Bayer Leverkusen hat die Gunst der Stunde nicht genutzt und den Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga verpasst. In der Neuauflage des DFB-Pokalfinales gegen Cup-Gewinner Werder Bremen kam der Werksklub über ein torloses Unentschieden nicht hinaus. Damit bleibt der Hamburger SV nach dem 1:1 (1:1) bei Eintracht Frankfurt punktgleich mit Bayer aufgrund der besseren Tordifferenz Tabellenführer.
Die Rheinländer sind seit viereinhalb Jahren (2:1 am 24. April 2005) gegen Werder zu Hause sieglos. Bayer-Torjäger Stefan Kießling verpasste zudem den Bundesliga-Starttorrekord von sechs Spielen mit jeweils einem Treffer, nachdem der Ex-Nürnberger in den ersten fünf Saisonpartien jeweils einmal getroffen hatte. Der SV Werder, seit fünf Spielen ungeschlagen, bleibt im Tabellenmittelfeld.
„Wir sind mit dem Punkt zufrieden, wir sind noch ungeschlagen und spielen im Moment guten Fußball“, sagte Kießling, der nach dem Spiel seinen Bart abrasierte, weil seine Torserie gerissen war. „Beide Mannschaften wollten hinten nicht aufmachen, leider konnten wir nach vorne nicht so viele Akzente setzte.“
Werder-Trainer Thomas Schaaf war ebenfalls nicht unzufrieden. „Für mich war die Leistung entscheidend. Und damit war ich in der ersten Halbzeit sehr zufrieden, in der zweiten Hälfte mache ich ein paar Abstriche“, sagte er und fasste das Geschehen auf dem Platz treffend zusammen: „Beide hatten voreinander Respekt, es war wenig Raum da. Keiner wollte öffnen, so kamen wenig Chancen zustande. Die, die da waren, konnte keiner nutzen.“
In einem ausgeglichenen Spitzenspiel besaßen die Leverkusener vor 30.210 Zuschauern in der erstmals nach dem Umbau ausverkauften BayArena durch Toni Kroos, der für den am Knie verletzten Brasilianer Renato Augusto in die Mannschaft gekommen war, bereits in der fünften Minute die erste Großchance. Doch Werder-Torwart Tim Wiese parierte den Schuss glänzend.
Die Norddeutschen versteckten sich in dem Duell, das von starken Abwehrreihen geprägt war, allerdings keineswegs. In der 13. Minute zwang Marko Marin Bayers Nationaltorwart Rene Adler zu einer Glanzparade, als der Ex-Gladbacher über die rechte Seite auf Zuspiel von Claudio Pizarro auf das Leverkusener Tor zugestürmt war und aus rund 18 Metern abzog. Drei Minuten später war es erneut Marin, der aus zehn Metern schoss, Adler musste per Handabwehr zur Ecke klären. In der 41. Minute verpasste Marin in Mittelstürmerposition die Hereingabe von Aaron Hunt von der linken Seite ganz knapp.
Werder agierte sehr bissig in den Zweikämpfen, ließ die Rheinländer kaum zur Entfaltung kommen. Das Spiel der Hausherren wirkte über weite Strecken zu statisch, es fehlten die Überraschungsmomente, um die gut organisierten Bremer in Verlegenheit zu bringen.
Heimdebakel für Hertha
Hertha BSC ist nach einem peinlichen Debakel endgültig im Abstiegskampf angekommen und geht unruhigen Wochen entgegen. Der kriselnde Hauptstadt-Klub ließ sich beim 0:4 (0:3) im Kellerduell gegen Aufsteiger SC Freiburg vor heimischen Publikum vorführen und übernahm durch die fünfte Niederlage in Folge die „Rote Laterne“ des Tabellenletzten.
Auf Platz 18 hatte Hertha zuletzt vor fünfeinhalb Jahren gestanden. Aufgrund der Talfahrt und der desolaten Form dürfte nun der Druck auf Trainer Lucien Favre, der das Team in der vergangenen Saison noch auf Platz vier geführt hatte, erheblich zunehmen. Der überragende Ivica Banovic mit einem Doppelpack (6. und 68.), Cedric Makiadi (12.) und Mohamadou Idrissou (42.) erzielten die Treffer für überlegene Freiburger, die zum ersten Mal überhaupt im Berliner Olympiastadion gewannen und die Abstiegszone vorerst verließen.
