Morgenpost Online: Herr Hoffmann, haben Sie sich auch bei Ihrer Bank erkundigt, ob noch alles in Ordnung ist?
Bernd Hoffmann (45): Ja. Ansonsten wäre ich wohl einer der wenigen Menschen, die das noch nicht getan haben.
Morgenpost Online: Der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, erwartet auf Grund der Finanzkrise Folgen für den deutschen Fußball: Die Situation sei besorgniserregend.
Hoffmann: In Deutschland muss sich der Fußball weniger Sorgen machen als der in anderen Ländern. Wir müssen das differenziert betrachten. Wenn ich mir die aktuellen Ticketverkäufe und die Begeisterung für den Fußball aktuell anschaue, gibt es zunächst mal wenig Grund zur Besorgnis. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt dann immer noch die alte Weisheit „panem et circenses – Brot und Spiele“. Allerdings glaube ich schon, dass die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auch in der Liga ankommen werden.
Morgenpost Online: Das sind keine guten Aussichten.
Hoffmann:
Die Unternehmen, die in der Liga involviert sind, werden ihre Engagements noch genauer überprüfen. Das betrifft Sponsoring wie die Überlegung: Leiste ich mir auch in der nächsten Saison noch eine Loge oder nicht. Auch Familien stehen vor der Abwägung, ob sie sich ein Ticket für die Uefa-Pokalspiele kaufen oder dem Kind zu Weihnachten ein Trikot unter den Baum legen.
Morgenpost Online:
Bierhoff fürchtet auch geringere Pay-TV-Erlöse. Nun wird die Deutsche Fußball Liga Ende des Monats mit der Ausschreibung für den neuen Fernsehvertrag beginnen.
Hoffmann:
Ich glaube nicht, dass es Einbußen geben wird, da der Fußball sowohl für das frei empfangbare als auch das Bezahlfernsehen ein unverzichtbares Thema ist. Und es wäre fatal, auf Grund einer Marktchance unter Wert einzukaufen.
Morgenpost Online: Was macht Sie da sicher?
Hoffmann: Ich bin von der Werthaltigkeit der Bundesliga überzeugt. Die Geschichte lehrt, dass in Krisenzeiten immer der Marktführer gewinnt. Es wird hier und da Einsparungen geben. Geht es aber um das zentrale Gut, wird der Nachfrager nicht darauf verzichten. Ich bin optimistisch, dass wir die Summe aus dem vergangenen Vertragszeitraum auch im neuen erzielen werden.
Morgenpost Online: Mit dem Sender Premiere, der Probleme hat, oder anderen Anbietern?
Hoffmann: In erster Linie glaube ich an ein funktionierendes Pay-TV-Modell. Ich würde mir wünschen, dass es Premiere ist. Da der Sender in den vergangenen 15 Jahren hervorragende Arbeit geleistet und mit dafür gesorgt hat, dass wir heute im Hinblick auf die Bundesliga von einem exzellenten Produkt reden.
Morgenpost Online: Um mit guten Spielern konkurrenzfähig zu bleiben, gibt es beim HSV fortgeschrittenen Pläne, einen Fonds zu gründen, in den Geldgeber investieren sollen, um damit prozentuale Anteile an bestimmten Spielern erwerben zu können.
Hoffmann: Als Verantwortliche stehen wir in der Pflicht nach Lösungen suchen, wie wir gute Spieler zum HSV holen können. Es ist eine denkbare Variante, externe Investoren an den Verein zu binden, ohne dabei Anteile zu verkaufen. Es ist aber völlig offen, ob und wann dieses Modell zur Umsetzung kommt.
Morgenpost Online: Als Heilmittel ist zuletzt immer wieder eine Lockerung im Hinblick auf die „50 plus 1“-Regel propagiert worden.
Hoffmann:
Ich glaube, die Liga hat gut daran getan, sich diesem komplexen Thema vorsichtig zu nähern. Denn die Probleme, die es jetzt in England gibt, resultieren auch aus der Finanzierung der Klubs mit Fremdkapital. Wir sollten unseren nächsten Schritt gut abwägen. Natürlich ist der Wunsch groß, international noch erfolgreicher zu sein. Aber dabei reden wir dann ausschließlich von der Champions League, denn im Uefa Cup liefern wir aktuell den Nachweis der Wettbewerbsfähigkeit durch fünf Vereine in der Gruppenphase. Und diese Gruppen sind mit großen Namen gespickt und hochinteressant. Sollen wir also die Struktur der Bundesliga zur Debatte stellen und die Liga in ihren Grundfesten erschüttern, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, im April noch einen Klub im Halbfinale der Champions League zu stellen? Das müssen wir uns zumindest sehr genau überlegen.
Morgenpost Online: In England hat das Investorenmodell dazu geführt, dass die Schulden nun 3,85 Milliarden Euro betragen.
Hoffmann: Dass die Finanzkrise auf eine Liga, deren Vereine in großem Maße kreditfinanziert sind, eher durchschlägt, ist doch nur logisch. Aber ich halte die englische Liga im Fundament für gesund, wenn ich mir anschaue, welche Einnahmen sie weltweit generiert. Nur hat sich der eine oder andere in den vergangenen Jahren vielleicht einen zu großen Schluck aus der Flasche gegönnt.
Morgenpost Online: Wäre ein vielleicht ein Lizenzierungsverfahren für die europäischen Wettbewerbe denkbar?
Hoffmann: Das halte ich für schwierig, genauso wie das Thema Gehaltsobergrenzen, da der englische Fußball kein geschlossenes System ist wie Amerikas Profiligen NBA oder NFL. Solange ein Klub, selbst wenn er Schulden hat, seine Liquidität für die kommende Spielzeit nachweist, ist ihm die Teilnahme am Spielbetrieb schwer zu untersagen. Auf kurz oder lang wird im europäischen Fußball ein Prozess der Gesundung einsetzen, dem der eine oder andere Klub erliegen wird.
Morgenpost Online: Eine Art Reinigungsprozess.
Hoffmann:
So ist es. Dieser Reinigungsprozess beginnt jetzt in Europa. Die Bundesliga sehe ich in einer guten Lage. Dafür sind perfekte Stadieninfrastruktur, Balance von Free- und Pay-TV, starke Sponsoringpartner, stabile Klubstrukturen und nicht zuletzt die Zentralvermarktung im TV wichtige Garanten.


