Vor drei Tagen drohte der deutschen Nationalmannschaft bei der EM noch das Vorrunden-Aus. Sie spielte ideenlos, zu langsam, viel zu mittelmäßig. Am Donnerstag präsentierte sich in Basel einen völlig andere Mannschaft. 3:2 gewann die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw gegen die hoch gehandelten Portugiesen. Aus Enttäuschung ist Euphorie geworden. In dieser Form und mit dieser Begeisterung ist Deutschland ein ernst zu nehmender Titelkandidat.

Der Abend von Basel hat für alles versöhnt. Mit einem Sieg gegen eine schlechte polnische Elf war man in das Turnier gestartet, es folgte ein spielerischer Offenbarungseid gegen Kroatien und ein mühsames 1:0 gegen Österreich. Es wurde viel gegrätscht, gerackert, gearbeitet. Donnerstag wurde endlich wieder Fußball gespielt.
Im Viertelfinale erinnerte die Mannschaft zum ersten Mal bei der EM wieder an die Auswahl, die vor zwei Jahren bei der WM Dritter wurde und danach viele Spiele und noch mehr Sympathien gewann. In Basel haben nicht die besseren Individualisten gewonnen. Im St. Jakob-Park ging an diesem Abend das bessere Team als Sieger von Platz. Die Elf mit der besseren Einstellung und Aufstellung.

Der Bundestrainer gab die passende Antwort



Einer der größten Gewinner saß auf der Tribüne. Die Uefa hatte Joachim Löw gesperrt, weil er sich in seiner Coaching-Zone zu emotional engagiert hatte. Ein Foul der Funktionäre, das schmerzte. Aber der Bundestrainer hatte die passende, taktische Antwort. Er verzichtete auf verbale Konter und tüftelte stattdessen an einer neuen Formation gegen Ronaldo und all die anderen portugischen Stars.

Die Taktik ging weitgehend auf. Von Ronaldo sprach nach dem Abpfiff niemand, der Star des Abends trug ein Deutschlandtrikot. Bastian Schweinsteiger zeigte nach seiner Roten Karte gegen Kroatien die geforderte Antwort. Er erzielte ein Tor und bereitete zwei vor. Die Fans im Stadion standen von ihren Plätzen auf, feierten ihn und all die anderen. „Finale“ wurde in der Kurve angestimmt. Seit gestern ist es bei dieser EM möglich. Und vielleicht sogar noch mehr.