Ob der bayerische Verbalangriff nun Spontaneität entsprungen ist oder von Uli Hoeneß lange geplant war, erscheint angesichts der Folgen eher zweitrangig. Der Präsident der Münchner jedenfalls muss sich seit gestern Abend durchaus kritische Fragen gefallen lassen, was er mit seinem rustikalen Vorgehen eigentlich genau bewirken wollte. Nach heftiger Kritik am vermeintlich beratungsresistenten Trainer Louis van Gaal feierte der Rekordmeister zwar einen Sieg in der Champions League sowie die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale. Beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach allerdings gingen die Bayern mit Ach und Krach einer Blamage aus dem Weg und mussten sich am Ende mit einem Punktgewinn begnügen.
Hoeneß’ Worthülsen verhallten spätestens schon im Borussia-Park, was dem bisweilen aufbrausenden Chef freilich gar nicht gefällt und nun schon nach nur einem gespielten Drittel in dieser Saison zur Korrektur der ausgerufenen Ziele führen könnte. Angesichts von neun Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund, der erst am Sonntag in Hannover spielt, rückt die Meisterschaft in weite Ferne.
Abseits der unbeständigen Münchner kommt die wahre Mannschaft der Stunde aus Frankfurt. Im Hessischen zeigt sich, wie wegweisend Beständigkeit und solides Handeln auf Dauer sein können. Dank kluger Einkaufspolitik (Theofanis Gekas), Stärkung etablierter Spieler (Oka Nikolov) und der Einbindung hoffnungsvoller Talente (Sebastian Jung) hat sich die Eintracht auf Rang drei vorgeschoben. Den Fluch der guten Tat fürchtet Boss Heribert Bruchhagen allerdings schon jetzt. Auf Dauer würden die großen Klubs der Eintracht die besten Spieler wegkaufen, sagt er. Vielleicht kommt demnächst ja mal Kollege Uli Hoeneß in Frankfurt vorbei.


