Morgenpost Online : Die Vorbereitung war durch die U 21-EM nicht in vollem Umfang möglich, Sie haben wenig Urlaub gehabt und müssen sich in einem neuen Umfeld zurecht finden. Wie viel Prozent des wahren Marko Marin sehen wir derzeit?
Marko Marin : Ich bin noch nicht bei hundert Prozent, das ist klar. Es wird noch ein wenig dauern - aber es wird von Tag zu Tag besser.
Morgenpost Online : Was hat sich durch den Wechsel verändert.
Marin : Einiges. Ich bin in einem Verein gelandet, der in ganz Europa Ansehen genießt und der international spielt. Die Qualität ist hier höher, des Trainings und der Spieler. Nicht umsonst sind sie DFB-Pokalsieger geworden. Ein kleines Beispiel, dass es hier anders zugeht als in Gladbach, ist auch die Anreise zu den Spielen.
Morgenpost Online : Die Anreise? Das müssen sie erklären.
Marin : Hier in Bremen hast du einen Flughafen vor Ort. Hier fliegst du per Charter. Was bei den vielen Spielen in den verschiedenen Wettbewerben gut ist, weil es Zeit spart. In Gladbach sind wir nur Linie geflogen, das verursacht natürlich Wartezeiten. An Kleinigkeiten wie diesen merkt man, dass Bremen eine Nummer größer ist.
Morgenpost Online : War Gladbach irgendwann zu klein für Sie?
Marin : Nicht unbedingt. Ich wollte einfach den nächsten Schritt gehen. Gladbach war nicht zu klein, auf der anderen Seite aber Bremen ein super Verein. Mit der Philosophie, die mir der Trainer und Manager dargelegt haben, konnte ich mich identifizieren: offensiven Fußball spielen zu lassen, junge Spieler zu fordern und fördern. Thomas Schaaf hat das schon öfter bewiesen, dass er das hervorragend kann. Und wenn du erfahrene Spieler wie Frings, Pizarro oder Mertesacker um dich herum hast, kannst du als junger Spieler schnell wachsen. Deshalb habe ich mich für den Schritt entschieden.
Morgenpost Online : Welche Rolle hat dabei gespielt, international in den Pokalwettbewerben im Einsatz zu sein?
Marin : Eine große und entscheidende.
Morgenpost Online : Nun ist Ihr erster Klubeinsatz gegen einen kasachischen Klub, den FK Aktobe. Es gibt bekanntere Gegner.
Marin : So ist das nun mal in Qualifikationsrunden.
Morgenpost Online : Fangfrage: Wer ist der Star des Teams?
Marin : Das kann ich nicht sagen. Das ist aber auch nicht wichtig. Es ist egal, welchen Namen der Gegner hat. Die Motivation, die nächste Runde erreichen zu können, ist größer als jeder Gegner, egal ob er einen klangvollen Namen hat - oder eben wie in diesem Fall eher unbekannt ist. Man muss dieses Spiel einfach gewinnen.
Morgenpost Online : Wie definieren Sie ihre Rolle im Spiel von Werder?
Marin : Tore vorbereiten, Tore schießen und in der Defensive der Mannschaft so helfen, dass sie keine Probleme bekommt.
Morgenpost Online : Nun wird Ihnen aber gern angekreidet, dass Sie hinten zu wenig aushelfen würden.
Marin : Das rührt eher von der vergangenen Saison, weil wir mit Gladbach fast ausschließlich defensiv gespielt haben. Da war es für einen offensiven Spieler wie mich schwer.
Morgenpost Online : Müssen Sie sich zur Defensivarbeit überwinden?
Marin : Dann wäre ich falsch am Platz. Aber ich bin eben auch kein Verteidiger.
Morgenpost Online : Ihr ehemaliger Trainer Hans Meyer hat Ihre Bereitschaft, auch defensiv arbeiten zu wollen, oft in Frage gestellt. Ist es Teil Ihres Lernprozesses, defensiver zu denken?
