TV-Quoten

Mehr Frauen als Männer bei der EM vor dem Fernseher

Fußball, das ist nicht nur Taktik, sondern auch viel Emotion. Was vielen Bundeligafans schon lange klar war, bemerken manche Frauen erst jetzt – und drängen vor die Bildschirme. Mehr Frauen als Männer schauten sich bisher die EM-Spiele der deutschen Mannschaft im Fernsehen an.

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Deutschland hat sich bis ins Finale vorgekämpft – und zugesehen haben vor allem Frauen. Was den Quoten-Wächtern bei der Fußball-WM 2006 erstmals vereinzelt aufgefallen war, hat sich nun bei der EM in Österreich und der Schweiz sogar verstärkt: Mehr Frauen als Männer verfolgen die Auftritte von "Poldi, Schweini und Co." an den Fernsehschirmen in Deutschland.

Bei drei der bisher fünf EM-Auftritte der deutschen Mannschaft waren die Frauen unter den TV-Zuschauern in der Mehrzahl. Ließen sie bei den ersten beiden Gruppenspielen gegen Polen und Kroatien den Männern noch den Vortritt, schalteten sie sich laut media control verstärkt bei den entscheidenden Spielen gegen Österreich (13,32 Mio. Frauen ab 14 Jahren/13,21 Mio. Männer), Portugal (13,31/12,80) und gegen die Türkei (14,11/13,40) ein.

Das in Baden-Baden ansässige Unternehmen wertet anhand der Daten von knapp 6000 ausgewählten Haushalten, darunter 140 mit EU-Ausländern, die TV-Quoten aus und rechnet sie auf die Gesamtbevölkerung hoch. Erfasst werden dabei türkische TV-Seher genauso wenig wie die Besucher von Public-Viewing-Veranstaltungen. Die tatsächliche Zahl der Zuschauer liegt also stets höher als angegeben.

Für Psychologen lassen sich unterschiedliche Erklärungen für das Phänomen finden. "Die emotionale Komponente des Fußballs spricht die Frauen an, da finden Emotionen statt und es dürfen auch welche gezeigt werden", sagt Sportpsychologin Dorothee Alfermann von der Universität Leipzig. Zudem gehöre Fußball mittlerweile auch bei vielen Frauen zum Leben, und von der (Männer-)Gesellschaft werde das akzeptiert. Ein weiterer wichtiger Grund für das hohe Interesse der Frauen ist laut Alfermann, dass Fußball salonfähig geworden ist: "Fußball-Ereignisse haben eine nationale Bedeutung bekommen."