2:1 in Freiburg

Last-Minute-Sieg – Bayern verarbeitet sein Trauma

Erst in der 88. Minute verhindert Franck Ribery neue Diskussionen über Trainer Louis van Gaal, zuvor muss Torwart Thomas Kraft einen Elfmeter parieren.

Zumindest auf seine Statistik kann sich Louis van Gaal noch verlassen. Er hatte ja seine ganz eigene Rechnung vor dem 2:1 (1:1) seines FC Bayern beim SC Freiburg aufgemacht. Warum die Münchner nach den Enttäuschungen der vergangenen Wochen ausgerechnet diesmal gewinnen sollten, wurde er gefragt. Nun, sagte van Gaal, rein statistisch gewinnt der FC Bayern mehr als dass er verliert. Und allein deswegen wäre in Freiburg ein Sieg fällig. Recht hatte er.

Auch als Verarbeitung des Inter-Traumas, jenem Aus gegen Mailand in der Champions League, hatten die Münchner Oberen das Freiburg-Spiel ausgerufen. „Wir wussten, dass es nach dem Nackenschlag am Dienstag heute schwer wird“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Er und seine Kollegen hätten gegen die Freiburger gerade in der zweiten Halbzeit gut gespielt und schlussendlich verdient gewonnen: „Man muss nicht immer schön spielen, wir brauchen Erfolg. Dann werden wir am Ende auch die Champions League erreichen.“

Dass der Glaube daran weiterlebt, war am Ende einem der teuren Superstars zu verdanken. In der 88. Minute machte sich Franck Ribéry auf den Weg zum Freiburger Tor und traf mit einem Rechtsschuss aus 20 Metern zum entscheidenden 2:1 hinein, der Rest ergoss sich in bayerischem Jubel. „Das ist wichtig für diesen FC Bayern, für diese Spieler, für diese Fans, für diesen Club“, freute sich der Franzose, vergaß aber zu erwähnen, dass sein Treffer durchaus auch wichtig für den Trainer war.

Mit nur einem Punkt in Freiburg hätte der scheidende Louis van Gaal sich gewiss Diskussionen gefallen lassen müssen, ob er der richtige Mann ist, die Saison versöhnlich zu beenden. „Die Jungs haben sicherlich bis an die Grenze gekämpft, man hat sehen können, dass sie gewinnen wollten“, sagte der Niederländer, musste aber auch eingestehen: „Letztlich hat dann doch so eine Qualität von Ribéry in einer Einzelaktion den Ausschlag gegeben.“ Auch Franz Beckenbauer bezeichnete den Erfolg als glücklich, „aber sehr, sehr wichtig“.

Schließlich regiert in München nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League Ernüchterung, jener so unnötigen und bezeichnenden 2:3-Niederlage gegen Titelverteidiger Inter Mailand. Schon Mitte März steht damit für die Bayern fest, dass es eine Saison ohne Titel wird. Nach dem eigenen Selbstverständnis verdient sie deswegen nur ein Prädikat: miserabel. Und so haben sie ihre eigene Meisterschaft ausgerufen. Da selbst „der zweite Platz sehr unwahrscheinlich ist“ (Beckenbauer), soll es wenigstens der dritte Rang werden. Dieser befähigt zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation. Zwei Punkte trennen die Münchner nach wie vor vom Minimalziel.

Eine schlechtere Platzierung wäre nicht nur wegen fehlender Einnahmen bitter, sondern auch, weil in der kommenden Saison das Finale in der heimischen Arena stattfindet. „Das wäre das Schlimmste, was wir unseren Fans antun könnten“, sagte Gomez. „Das Finale in unserem Stadion, und wir müssten in die Europa League.“ Auf diesen zweitklassigen Wettbewerb habe er überhaupt keine Lust, hatte auch Arjen Robben nach dem Aus herausposaunt. Am Samstag konnte er wenig zur Vermeidung dieses Szenarios beisteuern. Wie schon gegen Inter musste der Niederländer verletzt ausgewechselt werden, diesmal sogar schon in der ersten Halbzeit.

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 1:1. Einen Freistoß von Franck Ribéry hatte Mario Gomez mit dem Kopf verwandelt (9.). Es war der 19. Ligatreffer des Angreifers. Auch das wurde vorher zum Duell heraufbeschworen: Die besten Torjäger der Liga, Gomez auf der einen Seite, Papiss Demba Cisse auf der anderen. Und jener Cisse, vor dem Spiel um ein Tor schlechter notiert als Gomez, hätte den Zweikampf durchaus für sich entscheiden können.

In der 13. Minute war es Bayerns Innenverteidiger Luiz Gustavo, der seinen Torhüter in arge Bedrängnis brachte. Der Brasilianer verschätzte sich dermaßen, dass Thomas Kraft nichts anderes übrig blieb, als Cedrick Makiadi von den Beinen zu holen. Elfmeter, doch Cisses lascher Schuss war ein Geschenk für Kraft. Nur fünf Minuten später aber war Cisses 18. Saisontor zu notieren. Erneut hieß der Übeltäter Luiz Gustavo, der seinen Gegenspieler laufen ließ. Nach dem Wechsel bekamen die Münchner das Spiel dann besser in den Griff.

Doch auch Ribérys Treffer kann die missliche Gemengelage nur unzureichend kaschieren. Längst beschäftigen sich die Oberen mit den Planungen für die kommende Saison. Sportdirektor Christian Nerlinger kündigte an, dass die Münchner im Sommer im Defensivbereich nachbessern werden, zu offensichtlich waren die Verunsicherungen und Wettbewerbsnachteile der Abwehr. Robben hatte sie gar als nicht tauglich für die Champions League bezeichnet.

All diese Überlegungen werden van Gaal nur noch marginal beschäftigen. Noch sieben Spieltage, dann ist sein Engagement beendet. Wann denn der FC Bayern den Nachfolger für den Niederländer präsentieren werde, wurde Nerlinger am Samstag gefragt. Noch würde derjenige nicht feststehen, antwortete er. Und überhaupt: Der FC Bayern lasse sich zeitlich nicht unter Druck setzen. Vieles jedoch deutet auf die dritte Amtszeit von Noch-Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes hin. Dann könnte auch Freiburgs Robin Dutt ein entscheidendes Puzzleteil in der Trainerrochade werden. Gilt er doch als Heynckes-Nachfolger in Leverkusen. Am Samstag tat er alle Fragen zum Thema mit einem charmanten, aber bestimmten „Dazu sage ich nichts“ ab.