Christian Gross hatte ein glückliches Händchen. Wieder einmal. Zwei Spieler, die der VfB-Trainer einwechselte, sorgten im Hinspiel bei Slovan Bratislava mit einer Co-Produktion für die späte Entscheidung: Martin Harnik köpfte in der 88. Minute eine Linksflanke von Johan Audel zum 1:0 ein. Vor dem zweiten Aufeinandertreffen am kommenden Donnerstag ist die angepeilte Gruppenphase in der Europa League für die Schwaben in greifbare Nähe gerückt. „Der Sieg tut uns auch für den Sonntag in Mainz sehr gut“, sagte ein erleichterter Ersatz-Kapitän Cacau.
Zwei seiner Kollegen kehrten dagegen frustriert aus der Slowakei zurück: Innenverteidiger Serdar Tasci und Mittelfeldspieler Sebastian Rudy. Obwohl einsatzfähig, saß Nationalspieler Tasci 90 Minuten auf der Bank, Rudy fand sich gar auf der Tribüne wieder. Für beide wird sich die unbefriedigende Situation auch morgen beim Saisonstart beim FSV Mainz kaum ändern.
Für Tasci ist das zurückliegende Jahr alles andere als glücklich verlaufen. Erst fühlte er sich bei der Wahl von Kapitän Matthieu Delpierre übergangen und muckte auf. Neu-Trainer Gross gönnte ihm gleich eine Auszeit von mehreren Spielen und forderte mehr Engagement, begnadete Tasci aber mit Rücksicht auf die Nationalmannschaft. Er wollte ihm die WM-Chance nicht verbauen. Tasci wurde von Joachim Löw nominiert, kehrte jedoch als Verlierer aus Südafrika zurück. Er kam im gesamten Turnier auf gerade eine Minute Spielzeit im kleinen Finale gegen Uruguay (3:2). Der 23-Jährige zog dennoch das Positive aus der Enttäuschung und sagte: „So eine Erfahrung bringt einen weiter, weil man merkt, dass es nicht immer aufwärts geht.“
Einen weiteren Dämpfer gab es dann im ersten Länderspiel nach der WM gegen Dänemark (2:2). Gerade aus dem WM-Urlaub zurück, unterlief dem Verteidiger ein folgenschwerer Fehlpass, der zum zweiten Gegentor führte. „Er ist noch nicht fit“, sagte der strenge Gross hernach, strich Tasci für das Pokalspiel beim SV Babelsberg (2:1) und verordnete ihm Sondertraining. Wann er wieder spielen darf, ist offen. Mit Delpierre, Khalid Boulahrouz und Georg Niedermeier hat Tasci starke und namhafte Konkurrenz im Abwehrzentrum.
Beim VfB gar nicht mehr zum Einsatz kommen wird aller Voraussicht nach Sebastian Rudy. Seit Wochen lockt der ehemalige Stuttgarter Trainer Ralf Rangnick das 20-jährige Mittelfeldtalent nach Hoffenheim. Die TSG steigerte das Angebot von zunächst drei Millionen Euro Ablöse auf mittlerweile fünf Millionen. Damit scheint für den VfB die Schmerzgrenze erreicht. Der Verein – wegen des Stadionumbaus in finanziellen Engpässen – braucht das Geld, um sich auf der rechten Außenbahn noch zu verstärken. Etwa die Hälfte der Ablösesumme soll in Stefan Aigner von 1860 München investiert werden, nachdem sich ein Transfer des slowakischen WM-Spielers Vladimir Weiss zerschlagen hat.