Marin : Auf jeden Fall. Wir arbeiten daran. Ich habe hier einen Trainer, der es gut vermitteln kann.
Morgenpost Online : Konnte das Hans Meyer nicht?
Marin (schmunzelt): Doch. Ich habe auch kein schlechtes Verhältnis mit Herrn Meyer. Ich fühle mich bei Werder jetzt einfach nur gut aufgehoben.
Morgenpost Online : Am Wochenende geht es gegen Gladbach. Kommt angesichts dessen überhaupt Wehmut auf?
Marin : Es soll nicht so rüber kommen, als wenn es nicht gut da war. Gladbach war das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin unter dem Trainer Jos Luhukay Profi geworden, dann Nationalspieler und hatte eine gute Zeit. Um das mal klar zu stellen: Ich verbinde nur Positives mit der Borussia. Auch wenn es im Nachhinein so dargestellt wird, als sei ich im Unfrieden geschieden. Das Gegenteil ist der Fall.
Morgenpost Online : Wenn man mit Bundesligatrainern über Sie spricht, dann schwärmen Sie von Ihrer Kreativität. Sie sagen aber auch, dass Ihre mangelnde Robustheit für Sie auf höchstem Niveau zum Problem werden könnte. Wie sehen Sie es?
Marin : Ich sehe es ähnlich. Ich muss robuster werden. Daran arbeite ich gezielt. Ich konnte vieles bisher mit Schnelligkeit und Wendigkeit wett machen. Aber es kann nicht schaden, wenn ich zulege. Nicht unbedingt Muskelmasse, dann verliere ich an Schnelligkeit. Mehr Stabilität würde mir aber nicht schaden, ganz im Gegenteil.
Morgenpost Online : Beim HSV war der ehemalige Trainer Martin Jol auch nicht restlos von Ihnen überzeugt. ER war der Meinung, sie seien zwar ein Talent, hätten aber bei ihm wohl auf der Bank gesessen. Machte ein Wechsel nach Hamburg deswegen diesen Sommer keinen Sinn?
Marin : Mir hat Herr Jol gesagt, dass ich der absolute Wunschspieler sei und sicher spielen werde.
Morgenpost Online : Von wem kam dann die Absage?
Marin : Von mir. Ich habe mit Werder und dem HSV gesprochen. In Bremen hat es besser gepasst. Ich hatte auch Angebote aus dem Ausland. Für meine Entwicklung ist es aber besser, erst einmal in Deutschland zu bleiben und mich hier zu zeigen.
Morgenpost Online : Ihr ehemaliger Trainer Hans Meyer hat nach ihrem Wechsel gesagt, es wäre ein Wunder, wenn sie in Bremen ebenso 33 Spiele machen würden wie in Gladbach. Wird er widerlegt?
Marin : Ich glaube, diese Annahme hat er in einem Bierzelt geäußert, damit kann man das auch besser einordnen.
Morgenpost Online : Wird von Ihnen als 20-Jährigem für Ihren Geschmack zu viel auf einmal verlangt?
Marin : Nein, das ehrt mich. Wenn die Leute murren, wenn ich mal nicht gut spiele, ist das doch nur der Beweis, dass sie mich schon besser gesehen haben. Ich habe nicht umsonst schon sechs Länderspiele in diesem Alter absolviert und zähle weiter zum Kreis der Nationalmannschaft. Das hat mir der Bundestrainer versichert. Ich habe das Potenzial.
Morgenpost Online : Was sind Ihre Ziele oder Träume?
Marin : Erfahrungen zu sammeln, besser zu werden. Und ich habe das Ziel, bei der WM 2010 in Südafrika mit von der Partie zu sein.
Morgenpost Online : Wie schätzen Sie das Potenzial Werders ein?
Marin : Wir haben eine super Mannschaft und mit Pizarro einen Weltklassespieler und einen der besten Stürmer der Liga dazu bekommen. Für uns ist das noch mal ein großer Qualitätssprung. Wir wollen oben mitspielen. Mal schauen, ob es auch für einen Titel reicht.


