Das Wiedersehen mit dem ehemaligen Verein findet vor dem Bremer Landgericht statt. Kommenden Freitag treffen sich Ivan Klasnic und Werder Bremen zur ersten mündlichen Verhandlung eines unter Umständen äußerst kostspieligen Verfahrens. Der Stürmer verklagt Werders Mannschaftsarzt Dr. Götz Dimanski, das Sporttherapiezentrum Sporthep Bremen GmbH, die Ärztin Dr. Manju Guha sowie das Reha-Zentrum Bremen GmbH wegen ärztlichen Fehlverhaltens – der vorläufige Streitwert beläuft sich auf 1.427.955,55 Euro. Ein Vergleichsangebot über 180.000 Euro lehnte der kroatische Nationalspieler ab. „Das Verhalten von angeblich hoch qualifizierten Ärzten liegt für mich an der Grenze zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Körperverletzung“, sagt Klasnics’ Anwalt Matthias Teichner.
Die Beklagten sollen den 29-jährigen Angreifer über Jahre fahrlässig behandelt haben. Daraus soll eine Nierentransplantation resultieren, der sich Klasnic im Frühjahr 2007 unterziehen musste. Im Sommer vergangenen Jahres wechselte er von Bremen zum französischen Erstligisten FC Nantes – er ist weltweit der einzige Fußball-Profi, der mit einer Spenderniere spielt.
Klasnic beruft sich auf medizinische Protokolle. Zwischen den Jahren 2002 sowie 2005 stieg der Kreatininwert des Spielers an, parallel sank der Hämoglobinwert. Der Kreatininwert spricht für eine massiv eingeschränkte Nierenfunktion, der Hämoglobinwert zeugt für Blutarmut. Diese Werte wurden unter anderem von der Kardiologin Guha erfasst und an Dimanski weitergeleitet. In den Beurteilungs-Anlagen B4, B5 und B6, die Morgenpost Online vorliegen, empfiehlt Guha in den Jahren 2003 bis 2005 dennoch weder weiterführende Diagnostik, erforderliche Therapien oder erforderliche, trainingsmethodische Maßnahmen. Daher reagierte auch Dimanski nicht.
Jeweils Gutachten von Arno Lison sowie Ulrich Kunzendorf bezichtigen Werders medizinische Abteilung der Fahrlässigkeit. Die Werte, so stellen beide Professoren unabhängig voneinander fest, hätten erkannt und behandelt werden müssen. Dimanski sieht dem Verfahren dennoch gelassen entgegen. „Alle Untersuchungen sind dokumentiert und ich werde zur Aufklärung beitragen.“ Er habe Klasnic als auch andere Bremer korrekt behandelt und weist jedes Fehlverhalten von sich.
So sehen es hingegen nicht alle Spieler. Im Dezember 2007 beschuldigte Werders damaliger Verteidiger Pierre Wome Dimanski, dass er ihm Probleme an der Leiste vorenthalten habe, worauf sich Womès Gesundheitszustand verschlimmerte.




