Schwacher Start, starkes Rennen, große Show: "Das war nicht perfekt, aber gut genug", sagte Usain Bolt nach seinen 9,79 Sekunden über 100 Meter im Regen und Gegenwind (0,2 Meter/Sekunde) von Paris, wo ihn 46.500 Zuschauer im Stade de France feierten. Seinen Trainingskollegen Daniel Bailey (Antigua/9,91) und Yohan Blake (Jamaika/9,93) ließ der dreifache Olympiasieger keine Chance.

Trotz erneut lahmen Starts hatte der Jamaikaner zur Halbzeit die Konkurrenz überholt und im Ziel eine klare Antwort auf die eine Woche alten 9,77 Sekunden von Dreifach-Weltmeister Tyson Gay (USA) gegeben. "Bei der Leichtathletik-WM in Berlin will ich der Welt zeigen, dass meine Leistungen des Vorjahres kein Witz waren", sagte Bolt, der 2008 in Peking jeweils Olympiagold und die Weltrekorde über 100 (9,69), 200 (19,30) und 4x100 Meter (37,10) geholt hatte.

Zwar kommt er ab 15. August weder über 100 noch über 200 Meter als Weltranglisten-Erster ins Berliner Olympiastadion, doch fürchten muss er sich deshalb vor dem wieder erstarkten Gay nicht. "Ich bin erst bei 85 Prozent. Vor allem am Start muss ich noch arbeiten. Beim Lauf hatte ich dann das Gefühl, ich fliege", sagte der 22-Jährige. Die 100-Meter-Generalprobe plant Bolt am 25. Juli in London.

Gay, der bei seinen beiden schnellsten Rennen Top-Bedingungen hatte, führt die Jahres-Weltbestenlisten mit 9,77 und 19,58 Sekunden an. Bolt liegt mit 9,79 und 19,59 jeweils knapp dahinter. Allerdings musste er stets mit Regen und Gegenwind kämpfen. "Ich bin unter allen Bedingungen bereit."

Richards löst Koch ab

Neben Bolt stand das Jackpot-Rennen in Paris, der vierten von sechs Stationen der Golden League, im Blickpunkt. Vier Wochen vor dem WM-Auftakt blieben die vier Anwärter Kenenisa Bekele (Äthiopien/3000-Meter-Sieger in 7:28,64 Minuten), Kerron Stewart (Jamaika/100-Meter-Erfolg in 10,99 Sekunden), Jelena Isinbajewa (Russland/Stab-Siegerin mit 4,65 Meter) und Sanya Richards (USA/400-Meter-Siegerin in 49,34 Sekunden) im Rennen um die Dollar-Millionen. Das Quartett benötigt jetzt noch Erfolge in Zürich (28. August) und Brüssel (4. September).

Richards übernahm mit dem 37. 400-Meter-Lauf ihrer Karriere unter 50 Sekunden die Bestmarke von Weltrekordlerin Marita Koch, die 36 geschafft hatte. Koch reagierte gelassen: "Das kann man nicht vergleichen. Heute gibt es viel mehr Wettkämpfe als früher. Da bekommt man die Zahl schneller zusammen." Obwohl Richards seit 2005 am Jahresende stets die schnellste Viertelmeilerin war, läuft sie bislang vergeblich einem großen Einzeltitel hinterher. Den will sie in Berlin holen und baut dabei auf die Unterstützung ihres Verlobten Aaron Ross, der bei den New York Giants in der NFL American Football spielt. In Paris beflügelte er sie mit einem Überraschungsbesuch.

Die deutschen Athleten hatten im WM-Stadion von 2003 nichts zu bestellen. Zwar wurde Stabhochspringer Malte Mohr (Leverkusen) mit 9000 Dollar belohnter Dritter, doch 5,45 Meter waren trotz schwieriger Windbedingungen schwach. Nur auf Rang acht (5,30) kam Björn Otto (Dormagen). Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Anna Battke (Mainz) blieben ohne Höhe. Sechster wurde beim Speerwurf-Erfolg von Olympiasieger Andreas Thorkildsen (Norwegen/ 88,03) Mark Frank (81,73/Rostock). Hochspringerin Ariane Friedrich (Frankfurt) verzichtete auf einen Start. Es gewann Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien/1,99).