Als der Betreuerstab der deutschen Nationalmannschaft die Spieler gestern Mittag im Hotel „Sankt Jörgen“ zu Tisch bat, demonstrierten diese in neuer Zusammensetzung das erste Mal eine Einheit. Alle Profis waren im Trainingsanzug des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erschienen, auch Andre Schürrle, Lewis Holtby, Marcel Schmelzer und Mario Götze, die vier Neuen.

Dass sie zu Recht der Auswahl angehören, wollen sie am Mittwochabend im Länderspiel gegen Schweden beweisen (20.30 Uhr, ARD). Chancen auf einen längeren Verbleib in der Nationalelf haben sie allemal. Auf Titeljagd können die Deutschen zwar frühestens 2012 bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine wieder gehen. Doch schon am Mittwoch kann die Mannschaft mal wieder zeigen, dass sie im Weltfußball derzeit zu den Besten gehört.

Löw hofft auf einen „positiven Jahresabschluss“ und einen Sieg in einem Spiel, in dem er bewusst auf einige etablierte Spieler verzichtet und stattdessen auf Talente setzt. Löw baut schon an seiner Mannschaft für die Zukunft. Er denkt er sogar über die Europameisterschaft 2012 hinaus, weil Deutschland in der Qualifikation mit zwölf Punkten aus vier Spielen im Plan liegt. 2014 folgt die Weltmeisterschaft in Brasilien. Denn wenn Europameister und Weltmeister Spanien die Konkurrenz etwas gelehrt hat, dann, wie wichtig es ist, langfristig zu planen und dafür zu sorgen, dass sich eine Mannschaft über Jahre hinweg einspielen kann. Genau dies, sagt Joachim Löw, sei ein Schlüssel zum Erfolg.

Das Gerüst seines Teams steht. Dazu gehören Spieler wie Philipp Lahm oder auch Mesut Özil, auf die er am Mittwoch verzichtet. In Schweden, wo sich immerhin der Hauptsitz des der Deutschen liebsten Möbelhauses befindet, startet Löw quasi mit der Innenausstattung. Nur heißen seine Einrichtungsgegenstände nicht Billy oder Bernhard, sondern Andre oder Mats. Löw will schauen, ob Spieler wie der Mainzer Schürrle oder Hummels von Borussia Dortmund höheren Ansprüchen genügen und das Interieur seiner Mannschaft verbessern.

Löw, das haben die deutschen Talente mittlerweile registriert, ist ein Bundestrainer, der ihnen die Chance gibt, sich auf der großen Bühne zu beweisen. Allerdings ist er bei seiner Beurteilung später genauso konsequent wie zuvor bei seiner Auswahl.

Als die TSG 1899 Hoffenheim in der Bundesligasaison 2008/2009 ein ganzes Land mit ihrem Offensivfußball verzauberte, scheute sich Löw nicht, Spieler des damaligen Aufsteigers zu berufen. Inzwischen sind die Überflieger von einst auf dem Boden der Realität gelandet: Marvin Compper und Tobias Weis werden nicht mehr berücksichtigt, Andreas Beck wird nur gelegentlich nominiert.

Es liegt an den Spielern selbst, sich auf Dauer für die Auswahl zu empfehlen. Die Voraussetzungen dafür, sagt der Bundestrainer, seien optimal. Denn im Gegensatz zu früher hätten Talente in der Bundesliga weitaus bessere Bedingungen, sich zu entwickeln. Das Bewusstsein in Bezug auf die Arbeit mit dem Nachwuchs hätte sich grundlegend verändert.

„Vor fünf, sechs Jahren“, sagte Löw bei Morgenpost Online, „gab es kaum junge deutsche Spieler in den Startformationen der Bundesligavereine. Da haben sich viele Trainer noch gesagt: ‚Gut, der ist jetzt 18 Jahre alt, der braucht zwei, drei Jahre, um ständig von Beginn an spielen zu können.’“ Inzwischen aber würden die Trainer viel mehr Mut und Geduld aufbringen. „Das tut den Jungs gut. Sie werden gefördert und kommen so schon in jungen Jahren auf rund 30 Saisonspiele.“