Geht es nach Joseph Blatter, muss sich niemand Sorgen um die Fußball-WM 2010 in Südafrika machen. Der Präsident des Weltverbands Fifa will bereits mit drei Ländern gesprochen haben, die das Turnier innerhalb eines Jahres problemlos ausrichten könnten, sollte Südafrika an den Vorgaben scheitern. Es gibt also einen Plan B, das behauptet jedenfalls Blatter.
Der mächtigste Fußballfunktionär der Welt kaschiert seine Nervosität mit markigen Sprüchen. Dass dabei die von ihm angekündigten Alternativ-Ausrichter anonym bleiben, ist kein Zufall. Es gibt keine drei Länder, die in nur zwölf Monaten dieses globale Ereignis verlässlich planen können. Selbst Deutschland würde trotz der Infrastruktur und Erfahrungen der WM 2006 an organisatorische Grenzen stoßen, zumal hier 2011 eine Frauen-WM ansteht. Der Deutsche Fußball-Bund will und wird nicht den Lückenbüßer spielen.
Blatter baut dennoch eine Drohkulisse auf, um den Druck auf den Ausrichter zu erhöhen. Tatsächlich liegt ihm aber nichts ferner, als das Turnier zu verlegen, weil viel mehr auf dem Spiel steht als der sportliche Wettkampf. Für Südafrika geht es um die Chance, die infrastrukturellen und wirtschaftlichen Effekte zu nutzen. Aber noch viel mehr braucht das von Kriminalität, Rassenunruhen und Armut gezeichnete Land die Symbolik eines Völker verbindenden Sportereignisses. Eine friedliche WM soll gesellschaftliche und politische Signalwirkung haben, nach innen und außen.
Blatter verfolgt gleichzeitig eigene Interessen. Er hat sich aus machtpolitischem und finanziellem Kalkül für Südafrika eingesetzt. Für ihn geht es um Wählerstimmen und für seinen Global Player Fifa um die Erschließung neuer Märkte. Der Schweizer verspricht den Afrikanern Fußball und legt ihnen nebenbei Coca-Cola und McDonald's ans Herz.
Eine Neuvergabe der WM wäre ein strategisches Eigentor, ein Wirtschafts- und Imageschaden, eine persönliche Niederlage für den Fifa-Präsidenten. Blatter wird alles tun, damit Südafrika Gastgeber bleibt. Er war schon immer ein schlechter Verlierer.
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