Es ist das Fürchterlichste, was zum Beginn der XXI. Olympischen Spiele passieren konnte, viel schlimmer als jeder Dopingskandal. Ein junger Mensch ist tot, gestorben in einer Eisrinne beim größten Sportfest der Welt.

Noch vor der Eröffnungsfeier legte sich ein Schatten auf Vancouver, das doch bis dahin viel fröhlichere und unbeschwertere Spiele verheißen hatte, unbeschwerter als es Peking, Turin, Athen und Salt Lake City zuletzt durch Terrorangst und Sicherheitswahn möglich gewesen war.

Der 21 Jahre alte georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili gab sein Leben bei dem Versuch, die gefährlichste, weil schnellste, Bahn der Welt in möglichst kurzer Zeit zu bezwingen. Fachleute attestieren dem Athleten einen Fahrfehler. Doch in die Trauer allenthalben wird sich alsbald auch Wut mischen – darüber, dass die Verantwortlichen trotz Bedenken und Warnungen eine Bahn kreiert haben, auf denen selbst die erfahrensten Athleten in Schwierigkeiten geraten. Eine Bahn, von der selbst der Präsident des Weltverbands sagt, sie hätte so gar nicht erst gebaut werden dürfen: „Wir sehen das als Planungsfehler.“

Es ist dies auch ein Moment, um innezuhalten. Zum einen, um in Gedanken bei Familie und Angehörigen des tragisch Verstorbenen zu sein. Zum anderen, damit jeder – ob Funktionär, Sportler oder Fan – sich einmal die Frage stellt: Wie spektakulär dürfen und müssen Sportwettkämpfe eigentlich sein, und wo ist die Grenze?

Es ist, so viel steht fest, ein schmaler Grat. Solange nichts (Ernsthaftes) passiert und das Risiko irgendwie beherrschbar scheint, lassen sich Sportstätten wie die Streif der Skirennläufer in Kitzbühel oder eben auch die Eisrinne im Whistler Sliding Centre prima mit Gänsehautfaktor bewerben. Soll jetzt aber nur niemand behaupten, die fatale Havarie Kumaritaschwilis sei eine Überraschung.

Später sollte darüber entschieden werden, ob die olympischen Rodelwettbewerbe wie geplant stattfinden oder nicht. Schon jetzt ist klar: Ein Fest können diese Spiele zwar immer noch werden – ein unbeschwertes nicht mehr.

So oder so wird sich letztlich wieder die alte olympische Devise durchsetzen: The Games must go on. Die Frage ist nur, wie.