Erst langsam wich die Anspannung aus Michael Schumachers Gesicht. Zunächst trat der Formel-1-Rekordchampion mit ernster Miene und voller Konzentration um 9.23 Uhr ins Blitzlichtgewitter der Kameras. Als die Plane am Dienstag vom neuen Silberpfeil MGPW02 auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia gezogen wurde, winkte Schumacher schließlich neben Teamkamerad Nico Rosberg den zahlreichen Fans über der Mercedes-Box zu.
Dort hatten seine Anhänger die Erwartungen an den inzwischen 42- Jahre alten siebenmaligen Weltmeister deutlich formuliert. „Schumi we trust in you. It's time for the 8“ („Schumi, wir vertrauen dir. Es ist Zeit für die 8“) stand auf einem Plakat.
Auch wenn Schumacher selbst insgeheim wohl auf seinen achten WM- Titel spekuliert, soll der MGP W02 nach einer enttäuschenden Premierensaison des ersten Mercedes-Werksteam seit 1955 dieses Jahr erst einmal den ersten Grand-Prix-Sieg bringen. „Wir möchten gemeinsam etwas Großes aufbauen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in dieser Saison viel regelmäßiger auf dem Podium stehen werden - am liebsten in der Mitte“, sagte Schumacher.
Schumacher 2010 nur auf Gesamtplatz neun, geschlagen im teaminternen Duell vom WM-Siebten Rosberg, MercedesGP nur Vierter in der Team-Wertung – auch für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kann die Richtung nur nach oben zeigen. „Wir werden unsere Ziele erreichen“, versicherte er.Ob schon beim ersten Rennen am 13. März in Bahrain, wird sich zeigen. „Ich kann nicht sagen, wie lange es dauern wird, aber wir werden Rennen gewinnen“, bekräftigte Haug.
Auch bei Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sind die Hoffnungen vor allem in Schumacher groß. „Dieses Gegurke im Mittelfeld hat mir wehgetan. Ich hoffe, Schumi tut mir das nicht noch mal an“, sagte Ecclestone der „Bild“. Der Engländer ist sich sicher: „Wenn Mercedes dieses Jahr ein Spitzenauto baut, fährt er ganz vorne um den Titel mit.“
Die Testfahrten am Dienstag, bei denen Rosberg vor Schumacher den Anfang machte, gaben noch wenig Aufschluss darüber, ob der MGP W02 mit den Boliden des Weltmeister-Teams Red Bull und von Ferrari diesmal mithält. „Die Teams werden in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart noch deutliche Upgrades liefern“, sagte Haug.
Aufgeregt wie einer der Fans, der unentwegt „Michael, Michael“ während der Präsentation rief, hatte Haug sich unter die rund 300 Fotografen und Journalisten gemischt und den neuen Mercedes mit höherer Nase und glänzendem Silberlack per Handy fotografiert. „Im Auto stecken Verbesserungen“, befand der 58-Jährige.
Entscheidend über Sieg und Niederlage werden laut Haug diesmal die Reifen vom neuen Hersteller Pirelli und das wieder aufgelegte Energierückgewinnungssystem KERS sein, das auf Knopfdruck zusätzliche Power beim Überholen liefert. Vor allem hier rechnet sich Mercedes einen Vorteil aus. 2009 sorgte ein Mercedes-System für einen ersten Formel-1-Sieg mit KERS. Das aktuelle Weltmeister-Team Red Bull verzichtete damals zunächst auf die neue Technik.
Ein Hydraulikschaden hat die Jungfernfahrt des neuen Silberpfeils bei den Testfahrten in Valencia jedoch gestoppt. Nico Rosberg konnte am Dienstag lediglich neun Runden mit dem Mercedes drehen, dann war Schluss. Es sei sicherlich ein Zeichen des Teams gewesen, dass er das neue Auto als erster vor Michael Schumacher habe fahren dürfen, sagte Rosberg nach seinem Kurzeinsatz: „Auch wenn der Schuss nach hinten losgegangen ist.“
dpa/pk











