Hertha BSC steht mit einem Bein in der 2. Liga. Das Tabellenschlusslicht der Fußball-Bundesliga kam am 31. Spieltag trotz zweimaliger Führung nicht über ein 2:2 (2:1) bei Eintracht Frankfurt hinaus und hat kaum noch Chancen auf den Klassenerhalt. Bei nur noch drei ausstehenden Partien haben die Berliner fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz.

„Die Enttäuschung ist groß. Wir wollten das Spiel hier gewinnen und wir hätten gewinnen können“, sagte Herthas Sportdirektor Michael Preetz: „Wir brauchten hier drei Punkte, es ist nur einer geworden. Deshalb wird es jetzt natürlich unheimlich schwer.“

Der Serbe Gojko Kacar (17.) und der überragende Brasilianer Raffael (42.) erzielten bei der Rückkehr des Berliner Trainers Friedhelm Funkel an die alte Wirkungsstätte die Treffer für die Hertha. Der Österreicher Ümit Korkmaz (37.) und Marco Russ (63.) trafen für die Frankfurter, bei denen Pirmin Schwegler einen Strafstoß nicht verwandeln konnte (42.).

Trotz des schweren Restprogramms gibt Hertha-Trainer Friedhelm Funkel die Hoffnung auf den Klassenerhalt nicht auf: „In den nächsten drei Spielen ist auch was möglich. Egal ob es gegen Bayern, Schalke oder Leverkusen geht. Dass wir die schlechtesten Karten haben, darüber brauchen wir nicht zu reden. Die Mannschaft ist zu 100 Prozent intakt.“

Eintracht-Coach Michael Skibbe konnte mit dem Punktgewinn gegen die Berliner leben. „Ich bin der Meinung, dass wir eine gutklassige Partie gesehen haben. Es gab viele gute Tormöglichkeiten hüben wie drüben. Am Ende kann ich noch nicht einmal sagen, welche Mannschaft dem Sieg näher war. Ich bin jedenfalls zufrieden damit, dass wir nicht verloren haben.“

Vor 49.800 Zuschauern dominierten die Frankfurter in der Anfangsphase die Partie. Die Gäste aus der Hauptstadt konzentrierten sich zunächst auf die Defensive und wollten mit Kontern zum Erfolg kommen. Die ersten guten Tormöglichkeiten konnten sich aber die Gastgeber erarbeiten. Der Brasilianer Caio und Spielmacher Alexander Meier scheiterten jeweils am Berliner Torwart Jaroslav Drobny (12./14.).

Die Schwächen der Hessen bei der Chancenverwertung rächten sich bereits kurz darauf. Nach guter Vorarbeit der Brasilianer Raffael und Cicero erzielte Kacar per Kopf sein drittes Saisontor für die Hertha. Frankfurts Torwart Oka Nikolov war in seinem 200. Bundesliga-Spiel bei dem Gegentor aus kurzer Distanz machtlos.

Die Frankfurter, die ohne die verletzten Sebastian Jung, Christoph Spycher, Aleksandar Vasoski, Zlatan Bajramovic, Selim Teber sowie Ioannis Amanatidis (Trainingsrückstand) auskommen mussten, waren durch den Rückstand spürbar geschockt. Obwohl die Eintracht ihre spielerische Linie verloren hatte, hätte Halil Altintop dennoch für den Ausgleich sorgen können. Der Angreifer scheiterte aber erneut an Drobny (29.). Besser machte es Korkmaz, der zum ersten Mal in der laufenden Saison traf.

Gegen Ende der ersten Hälfte überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst schoss Schwegler einen Foulelfmeter über das Tor. Zuvor hatte Nationalspieler Arne Friedrich seinen Gegenspieler Caio gefoult. Im Gegenzug markierte Raffael, der durch seine Handverletzung nicht beeinträchtigt wurde, sein sechstes Saisontor.

In den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel verteidigten die Berliner geschickt ihre Führung gegen die ideenlos spielenden Frankfurter. Der Kopfballtreffer von Innenverteidiger Russ, der zum vierten Mal in der laufenden Spielzeit traf, fiel nach einem Freistoß und war zu diesem Zeitpunkt etwas schmeichelhaft. Im Anschluss drängte Frankfurt auf den Sieg, der Hertha boten sich gute Konterchancen.

