Bei der Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft war er der Aufsteiger in der deutschen Mannschaft. Thomas Müller überraschte mit tollem Offensivspiel und fünf Turniertreffern. Er wurde in Südafrika zum besten Nachwuchsspieler gekürt und mit drei weiteren Spielern Torschützenkönig. Jetzt hat den 20-Jährigen vom FC Bayern München der Alltag wieder.
Morgenpost Online: Herr Müller, die Debatte um den Kapitän ist beendet. Ist es für Sie in Ihrer Karriere bisher wichtig gewesen, wer Kapitän ist?
Thomas Müller: Nein. Das war für mich persönlich noch nie wichtig. Ich habe das bisher immer als großes Ganzes gesehen. Wer da die Binde um den Arm hatte, war mir nicht wichtig.
Morgenpost Online: Waren Sie schon mal Kapitän?
Müller: Ja, ein Jahr lang. In der C-Jugend.
Morgenpost Online: Und wie war das?
Müller: Na ja, ich musste immer einteilen, wer die Kisten mit den Trikots trägt. Da habe ich mir hin und wieder den Unmut der Mitspieler zugezogen. Ansonsten war das nichts Besonderes.
Morgenpost Online: Haben Sie den „Goldenen Schuh“ für den besten WM-Torschützen schon erhalten?
Müller: Die Verleihung des Preises ist erst Ende des Jahres.
Morgenpost Online: Gibt es daheim schon einen Platz für ihn?
Müller: Nein, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Zumal mir der Titel wichtiger als das Metallstück ist.
Morgenpost Online: Was hat sich denn für Sie durch den Titel und die WM verändert?
Müller: Das Leben in der Öffentlichkeit. Es ist ein bisschen schwieriger geworden, weil ich fast immer und überall erkannt werde. Insgesamt ist die Veränderung aber positiv, denn die Menschen sind bis auf wenige Ausnahmen stets herzlich zu mir, wenn sie mich ansprechen. Ich versuche das alles sehr locker zu nehmen. Obwohl es nicht immer einfach ist und ich mittlerweile viel mehr Termine habe.
Morgenpost Online: Ihre Karriere ist wie ein Raketenstart verlaufen. Empfinden Sie das auch so?
Müller: Wenn ich zurückblicke, frage ich manchmal schon, ob es viele Spieler gibt, bei denen es genau so schnell gegangen ist. Ich selber merke gar nicht, dass es so rasant geht. Aber ich freue mich, dass es so ist, wie es ist, und versuche, alles dafür zu tun, dass meine Entwicklung so weiter geht.
Morgenpost Online: Wenn Sie von vielen Terminen reden: Wie schwierig ist es, allen Anfragen und Wünschen gerecht zu werden?
Müller: Ich weiß nicht, wie viele es gab. Das läuft über meinen Berater. Gerade direkt nach der WM hat er viel abgeblockt, sonst hätte ich nichts von meinem Urlaub gehabt. Ich bin Fußballprofi und brauchte Ruhe, um gewisse Dinge mal auszublenden. Ich denke, das war und ist sehr wichtig.
Morgenpost Online: Es gibt Anfragen aus der Werbebranche. Lassen Sie diese von Ihrem Berater sondieren oder sagen Sie, „das mache ich, das mache ich nicht“?
Müller: Das geschieht in Abstimmung mit meinem Management. Da gibt es Profis, die wissen, was zu mir passt. Allerdings ist es so, dass die letzte Entscheidung natürlich von mir getroffen wird.
Morgenpost Online: Es heißt, dass Müller-Milch angefragt hat.
Müller (lacht): Das liegt auf der Hand. Aber es ist bislang mit keinem potenziellen Werbepartner etwas fix gemacht worden. Wir sind gerade dabei, alles zu sondieren und den Markt zu beobachten.
Morgenpost Online: Im Gegensatz zu vielen Ihrer Berufskollegen haben Sie noch nicht einmal eine eigene Internetseite.
Müller: Da sehen Sie mal. Die Sache ist zwar in Arbeit, aber ein Internetauftritt hat für mich nicht die absolute Priorität. Mir ist jetzt wichtig, dass wir am Freitag gegen Belgien gewinnen und am Dienstag gegen Aserbaidschan.
Morgenpost Online: Mussten Sie durch das gesteigerte Interesse an Ihrer Person lernen, auch mal Nein zu sagen?
Müller: Ja, klar. Wenn ich mit meiner Frau oder Freunden unterwegs bin, passiert hin und wieder schon mal, dass ich darum bitte, meine Privatsphäre zu akzeptieren. Aber das kommt ganz selten vor. Grundsätzlich versuche ich, den Menschen gerecht zu werden und ihnen einen Gefallen zu tun. Manchmal muss ich aber auch Nein sagen, um mich nicht ganz aufzugeben.
Morgenpost Online: Wie hat es denn auf Sie gewirkt, als Sie plötzlich in einer Zeitung das Foto von einem Leser gesehen haben, der Sie bei einer Polizeikontrolle abgelichtet hat?
Müller: So etwas ist Neuland für mich. Ich habe mich natürlich gefragt, was der Leser davon hat. Die Sache hat mich schon etwas stutzig gemacht. Aber die Welt ist offenbar so. Manchmal kann ich da nur mit dem Kopf schütteln.
Morgenpost Online: Gehen Sie mittlerweile etwas vorsichtiger durch das Leben?
Müller: Ein wenig vielleicht. Aber das größte Interesse gilt ja dem Fußballspieler Thomas Müller. Mein Freundeskreis hat sich jedenfalls nicht verändert.
Morgenpost Online: Sami Khedira und Mesut Özil sind nach der WM zu Real Madrid gewechselt. Haben Sie mal über einen Wechsel nachgedacht?
Müller: Nein. Aus sportlicher Sicht habe ich beim FC Bayern alles, was ich will. Ich habe einen Trainer (Louis van Gaal – d. R.), der auf mich baut. Ich kenne das Umfeld. Die Mannschaft ist jung und hat noch viel Potenzial. Bei den Bayern ist alles perfekt.
Morgenpost Online: Könnte es für Sie ein strategisches Ziel sein zu sagen, „für immer FC?Bayern“?
Müller: Mir geht es darum, dass ich als Fußballprofi für immer auf einem Niveau wie beim FC Bayern spielen möchte. Und das ist schon nicht so einfach. Aber wie gesagt: Beim FC Bayern kriege ich alles geboten.





