Einige Kartons hat er schon gepackt, „muss man ja machen“, hat er gesagt. „Ist ja auch nicht mehr lange.“ Saisonfinale, Asienreise, Urlaub. Und dann schon wieder Trainingsauftakt, aber 600 Kilometer entfernt, in Köln, nicht mehr an der Säbener Straße in München-Harlaching.
Drei Jahre war Lukas Podolski beim FC Bayern München. Jetzt kehrt er zurück an Dom und Rhein. Am Donnerstag gab er noch mal eine Pressekonferenz. Er kam in Adiletten mit Bayern-Logo. Ob er sie mitnehmen werde, wurde er gefragt. Ja, klar, hat er geantwortet. „Ich nehme alles mit, was ich noch im Spind habe.“
Poldi wurde nie Bayer, er blieb immer Exil-Kölner. Man munkelt ja, ohne Navi ist es für ihn mit der Orientierung in München nicht ganz so einfach. Zur Säbener und zurück schon, aber ansonsten? Kein Wunder, er hatte sich für den Pilsensee als Wohnsitz entschieden. Ein kleiner See, den die wenigsten Münchner kennen. Ein malerisches Fleckchen Erde mit schönen Anwesen und Menschen mit recht ausgeprägtem bayrischen Dialekt. Ein wenig weit draußen, sagen die einen. Aber Poldi sagt, er fährt gerne Auto. Und nach München wäre er nie gezogen, hat er mal gesagt. Dabei er das „nie“ so langgezogen, als solle es gar nicht mehr aufhören.
Die Fans in München haben ihn gemocht, aber nie geliebt. Als er 2006 kam, war ein Teil des Sommermärchens, die Hälfte von Schweini und Poldi. Mittlerweile geben beide keine gemeinsamen Interviews mehr, weil sie des Deminuitives überdrüssig sind. Aber eine Fußballer-Freundschaft verbindet sie immer noch. Und ein morgendlicher Wettkampf, der an der Tischtennisplatte. Jeden Tag ein Match, wenn’s geht. Momentan führe er, sagt Poldi. Und dass er noch keinen neuen Partner habe. „Da muss ich mal Michael Meier anrufen“, den FC-Manager.
Seine Sätze formuliert er als wären sie eine Parodie auf sein eigenes Ich. „Playstation oder Goethe?“, wurde er zu Saisonbeginn gefragt, als um all die neu geschaffenen Möglichkeiten in der Klinsmannschen Wohlfühloase ging. „Playstation natürlich. Wer ist Goehte?“, antwortete er und lachte.
Jeden ersten Dienstag im Monat steigt im „Max und Moritz“, einem Klub in der Münchner Innenstadt, der Kölner Abend. DJ Ralle legt Kölsche Musik auf. BAP, De Höhner und natürlich auch Big-Brother-Jürgen mit dem „Lu-lu-lu Lukas Podolski“-Song. Manche haben Trikots vom FC an, beflockt sind sie mit Podolski. Poldi sagt: „Kölner Abend? Kenne ich nicht. Ich habe nur gehört, dass es ne Kölner Kneipe in München gibt.“ Aber da war er noch nie. Er trinkt ja sowieso kein Kölsch.
Er sagt, er freue sich auf Köln, weil er bald wieder bei Muttern essen wird, auch wenn „Schuhbeck echt lecker ist“. Und er habe auch ein bisschen Wehmut. In den vergangenen Wochen ist jene verstärkt gekommen. Weil ausgerechnet ein Gladbacher einen Kölner protegierte, weil Jupp Heynckes ihm Vertrauen schenkte. „Jetzt am Ende unter dem neuen Trainer lief es gut. Wenn es vorher so gelaufen wäre, wäre die Entscheidung vielleicht anders gelaufen.“ Poldi spricht von Höhen und Tiefen, wenn er über seine Zeit beim FC Bayern redet. Die vier Titel, zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Und seine vielen Wochen auf der Bank. Bayern ist der beste Verein in Deutschland, wenn man international spielen will, sagt er. Und der Zweitbeste? „Köln!“
Im Stadion-Magazin verabschieden sie Poldi auf einer Doppelseite. Servus, Lukas! steht dort. Und „Ich binne ne Kölsche Jung, watt willste mache? Ich binne ne Kölsche Jung und dunn gern lache…“ Tschö, Poldi. Und mach et joot.
Die Kolumne "Sterne des Südens" von Bayern-Reporterin Anja Schramm erscheint vor den Bundesliga-Wochenenden am Freitag auf Morgenpost Online.



