WM-Kolumne

WM-Maskottchen Zakumi sorgt für Ärger am Kap

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Paul M. Schumacher

Foto: AFP

Die vierte Phase des WM-Ticketverkaufs hat gerade begonnen, die meisten Schwarzafrikaner werden sicher wieder außen vor bleiben. In Südafrika gibt es hingegen Ärger um das lustige Plüschtier Zakumi, das unter unwürdigen Bedingungen in China gefertigt wird und sogar in der Politik Querelen sorgt.

Katzenjammer am Kap – und dabei steigt das große Fest, die erste WM auf dem Kontinent, schon in vier Monaten. Trotzdem hat landauf, landab das große afrikanische Wehklagen begonnen.

Alles wird zu teuer, die Baukosten, Übernachtungs-, Restaurant- und Flugpreise. Und überhaupt, die Verfügbarkeit von Eintrittskarten und ihre Preise.

Gerade wurde das vierte „Ticket Fenster“ (Fifa-Jargon) eröffnet. 400.000 Karten werden nun in den nächsten zwei Monaten zum Verkauf angeboten. Die besten Aussichten hat man auch diesmal wieder im Internet. Die allermeisten Schwarzafrikaner werden also weiterhin keine Chance haben.

In den Hütten außerhalb der Städte ist gerade mal das Handy angekommen. Häufig gibt es auch nur einen verrosteten Container oder einen Verschlag, wo ein Geschäftstüchtiger die Dinger teuer vermietet. Kein Wunder, dass der Ticketverkauf in ganz Afrika so schleppend verläuft.

Vergangenen Mittwoch hat das hiesige Frühstückfernsehen wortreich und mit vielen Experten erklärt, dass man für die Karten bei Antrag bezahlen muss, wie man – wenn erfolgreich – benachrichtigt wird und dass noch immer nicht feststeht, wo die wertvollen Billets abgeholt werden müssen.

Kurzum, liebe Leser, ich gebe zu, dass ich das System noch immer nicht verstanden habe. Und so geht es den meisten Fußballfans hierzulande, die sonst einige Stunden vor dem Spiel in einen Tante Emma-Laden (genannt und ausgesprochen: „Käffi“) gehen und sich ein Ticket kaufen. So einfach kann das sein.

Auch wird vielen Südafrikanern jetzt erst klar, wie wasserdicht die abgeschlossenen Verträge mit der Fifa sind. Knallhart sind nicht nur die Werbebeschränkungen, denen sich alle Austragungsstädte unterworfen haben. Auch Journalisten, die über die WM berichten, müssen sich und ihre Auftraggeber bei der Akkreditierung verpflichten, die „Fifa nicht in Misskredit zu bringen“.

In der gerade 16 Jahre jungen Demokratie Südafrika, mit einer der besten Verfassungen der Welt, tut man sich schwer mit dieser Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit. Jetzt soll ein gemeinsamer Protestbrief aller Chefredakteure die Verärgerung zumindest aktenkundig machen.

Ein ausgewachsener Skandal entwickelt sich derzeit rund um ein putziges Plüschtier, das WM-Maskottchen Zakumi. Mit Rastafrisur und leopardenmäßig gepunktet. Die Herstellung der Stofftiere ist angelaufen – in einer Fabrik in Shanghai und unter Bedingungen, die von südafrikanischen Gewerkschaftern als „vergleichbar mit frühkapitalistischem Ausbeutertum“ kritisiert werden. Mehr als 500 Arbeiter verdienen in 13-Stunden-Schichten angeblich rund zwei Euro am Tag, Zakumi wird um die 30 Euro kosten.

Am Geschäft beteiligt ist ein Vermittler mit besten Politikbeziehungen. Der erfolgreiche chinesisch-südafrikanische Geschäftsmann Shiaan-Bin Huang sitzt für die regierende ANC Partei im Parlament. Pikant ist auch, dass Südafrikas Regierungspartei von Anfang an in einer ‚Allianz’ regiert hat, mit dem größten Gewerkschaftsbund und der Kommunistischen Partei. Diese Genossen waren zunächst sprachlos und sind jetzt stinksauer.

Im parlamentarischen Wirtschaftsausschuss, wo Herr Huang angesehenes Mitglied ist, hatten die Arbeitervertreter nämlich erst vor kurzem gefordert, man müsse die rasch ansteigenden, chinesischen Textileinfuhren umgehend stoppen. „Es haut uns völlig um, dass jetzt Zakumi unter solchen Umständen in China gemacht wird“, so der Gewerkschaftssprecher.

Paul M. Schumacher hat über 20 Jahre als Korrespondent aus Afrika für den „Spiegel“ berichtet. Er lebt heute auf seiner Weinfarm bei Kapstadt.