Sie ließen die Köpfe hängen und schlichen über den Rasen. Die deutschen Nationalspieler wussten, dass sie den Sieg verschenkt hatten. Trotz 2:0-Führung kam die Auswahl beim Länderspiel in Dänemark nicht über ein 2:2 (1:0) hinaus. Drei Wochen vor Beginn der Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine wurde deutlich, dass die Reservisten allein es nicht richten können. „Wir hätten das ein oder andere mehr machen können. Das 2:2 war ein blödes Ding“, sagte Torwart Tim Wiese. Bundestrtainer Joachim Löw war trotzdem zufrieden: "Ich habe gute Ansätze gesehen. Es war viel Unterhaltung im Spiel, die Mannschaft war gut organisiert und hatte einige Chancen."

Die Gastgeber hatten sich alle Mühe gegeben, der Veranstaltung zumindest einen Hauch von Länderspiel-Glamour zu verleihen. Die Mannschaften sangen die Nationalhymnen auf einem roten Teppich stehend, vor den Spielern verkündete eine extra angefertigte Bande die genaue Spielpaarung: Danmark – Tyskland. Keine schlechte Idee, denn nach Anpfiff musste man schon genau hinschauen: Waren die Spieler in weiß wirklich die deutsche Mannschaft, die vor einem Monat bei der Weltmeisterschaft in Südafrika für Furore gesorgt hatte?

Natürlich war sie es nicht. Mit Jerome Boateng befand sich nur ein einziger Spieler in der Startformation, der regelmäßig beim Weltturnier zum Einsatz kam. Der Rest war eine Mischung aus Halbvergessenen, Wiederberufenen und WM-Bankdrückern. Sieben der 23 WM-Spieler hatte Löw nominiert, neben Boateng war allerdings Torwart Manuel Neuer der einzige, der in Südafrika signifikante Spielzeiten bekam. Dem war allerdings nicht so, der Bremer Wiese hütete 90 Minuten lang das deutsche Tor, während Neuer – durchaus ungewöhnlich – auf der Reservebank Platz nahm, die im Kopenhagener Parken-Stadion zunächst auf die Haupttribüne verlegt wurde. Die Stühle am Spielfeldrand waren vom Regen so durchnässt, dass komfortables Sitzen dort in der ersten Halbzeit nicht gewährleistet war.

Aber was hätte Bundestrainer Joachim Löw auch groß an der Seitenlinie herumhampeln sollen? Die sportliche Bedeutung des Spieles tendierte trotz aller gegenteiliger Behauptungen seitens der DFB-Verantwortlichen gen null, was sich auch am Zuschauerzuspruch zeigte. Die Neugierde am WM-Dritten hielt sich in Kopenhagen arg in Grenzen, mehr als die Hälfte der 42.000 Plätze blieb unbesetzt. Und als Löw gen Ende der ersten Halbzeit tatsächlich einmal den Drang verspürte, seiner Mannschaft wegen der bis dato etwas laxen Einstellung die Leviten lesen zu müssen, stürmte er die wenigen Treppenstufen hinunter und erklomm einen kleinen Hocker, der hinter der Werbebande stand. Das sorgte für Erheiterung. Zu diesem Zeitpunkt führte seine Mannschaft bereits mit 1:0, was allerdings keineswegs Ausdruck der spielerischen Überlegenheit war. Vielmehr hatte nach 18 Minuten ein Pass in die Spitze von Thomas Hitzlsperger seinen ursprünglich angedachten Adressaten verfehlt und war stattdessen zu Mario Gomez durchgerauscht. Der Münchner Stürmer, der in Südafrika nur zu vier Kurzeinsätzen gekommen war, schob den Ball zur deutschen Führung ins rechte untere Eck. Das 1:0 hatte auch zur Pause Bestand, weil Wiese kurz vor dem Halbzeitpfiff gleich zweimal gegen den Dänen Dennis Rommedahl klärte.

Auch nach dem Seitenwechsel stand der deutsche Torwart öfter im Mittelpunkt, als dem Bundestrainer lieb war. Während er einen Schuss von Nicklas Pedersen noch parieren konnte (47.), hätte er gegen Daniel Agger keine Chance gehabt – der Abwehrmann jagte den Ball aus Nahdistanz an den rechten Pfosten (56.). Endgültig machtlos war der Schlussmann in der 74. Minute, als Rommedahl nach einem katastrophalen Fehlpass von Serdar Tasci aus 18 Metern traf. Allerdings hatte Patrick Helmes eine Minute zuvor das 2:0 für Deutschland markiert.

Man merkte der Mannschaft an, dass sie in dieser Formation noch nie zusammengespielt hat und wohl auch nie wieder zusammenspielen wird. Wenn es am 3. September wieder ernst wird und mit dem Spiel in Belgien die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 beginnt, wird Joachim Löw wieder auf das Gros der WM-Fahrer zurückgreifen können.

sid/jr