„So kann es nicht weitergehen. Ich denke, das wir nicht mehr bereit sind, zu kämpfen und zu verteidigen wie vor einigen Monaten. Wir denken, dass wir nur noch nach vorne spielen können. Das ist ungenügend. Es ist eine enorme Herausforderung, da rauszukommen“, sagte der sichtlich entsetzte Favre. Kollege Robin Dutt war sichtlich erfreut, blieb aber sachlich: „Für einen Aufsteiger ist es immer schwer in Berlin, auch wenn Hertha Druck hatte. Die beiden schnellen Tore haben uns in die Karten gespielt. Wir müssen uns aber noch weiterentwickeln. Und wir bleiben ruhig, wenn auch mal nicht so läuft.“
Vor 38.176 Zuschauern im Olympiastadion waren die Gäste von Beginn an das bessere Team. Nach den schnellen ersten beiden Treffern setzten die Breisgauer angeführt vom spielfreudigen Banovic mit teilweise erstklassig vorgetragenen Kontern nach und offenbarten eklatante Schwächen in der Berliner Defensive. Den 19-jährigen Sascha Burchert, der für den verletzten Stammkeeper Jaroslav Drobny (Muskelfaserriss) das Hertha-Tor hütete, traf bei den Gegentreffern aber keine Schuld.
Die Berliner Feldspieler standen dagegen auch in der Offensive völlig neben der Spur. Es reihte sich Fehlpass an Fehlpass, Stürmer Artur Wichniarek hing völlig in der Luft. Bei seinen wenigen Ballkontakten wirkte der Pole überfordert und wurde bei seiner Auswechslung in der 63. Minute gegen Neuzugang Adrian Ramos ausgepfiffen.
Zufriedener Labbadia
Voller Einsatz, viele Chancen, aber nur ein Punkt: Drei Tage nach der Schmach von Wien ist dem Hamburger SV die Wiedergutmachung in der Bundesliga nur teilweise gelungen. „Das war eine sehr, sehr gute Reaktion, aber man muss klar sagen: Wir haben zwei Punkte liegen lassen“, sagte Trainer Bruno Labbadia nach dem 1:1 (1:1) bei Eintracht Frankfurt.
Nach dem frühen 1:0 durch ein seltenes Kopfballtor von Ze Roberto in der achten Minute bemühte sich der HSV nach Kräften, die peinliche 0:3-Pleite vom vergangenen Donnerstag in der Europa League bei Rapid Wien vergessen zu machen. Weil aber gute Möglichkeiten ungenutzt blieben und Marco Russ nach Vorarbeit des Ex-Hamburgers Alexander Meier ausglich (32.), fehlte am Ende der Lohn.
„Wir hatten so viele Chancen und hätten gewinnen können“, meinte Nationalspieler Piotr Trochowski, der mehrmals den möglichen Siegtreffer auf dem Fuß hatte: „Das müssen wir uns selbst ankreiden." Immerhin blieben die Hanseaten ebenso wie die Eintracht in der Bundesliga ungeschlagen. „Die Ansprüche sind gestiegen, das haben wir uns selbst erarbeitet, das ist auch eine Verpflichtung“, sagte Torhüter Frank Rost, fügte jedoch an: „Aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen und mal mit einem Punkt zufrieden sein.“
Der HSV-Keeper hatte beim Ausgleich vor 51.500 Zuschauern eine unglückliche Figur abgegeben. Nach der besten Kombination der Frankfurter tunnelte Meier den Hamburger Schlussmann. Noch schlechter sah sein Gegenüber Oka Nikolov bei Ze Robertos Kopfballtor aus. Der Eintracht-Keeper konnte nach einem Freistoß von Trochowski den Ball nicht festhalten. „Da stelle ich mich ein bisschen doof an“, gab Nikolov zu.
Sein Trainer Michael Skibbe war froh über den Punktgewinn: „Auf dem technischen Niveau der Hamburger haben wir nicht mitspielen können. Wir sind in der zweiten Hälfte mehr und mehr ins Hinterherrennen geraten. Da muss man am Ende zufrieden sein, dass wir das 1:1 gehalten haben.“
sid/fb





