Vier Tage nach der 1:2-Niederlage in der Champions League bei Bayern München hat Manchester United auch im Kampf um die englische Fußball-Meisterschaft einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Der Titelverteidiger verlor das Spitzenspiel des 33. Spieltages am heimischen Old Trafford gegen den FC Chelsea mit 1:2 (0:1) und damit auch die Tabellenführung an seinen Bezwinger. Mit 74 Punkten führen die „Blues“, bei denen der deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack in der 82. Minute für den Portugiesen Deco aufs Feld kam, nach den Treffern von Joe Cole (20.) und des wegen Knieproblemen erst kurz zuvor eingewechselten Torjäger Didier Drogba (79.) fünf Spieltage vor dem Saisonschluss mit zwei Punkten vor ManU. Einen weiteren Zähler zurück folgt der FC Arsenal (1:0 gegen Wolverhampton Wanderers) auf Rang drei.

„Chelsea ist jetzt Favorit, ganz klar. Wir werden nochmal zurückommen, da bin ich sicher, aber selbst wenn wir alle restlichen Spiele gewinnen, reicht es für uns nicht mehr, wenn Chelsea das auch schafft“, kommentierte Manchesters Trainer Sir Alex Ferguson die misslungene Generalprobe für das Champions-League-Rückspiel gegen München und haderte mit den Schiedsrichtern wegen Drogbas vermeintlicher Abseitsstellung beim Siegtor: „Bei einem Spiel von solch großer Bedeutung müssen die Unparteiischen gute Qualität haben. Das war aber eine armselige Vorstellung.“

Fergusons Gegenspieler Carlo Ancelotti warnte unterdessen seine Mannschaft, die in der Schlussphase nur noch Manchesters Anschlusstor durch Federico Macheda (81.) erlaubte, vor verfrühten Titelträumen. „In Old Trafford zu gewinnen, ist nicht leicht, wir haben eine guten Job gemacht. Aber trotz des wichtigen Erfolgs ist noch gar nichts entschieden. Wir müssen weiter aufpassen und konzentriert sein“, sagte der Italiener.

Gleichwohl darf Chelsea, das in Manchester auf Michael Essien, Ashley Cole, Ricardo Carvalho, Jose Bosingwa und Branislav Ivanovic verzichten musste, verstärkt von seiner vierten Meisterschaft und dem ersten Titel seit 2006 träumen.

Ancelotti hatte schon vor der Begegnung prophezeit, dass Manchester Rooneys Ausfall nicht kompensieren könne. Der englische Nationalspieler, der in dieser Saison bereits 34-mal traf, hatte sich im Spiel in München eine Knöchelverletzung zugezogen und wird noch rund zwei bis drei Wochen ausfallen. Chelseas Coach sollte mit seiner Prognose Recht behalten. Dem letztjährigen Champions-League-Finalisten Manchester fehlte im Angriff die Durchschlagskraft, die zündende Idee.

Die hatte auch Rooney-Ersatz Dimitar Berbatow nicht. Der Ex-Leverkusener, der am vergangenen Wochenende beim 4:0 von Manu bei den Bolton Wanderers noch zweimal getroffen hatte, blieb über weite Strecken blass, verfehlte allerdings in der 60. Minute bei seiner wohl besten Chance per Kopf das Tor nur knapp.

sid/jr