Schweden hat „König Otto“ Rehhagel und seinen griechischen Europameistern einen ersten Zacken aus der Krone gebrochen. Zlatan Ibrahimovic und Petter Hansson bestraften mit ihren Treffern in der 67. und 72. Minute den Titelverteidiger für seine destruktive Taktik und schossen die Schweden bei der Euro 2008 mit einem 2:0 (0:0) auf den zweiten Tabellenplatz in der Gruppe D hinter Spanien, das Russland mit 4:1 besiegt hatte.
Sein Mittelfeld sei „nicht so dominant“ gewesen, beklagte Rehhagel selbstkritisch, außerdem habe der „Kampfgeist gefehlt, den seine Mannschaft sonst „mit Herz und Leidenschaft“ präsentierte. In den kommenden Spielen, betonte der 70-Jährige, „müssen wir etwas anderes zeigen“. Der Titelverteidiger spielt am kommenden Samstag gegen Russland, Schweden in Innsbruck gegen die Spanier.
Bei ihrem ersten Sieg gegen Griechenland seit 88 Jahren beendeten die Schweden die griechische Serie von 424 Minuten ohne Gegentor bei EM-Endrunden.
Die Skandinavier, die in den bisherigen sechs Länderspielen im Jahre 2008 erst zwei Treffer erzielt hatten, versuchten lange Zeit vergeblich, das griechische Bollwerk zu knacken, warteten allerdings geduldig auf ihre Chancen. „Die Schweden haben gut gespielt“, lobte Rehhagel.
„Die Mannschaft hat gut zusammengespielt und Großartiges geleistet gegen einen sehr schwierigen Gegner. Es ist toll, das erste Spiel gewonnen zu haben, aber gerade die Art und Weise war außerordentlich", stellte Schweden-Coach Lars Lagerbäck fest.
Ibrahimovic trifft wieder
Ibrahimovic überwand mit seinem ersten Länderspieltreffer seit dem 12. Oktober 2005 Griechenlands Torhüter Antonis Nikopolidis von der Strafraumgrenze. „Es war ein schwieriges Spiel, wir haben einen phantastischen Job gemacht. Wir haben intelligent gespielt. Es war kein einfaches Spiel für die Stürmer, die Griechen haben drei gute Verteidiger. Hauptsache, wir haben gewonnen. Wir sind sehr glücklich. Es war ein perfektes Spiel, um ein Tor zu machen“, sagte Ibrahimovic.
„Wir haben ihn eine Sekunde aus den Augen gelassen“, stellte Rehhagel fest. Hansson stocherte fünf Minuten später aus dem Gewühl heraus den Ball über die Linie.
Bis dahin hatten die Griechen zum Unmut der Vielzahl der 30.063 Zuschauer in Salzburg praktisch keine Anstalten gemacht, ihre destruktive Taktik aufzugeben. „Das war Angstfußball“, klagte der erst in der 70. Minute eingewechselte Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt.
Seine Taktik hatte Rehhagel vor dem Spiel nicht verraten wollen, beim Anpfiff aber wurde schon deutlich, dass kein schönes Spiel zu erwarten war: Traianos Dellas fungierte im Verbund mit vier Abwehrspielern als Libero. Der griechischen Mauer zum Opfer fiel in der Anfangself, in der noch sechs Europameister von Lissabon 2004 standen, zunächst auch Amanatidis.
Dafür durfte sich sein Vereinskollege Sotirios Kyrgiakos als Sonderbewacher um Ibrahimovic kümmern. Tatsächlich liefen die beiden nahezu im Gleichschritt über den Rasen, Kyrgiakos war bis zum Treffer des Angreifers von Inter Mailand bei diesem „Paarlauf“ meist der dominierende Akteur. Nur in der 33. Minute hatte Ibrahimovic seinen Schatten einmal kurz loswerden können, köpfte mit dem Rücken zum griechischen Tor jedoch knapp darüber.
Gekas unbeteiligt
Es war die Phase, als das Tempo in der Begegnung ein wenig höher wurde, ohne jedoch die gelangweilten Zuschauer davon abzuhalten, sich wenigstens selbst zu feiern. Wie Ibrahimovic ließen die Griechen auch dessen Mitspielern kaum die Luft zum Atmen. Henrik Larsson etwa, der kurz vor der EM zum Comeback überredete zweite Angreifer, hing völlig in der Luft. Kaum kam ein Schwede an den Ball, wurde er sofort von zahlreichen Gegenspielern umzingelt.
Den Angriff der Griechen bildeten die Bundesliga-Profis Theofanis Gekas von Bayer Leverkusen und Angelos Charisteas von Absteiger 1. FC Nürnberg. Charisteas, der die Hellenen vor vier Jahren im Endspiel gegen Portugal zum 1:0-Sieg geköpft hatte, war der einzige, von dem ansatzweise so etwas wie Torgefahr ausging. Gekas wurde in der Halbzeit durch seine Auswechslung erlöst - er war praktisch nicht am Spiel beteiligt.
Die Griechen setzten in der Offensive hauptsächlich auf allerdings wirkungslose Standardsituationen und „Mitspieler Zufall“. Ihre größte Chance besaß Angelos Basinas mit einem Schuss aus 20 Metern, den Torhüter Andreas Isakson zur Ecke abwehrte (45. ).
sid/fb





