Gesichter zu sehen.
Es war der Blick in die Kristallkugel, eine Zukunftsprognose für den deutschen Fußball. Bundestrainer Löw hatte etablierte Kräfte wie Kapitän Philipp Lahm, Real-Madrid-Star Mesut Özil, Holger Badstuber und WM-Torschützenkönig Thomas Müller zu Hause gelassen. Auch Stürmer Lukas Podolski fehlte ebenso mit einer leichten Blessur wie sein Offensivpartner Miroslav Klose. Er wurde ersetzt von Mario Gomez, der in den vergangenen acht Spielen für Bayern München elf Tore erzielt hatte. Der Bremer Innenverteidiger Per Mertesacker saß zudem 90 Minuten lang auf der Bank.
Dafür setzte Löw auf „Jugend forsch“. Mit Marcel Schmelzer und Lewis Holtby standen zwei Neulinge beim Anpfiff auf dem Platz, aber auch Kevin Großkreutz und Mats Hummels – beide in ihrem jeweils zweiten Länderspiel erstmals in der Startformation – zählen noch lange nicht zu den Stammkräften. Draußen saßen zudem Andre Schürrle und Mario Götze, die beide in der 78. Minute eingewechselt wurden. Götze (18) ist der jüngste Debütant seit Uwe Seelers Debüt im Jahr 1954. Löw belohnte die beherzten Bundesliga-Auftritte der sechs Youngster, die alle von Borussia Dortmund beziehungsweise dem 1. FSV Mainz 05 kommen.
Auch im deutschen Tor stand jemand, der dort länger nicht zu sehen war. Rene Adler hatte sich vor der Weltmeisterschaft so schwer verletzt, dass er seinen Stammplatz aufgeben musste und nicht mit nach Südafrika fliegen konnte. Manuel Neuer, der Adler bei der WM nicht nur glänzend vertreten, sondern auch nachhaltig aus dem Tor verdrängt hatte, nahm auf der Reservebank Platz. „Manuel ist die Nummer eins“, hatte Adler allerdings schon vor dem Spiel betont.
Mit der neuen Formation erspielten sich die Gäste von Beginn an ein leichtes Übergewicht, doch das junge deutsche Team hatte Probleme, die dicht gestaffelte schwedische Defensive zu überwinden. Zu statisch und langsam war das Spiel der DFB-Elf, nur Marko Marin brachte auf der linken Seite einige Male Tempo ins Spiel mit beherzten Dribblings.
Verunglückte Volleyabnahmen von Schweinsteiger (11.) und Holtby (32.) sowie ein Rechtsschuss von Schmelzer (36.) beschworen vor der Pause noch die größten Gefahren herauf. In der Szene nach Holtbys Schussversuch sah der spanische Schiedsrichter den einschussbereiten Mario Gomez zudem zu Unrecht im Abseits.
Die besten Chancen in der ersten Hälfte hatten allerdings die Schweden, die extrem defensiv und mitunter überhart zur Sache gingen. Nach einem Pass von Sebastian Larsson schoss zunächst Pontus Wernbloom aus aussichtsreicher Position neben das Tor (27.). In der 40. Minute traf Ola Toivonen frei vor Torwart Rene Adler den Ball nicht richtig.
Insgesamt war es ein unansehnliches Spiel, das sich die 21.959 Zuschauer in den ersten 45 Minuten zu Gemüte führen mussten. Gut, dass Kapitän Schweinsteiger vorsorglich schon einmal Freifahrtscheine für seine neuen, unerfahrenen Mitspieler ausgestellt hatte. „Wenn es einer vergeigt, ist es kein Beinbruch“, hatte der 84-malige Nationalspieler gesagt, „die Jungen haben es sich verdient, hier dabei zu sein.“
Die zweite Hälfte begann verspätet, weil zunächst ein Tornetz wieder am Pfosten angebracht werden musste, das sich gelöst hatte. Die Gründe dafür sind rätselhaft, denn wuchtige Schüsse schlugen ja mitnichten in ihm ein. Das änderte sich auch nicht mehr, auch wenn die deutsche Mannschaft verbessert aus der Kabine kam. Marin zielte vorbei (48.), dann strich ein Schuss von Holtby nur knapp am rechten Pfosten vorbei (58.).
Doch danach verebbte das Spiel wieder und passte sich dem Niveau des Platzes an, auf dem die Spieler gewaltige Staubmengen aufwirbelten. „Der war extrem, trocken und hart. Zum Kurzpassspiel gab es da keine Möglichkeit“, sagte Mario Gomez, nachdem das Spiel torlos geendet hatte.
So hatten nur die Debütanten Grund zum Jubeln. „Das war ein wunderbarer Tag für uns Neue. Der Trainer hat uns gesagt, dass wir mutig spielen sollen. Das ist uns leider nicht immer gelungen“, sagte Andre Schürrle. Marcel Schmelzer ergänzte: „Diese 90 Minuten sind hilfreich für uns. Es hat großen Spaß gemacht, auch wenn es sehr hart war, bei dieser Kälte Fußball zu spielen.“ Der Bundestrainer sagte: "Ich denke, wir haben eine engagierte Leistung gezeigt, gerade wenn man bedenkt, wie viele Neulinge im Team standen. Mit allen Spielern, die ihr erstes oder zweites Länderspiel bestritten haben, war ich absolut zufrieden. Die Mannschaft hat in diesem Jahr Qualitätsfußball made in Germany gezeigt, daran wollen wir 2011 anknüpfen.“
sid/fb




