Mit Wunderkerzen und Weihnachtsmusik ließ Bayer Leverkusen das Fußballjahr 2010 ausklingen, doch Jupp Heynckes und Co. war das Feiern gründlich vergangen. Im dichten Schneegestöber hat Bayer Leverkusen einen Tag nach dem Patzer von Herbstmeister Borussia Dortmund die Gunst der Stunde nicht genutzt und beim 2:2 (1:1) gegen den SC Freiburg zwei wichtige Punkte liegen gelassen.
„Da kann man besser einen Schneemann bauen als Fußball spielen. Es ist sehr ärgerlich, dass wir heute nicht gewonnen haben, aber man muss immer die Witterungsverhältnisse mit berücksichtigen. Das war ein Lotteriespiel“, sagte Kapitän Simon Rolfes. Zehn statt acht Punkte beträgt nun der Rückstand auf den BVB, der gleich zum Rückrundenauftakt am 14. Januar in der BayArena gastiert.
Abwehrspieler Manuel Friedrich schickte bereits eine Kampfansage an die Westfalen, die am Samstag 0:1 bei Eintracht Frankfurt verloren hatten: „Das wird ein Superspiel. Wir werden mit einem noch stärkeren Team in die Rückrunde gehen. Wir haben bereits in der Hinrunde die viele Ausfälle besser kompensiert als andere Mannschaften.“
Doch ausgerechnet am letzten Hinrunden-Spieltag gab es noch einen Dämpfer. Aus dem fest eingeplanten Dreier gegen Freiburg wurde nichts, bei Dauer-Schneefall fand die geballte Bayer-Offensive kaum ein Mittel gegen die leidenschaftlich kämpfenden Freiburger. „Das hat mit Fußball nicht viel zu tun, da ist vieles dem Zufall überlassen“, wetterte Bayer-Sportchef Rudi Völler.
Dabei lief zunächst alles nach Plan. Vor 22.421 Zuschauern schoss Arturo Vidal (16.) die Gastgeber per Foulelfmeter in Führung. Es war der sechste Elfmetertreffer für den chilenischen Nationalspieler in dieser Saison. Der Südamerikaner war insgesamt zum achten Mal in dieser Spielzeit erfolgreich.
Jan Rosenthal (24.) schloss dann allerdings einen Konterangriff der Freiburger, die ohne Torjäger Papiss Cisse (13. Saisontreffer/Gelbsperre) angetreten waren, zum 1:1-Ausgleich ab. Stefan Reisinger (65.) brachte die Breisgauer mit 2:1 in Führung. Der eingewechselte Patrick Helmes (75.) rettete einen Punkt für die Gastgeber, die zu Hause in der Hinrunde große Schwächen (nur drei Heimerfolge) offenbarten. Helmes zog sich danach allerdings einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Da Bayer bereits alle drei Auswechslungen vorgenommen hatte, musste die Werkself die Begegnung mit zehn Mann beenden.
„Bei diesen Bodenverhältnissen muss man schon Glück haben, dass der Ball in die richtige Richtung springt. Leverkusen und Freiburg sind zwei Mannschaften, die gerne Fußball spielen. Da waren die Bedingungen natürlich für beide hinderlich. Es gehört aber auch eine Portion Leidenschat dazu. Das haben beide Mannschaften gezeigt“, sagte Freiburgs Trainer Robin Dutt, der mit 28 Punkten nach Abschluss der Hinrunde zufrieden Bilanz ziehen durfte.
Sein Bundesliga-Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause feierte bei Bayer Nationalstürmer Stefan Kießling, der in der 66. Minute von Trainer Jupp Heynckes eingewechselt wurde. In der 82. Minute hatte er das 3:2 auf dem Fuß, verzog aber knapp.
Der Werksklub übernahm von Beginn das Kommando und versuchte, mit schnellem Passspiel die Abwehr des Sport-Clubs aus den Angeln zu heben. Allerdings wirkte das Spiel der Rheinländer über weite Strecken nicht entschlossen genug. Freiburg störte mit viel Laufbereitschaft und gutem Stellungsspiel erfolgreich den Spielaufbau der Leverkusener.
Die wenigen Lücken, die Freiburg dem Werksteam boten, wurden nicht entschlossen genutzt. Nach dem Führungstor besaß Leverkusen durch Sidney Sam eine weitere Chance zur Resultatserhöhung. Mit seinem Schuss aus zwölf Metern scheiterte er aber an Torhüter Oliver Baumann. Beim Ausgleichstreffer der Freiburger machte Bayer-Innenverteidiger Stefan Reinartz keine glückliche Figur. „So einen Fehler darf man nicht einmal im Training machen“, kommentierte Völler den Reinartz-Fauxpas.
SC-Coach Robin Dutt bot überraschend Rosenthal als zweite Spitze neben Stefan Reisinger auf. Reisinger war es auch, der in der neunten Minute mit einem ersten Warnschuss für Gefahr sorgte. Er scheiterte jedoch an Bayer-Keeper Fabian Giefer. Der Sport-Club beschränkte sich weitgehend auf gute Defensivarbeit, setzte aber gute Konter. Bayer musste unterdessen im letzten Bundesligaspiel in diesem Jahr auf die verletzten Rene Adler, Sami Hyypiä und Michael Ballack verzichten.
sid/fb




