Für viele war es das erste Aufeinandertreffen seit Monaten. Einige hatten sich seit dem Saisonfinale in Abu Dhabi nicht mehr gesehen. Und dem entsprechend kommunikativ war die Stimmung denn auch, bei der großen Präsentation des neuen Silberpfeil-Teams im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum.

Da wurde der neueste Klatsch ausgetauscht. Über die Formel 1 und ihre Protagonisten, über das Privatleben großer Stars und das Verhältnis von Managern und ihren langjährigen Klienten.

Jüngstes Gerücht und so gut wie fix: Nick Heidfeld soll neuer Silberpfeil-Testfahrer werden.

Natürlich hatten auch dieses Mal die ewig Gestrigen wieder etwas auszusetzen. Von Elitebehandlung wurde da gesprochen, weil die Organisatoren nur 200 Journalisten Zugang in das Museum gewährt hatten. Dass diese Regulierung nichts mit elitärer Bevorzugung, sondern schlicht mit Platzmangel und dem Bestreben, auch eigenen bewährten Mitarbeitern die Möglichkeit des Live-Erlebnisses einzuräumen zu tun hatte, wurde leicht übersehen.

Genauso, wie oft zwei wichtige, von Daimler-Chefs Zetsche angemerkte Kernargumente für das Formel-1-Engagement gern übersehen werden: Nur ein 70stel des gesamten Forschungs- und Entwicklungsetats der Daimler AG wandert in die Formel 1. Und durch den massiven Imagegewinn für die Marke Mercedes-Benz über die internationale Plattform Formel 1 werden weltweit nachgewiesenermaßen mehr Autos verkauft. Wer mehr Autos verkauft, der schafft Arbeitsplätze.

Zu seiner neuen Anstellung besonders locker angetreten ist Michael Schumacher. Der siebenmalige Champion wirkte mehr als tiefenentspannt im Rahmen der kurzweiligen Präsentation in Stuttgart. Dass am Montag besonders Ross Brawn über das Comeback des Mannes freudig strahlte, ist nicht verwunderlich. Er hat mit Schumacher sieben Titel erkämpft.

Eine Frage der Ehre ist die Zuteilung der niedrigeren Startnummer drei. Auch, wenn viele Journalisten schon wieder über den dadurch klar symbolisierten Nummer-eins-Faktor im Team für den Mann aus Kerpen unken.

Jeder, der den Motorsport liebt, kann derzeit nur mit Hochachtung nach Stuttgart blicken. Nicht nur, dass mit Mercedes, Schumacher und Nico Rosberg Deutschland in der Formel 1 vertreten bleibt, auch die Art und Weise der Präsentation der neuen Silberpfeil-Mannschaft hat überzeugt.

Peter Lauterbach (33) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.