Das Spiel gegen Österreich lässt sich einem kurzen Satz zusammenfassen: Das Beste war das Ergebnis. 1:0 hat die deutsche Mannschaft ihr letztes Gruppenspiel gewonnen und nach dem Titelgewinn 1996 erstmals wieder das Viertelfinale einer Fußball-Europameisterschaft erreicht. Eine Blamage blieb den Deutschen ebenso erspart wie die Suche nach einem neuen Bundestrainer.

Joachim Löw kann seine vor zwei Jahren begonnene Arbeit fortsetzen. Und im Moment ist er um diese Aufgabe nicht zu beneiden. Nach dem Sieg ist Erleichterung angebracht, aber es gibt keinen Grund für Entwarnung. Im Gegenteil. Auch in Wien erinnerte nichts an die WM vor zwei Jahren. Von Angriffslust, Spielfreude, Dynamik und Durchsetzungsvermögen war wieder einmal nichts zu sehen. Bei der EM 2008 präsentieren sich die Deutschen so wie bei der WM 2002 in Japan und Südkorea: Es wird gegrätscht, gearbeitet. Und am Ende über den glücklichen Einzug in die nächste Runde gejubelt.

Zu viele Querpässe und wenig gelungene Aktionen

Bis auf einige Szenen im Auftaktspiel gegen Polen ist von der viel zitierten Spielphilosophie des Bundestrainers nichts mehr zu sehen. Er fordert das schnelle Abspiel, den überraschenden Pass in die Spitze, modernen Kombinationsfußball. Die Gegenwart sind allerdings zu langsame Ballstafetten, zu viele Querpässe und wenig gelungene Aktionen. Statt mit innovativer Taktik rettet sich das Team im bisherigen Turnierverlauf nur noch mit den alten Fußballtugenden über die Runden.

Es ist nicht die Einsatzbereitschaft, die nachdenklich stimmt. Die größten Defizite der Mannschaft sind Mangel an Kreativität, Ausrechenbarkeit und Behäbigkeit. Das Fehlen von Bernd Schneider kann im Mittelfeld nicht kompensiert werden. Der gegen Österreich gesperrte Bastian Schweinsteiger war zuletzt ebenso weit von seiner Form entfernt wie die meisten Mitspieler. Bestes Beispiel: der Sturm. Vor dem Turnier war er der vermeintlich stärkste Mannschaftsteil, bisher sind Klose und Gomez die größten Enttäuschungen.

Vielleicht wirkt Ronaldo leistungssteigernd

Löw muss ein größeres Fußballwunder vollbringen, um in den kommenden Tagen ein Team zu formen, das gegen Portugal bestehen kann. Vielleicht hilft den Spielern, dass sie als krasser Außenseiter ins Viertelfinale gehen. Vielleicht wirkt es auf einige leistungssteigernd, gegen hochgelobte Stars wie Ronaldo anzutreten. Und vielleicht hat der Gegner ein bisschen Angst vor einer deutschen Elf, die im Moment zwar nicht schön und nicht gut Fußball spielt, aber dafür zumindest wieder ihr Turnierglück und alte Tugenden bemüht.

Bei der WM 2002 hat das für die Finalteilnahme gereicht.