Morgenpost Online: Herr Frei, liegt ein Fluch auf Ihnen?

Alexander Frei: Ich weiß, was Sie meinen. Alex Frei bei Europameisterschaften – da gibt es immer so dumme Pressekonferenzen. Langsam wird das wirklich zu einer blöden Tradition.

Morgenpost Online: Wie viele Tränen sind bei Ihnen seit Samstagabend geflossen?
Alexander Frei: Viele, das darf ich auch als Mann sagen. Aber meine Freunde, meine Freundin, meine Familie und auch das ganze Team hier haben geholfen, sie zu trocknen.

Morgenpost Online: Ihrem künftigen Trainer in Dortmund, Jürgen Klopp, entwischte spontan ein derber Fluch, als er Ihre Verletzung am Fernseher sah. Hatten Sie seitdem Kontakt zu ihm?

Alexander Frei: Nicht nur zu ihm, auch zu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc. Von Mitspielern kamen SMS, die mich sehr gerührt haben. Watzke sagte: Wenn es eine Gerechtigkeit gibt, dann schießt du nächste Saison 25 Tore.

Morgenpost Online: Wie sehr verfolgt Sie die Szene Ihrer Verletzung immer noch?

Alexander Frei: Ich wache mit ihr auf und schlafe damit ein. Ich kenne meinen Körper mittlerweile – leider – gut genug, dass ich im ersten Moment wusste, dass es vorbei ist. Aber: Es war Glück im Unglück.

Morgenpost Online: Inwiefern?

Alexander Frei: Wenige Millimeter haben gefehlt, und ich wäre nicht wie jetzt sechs Wochen, sondern sechs Monate ausgefallen – mit einem Kreuzbandriss. Manchmal fällt man hin. Dann kann man liegen bleiben oder wieder aufstehen – und Champions stehen wieder auf.

Morgenpost Online: Champion wollten Sie auf ganz andere Weise sein: Mit der Schweiz bei dieser EM. Sie träumten vom Titel.

Alexander Frei: Mein Traum ist zerplatzt. Aber nicht der der Mannschaft. Jetzt müssen die Jungs eben ohne mich alles unternehmen, dass dieser Traum auch nach dem Spiel am Mittwoch gegen die Türkei weitergeht.

Morgenpost Online: Was macht Ihnen da Mut?

Alexander Frei: Mir macht Mut, dass wir gegen Tschechien über das Ergebnis hinaus richtig gut gespielt haben. Die ersten 43 Minuten – also solange, wie ich dabei war – zählten für mich mit zu meinen besten im Nationalteam überhaupt.

Morgenpost Online: Nun sind Sie verletzt, bleiben aber trotzdem beim Team. Wie verändert sich da Ihre Rolle?

Alexander Frei: Keine Angst, Köbi Kuhn bleibt Trainer. Im Ernst: Mir war vom ersten Moment an klar, dass ich einer von 23 Spielern im Team bin und dass ich das auch bleiben möchte. Wenn jemand einen Tipp von mir braucht oder Unterstützung, dann helfe ich. Aber sonst halte ich mich zurück.

Morgenpost Online: Viele der jungen Spieler im Team waren 2005 im Skandalspiel gegen die Türkei nicht dabei. Jetzt kommt es unter brisanten Umständen zur Neuauflage.

Alexander Frei: Trotzdem wird das ein ganz anderes Spiel als damals in Istanbul. Natürlich haben wir älteren Spieler die Szenen von damals noch irgendwo im Hinterkopf, aber für unsere Jungen ist das kein Thema. Nein, am Mittwoch geht es nur darum, das Spiel zu gewinnen und die Chance auf das Viertelfinale zu erhalten.