Morgenpost Online: Der 1. FC Nürnberg hat zwei Nachwuchsspieler ausgeliehen. Das sind die einzigen Ausgaben, die in diesem Sommer getätigt wurden. Eine bewusste Entscheidung gegen den Trend?
Martin Bader: Nein. Wenn ich 24 Millionen Euro zur Verfügung gehabt hätte, hätte ich die auch liebend gern für einen Arjen Robben ausgegeben. Leider hat der 1. FC Nürnberg nicht so viel Geld, das Zweitliga-Jahr hat Spuren hinterlassen. Darum mussten wir einen anderen Weg gehen, eine andere Nische besetzen.
Morgenpost Online: Welche Nische?
Bader: Erfahrene Spieler mit jungen Talenten zu kombinieren. Nürnberg ist jung und deutsch geworden. Diesen Weg wollen wir konsequent weiterverfolgen.
Morgenpost Online: Nach zwei Punkten aus vier Spielen ist der Club 17. der Tabellen. Andere Vereine verpflichten in solcher Situation neue Spieler.
Bader: Unser Tabellenplatz macht uns überhaupt nicht nervös. Wenn wir jetzt hektisch Transfers machen würden, hätten wir unsere Hausaufgaben schlecht gemacht. Im Winter haben wir uns bereits mit fünf Zugängen auf die Erste Liga vorbereitet. Nach dem Abstieg vor einem Jahr haben wir 14 Spieler ausgetauscht. Es hat sich also einiges getan bei uns in den vergangenen zwölf Monaten. Darum mussten wir in diesem Sommer nicht in Aktionismus verfallen.
Morgenpost Online: Wie erklären Sie den Transferrekord, den die Bundesliga nun aufgestellt hat?
Bader: Das liegt vor allem daran, dass der FC Bayern nach der vergangenen, durchwachsenen Saison von der eigenen Philosophie ausgeschert ist und nun mit den Wölfen heult. Vor zwei Jahren hieß es noch, man würde dieses Transfergebaren nicht mitmachen. Nun haben sie stark investiert. Uli Hoeneß will sich offenbar nicht als Vierter von seinem Managerposten verabschieden.
Morgenpost Online: Ist die Entwicklung zu höheren Transferausgaben gesund für die Liga?
Bader: Ja, es ist ein guter Trend. Denn wenn man sich die Investitionen differenziert betrachtet, ist frisches Geld in den Kreislauf gekommen. Die 35 Millionen Euro, die der FC Bayern in Mario Gomez investiert hat, wurden vorher erwirtschaftet und nun in den Markt gepumpt. Ein weiterer Vorteil: Gomez bleibt in der Liga, genau wie Lukas Podolski, der ja sicher auch nach England statt nach Köln hätte wechseln können. Darüber kann sich doch jeder nur freuen, denn es hilft jedem in der Liga.
Morgenpost Online: Inwiefern?
Bader: Die Zuschauer wollen solche Spieler sehen, deswegen kommen sie in die Stadien. Darum kann ich die Moralapostel, die aufgrund der Summen die Zeigefinger heben, nicht verstehen. Das ist gesundes Geld. Gefährlich wird es nur, wenn wie in England windige Investoren die Liga mit Geld fluten und der Markt überhitzt. Dann kostet plötzlich jeder Spieler mindestens fünf Millionen Euro, und die kleineren Vereine können sich keine Zugänge mehr leisten. Dieses Szenario sehe ich in der Bundesliga allerdings überhaupt nicht.





