Julius Brink hatte sich die große Champagnerflasche bis zuletzt aufgehoben. Als alle anderen Medaillengewinner des German Masters vor dem Hauptbahnhof den edlen Schaumwein bereits verspritzt hatten, schüttelte Brink die Flasche, öffnete sie dann vorsichtig und goss den Inhalt genüsslich über den Kopf seines Partners Jonas Reckermann. Der rächte sich umgehend mit dem Wasser aus dem Blumeneimer. Wenig später lag sich das Beachvolleyball-Duo aus Leverkusen und Köln zum wiederholten Mal in den Armen. „Wir sind einfach überglücklich“, jubilierte Brink.
Zweimal hatten sich Brink/Reckermann bislang auf der Europatour mit Silber zufrieden geben müssen, am Sonntag dann feierten sie den lang ersehnten ersten Sieg. In einem dramatischen Finale kämpften die europäischen Ranglisten-Ersten die Schweizer Patrick Heuscher/Sascha Heyer 2:1 (21:16, 26:28, 15:13) nieder und kassierten für ihren Triumph eine Prämie von 11.000 Euro. Bronze sicherten sich David Klemperer/Eric Koreng. „Hier beim Heimturnier ganz oben zu stehen, das ist einmalig“, sagte Reckermann, der seit dieser Saison mit Brink zusammenspielt, „das sind die Gefühle, für die man Leistungssport betreibt“.
Mit dem Erfolg von Brink/Reckermann, die erst ihren siebten Matchball verwandeln konnten, wurden die deutschen Sand-Festspiele auf dem Washingtonplatz perfekt, denn auch bei den Frauen gab es einen deutschen Sieg. Die Berlinerinnen Sara Goller und Laura Ludwig mussten dafür am Finaltag jedoch kaum mehr etwas tun, das Duo von Hertha BSC errang kampflos die Goldmedaille.
Sara Goller und Laura Ludwig traten dennoch an
Am Morgen hatten ihre Gegnerinnen Katrin Holtwick und Ilka Semmler ihre Endspielteilnahme verletzungsbedingt absagen müssen. Semmler plagte eine Sehnenreizung im linken Knie so sehr, dass sie passen musste. Um die 3500 Zuschauer aber nicht zu enttäuschen, traten Ludwig, Goller und Holtwick mit der Potsdamerin Steffi Pohl zu einem Showmatch mit kuriosen Ballwechseln an.
„Ilka wurde am Morgen von der medizinischen Abteilung untersucht und die Ärzte haben ihr von einem Einsatz abgeraten“, erklärte der Trainer der Berlinerinnen, Andreas Künkler. Immerhin stehen in der kommenden Woche die Weltmeisterschaften in Stavanger/Norwegen an, wo Holtwick/Semmler am Samstag ihre erste Partie bestreiten müssen. „Ich bin zuversichtlich, dass ich bis dahin wieder fit bin“, sagte Ilka Semmler, „ich bin auf einem guten Weg und gehe die Sache mit positiven Gedanken an.“
Die Siegerinnen des Masters zeigten Verständnis für den Startverzicht, waren aber dennoch traurig. „Wir hätten gerne das Finale gerade hier in Berlin gegen die Beiden gespielt, es wäre sicher ein Höhepunkt für die Beachvolleyballfans geworden“, sagte Laura Ludwig, die mit Sara Goller durch den Turniererfolg in der europäischen Rangliste Holtwick/Semmler von der Spitze verdrängten.
Siege bei den Frauen und Männern, dazu kommen ein zweiter und ein dritter Platz, mehr geht aus deutscher Sicht fast nicht. Und so strahlte denn auch der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), Werner von Moltke, anschließend über das ganze Gesicht. „Die Stimmung in Berlin war klasse, das ganze Turnier ein großer Erfolg“, freute er sich und verriet die Pläne des DVV. „Im nächsten Jahr wollen wir die Europameisterschaft nach Berlin auf den Schlossplatz holen, und ein Jahr später soll in der Hauptstadt dann wieder ein Turnier der Weltserie stattfinden“, sagte von Moltke: „Berlin ist die Beachvolleyball-Hochburg in Deutschland.“