Gegentor kurz vor Schluss schockt den BVB

Zwei verletzte Stammspieler und ein Eigentor: Borussia Dortmund erlebte beim geplanten Sprung auf einen Champions-League-Platz einen ganz bitteren Nachmittag. Beim 1:1 (0:0) gegen 1899 Hoffenheim traf Vedad Ibisevic kurz vor dem Abpfiff für die Gäste und versetzte das Tollhaus Dortmund mit seinem Missgeschick in einen kollektiven Schock. „Es fühlt sich ungerecht an. Die Stimmung in der Kabine ist dem Spielausgang entsprechend“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Durch das späte Gegentor verpasste der BVB nicht nur die Chance, aus eigener Kraft die Qualifikation zur europäischen Königsklasse zu erreichen. Mit dem Unentschieden rutschte die Borussia (53 Punkte) auf den fünften Tabellenplatz ab und spürt im Kampf um die internationalen Plätze den Atem der Verfolger. Der VfB Stuttgart (50) hat als Tabellensechster nur noch drei Punkte Rückstand zum BVB, der allerdings dicht hinter Werder Bremen und Bayer Leverkusen (beide 54) liegt.

Klopp ärgerte sich zusätzlich über einen wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannten Treffer von Lucas Barrios: „Wir haben ein wunderschönes Tor gemacht, das nicht gegeben wurde, danach das 1:0 erzielt und sind für den einzig wirklichen Fehler bestraft worden“, so Klopp, der neben dem späten Ausgleich auch noch den Verlust zweier wichtiger Spieler zu beklagen hatte. Nuri Sahin musste wegen eines Nasenbeinbruches schon nach 21 Minuten ausgewechselt werden, nur sieben Minuten später wurde Mohamed Zidan vom Platz getragen. Der Ägypter zog sich ohne Einwirkung des Gegners eine Blessur im rechten Knie zu, es besteht sogar Verdacht auf einen Kreuzbandriss.

Vor 80.100 Zuschauern hatte der eingewechselte Nelson Valdez in der 57. Minute den Führungstreffer des BVB. Beim Ausgleich für die Hoffenheimer, die so die dritte Niederlage in Serie vermieden, schien zunächst ein Eigentor von Mats Hummels zu sein, doch der Innenverteidiger sorgte im Gespräch mit der Bild-Zeitung für Aufklärung. „Im Gegensatz zu Ibisevic war ich nicht am Ball“, sagte der U21-Nationalspieler. Der Bosnier wurde schließlich offiziell als Torschütze geführt.

„Das war das einzige Mal, dass wir gefährlich vors Tor gekommen sind. Deshalb müssen wir froh sein, dass wir den Punkt noch geholt haben“, sagte Hoffenheims Keeper Timo Hildebrand: „Aber mit dem Hurra-Fußball ist es bei uns ja schon lange vorbei.“ Trainer Ralf Rangnick war dagegen zufrieden: „Dass wir nach den letzten Wochen nicht fußballerisch glänzen konnten, war klar. Aber wir sind als Mannschaft aufgetreten und haben uns den Punkt verdient.“

Von der ersten Minute an war die Strategie der Gäste offensichtlich: Aus einer verstärkten Abwehr wollten die Kraichgauer mit Kontern zum Erfolg kommen. Die Borussen taten sich zunächst sehr schwer, ihren Rhythmus zu finden und ihren in den Heimspielen gewohnten Angriffsdruck aufzubauen. Zwar ergaben sich in der Anfangsphase erfolgversprechende Situationen, doch fehlte es an den zündenen Ideen oder der nötigen Konzentration, um den Führungstreffer zu erzielen.

Die zuletzt heftig kritisierten Hoffenheimer tauchten nur sporadisch in der Nähe des Dortmunder Gehäuses auf und agierten zu hausbacken, um die Abwehr vor BVB-Keeper Roman Weidenfeller zu überraschen. Die Überraschung wäre auf der Gegenseite beinahe den Borussen gelungen, als Lucas Barrios freistehend von der Strafraumgrenze das Hoffenheimer Tor nur knapp verfehlte.

Nach den kurzfristigen Wechseln durch die Verletzungen von Sahin und Zidan benötigte Dortmund einige Minuten, um sich neu zu sortierten. Folglich blieben auch in der Folge zwingende Torchancen aus. Zudem präsentierte sich Hildebrand als verlässlicher Rückhalt seines Teams.

Wesentlich aggressiver und torgefährlicher begannen die Borussen, die auf den gelbgesperrten Marcel Schmelzer verzichten mussten, nach dem Wechsel. Aber auch die Gäste gaben ihre Passivität der ersten 45 Miunuten auf und suchten verstärkt den Weg in die Offensive. Doch für die Kraichgauer ging der Schuss nach hinten los, als der für Zidan eingewechselte Valdez nach einer Flanke von Kevin Großkreutz zum 1:0 einköpfte.

In der Schlussphase drängte Hoffenheim auf den Ausgleich, und dem BVB boten sich die Räume zum kontern. Einige vielversprechende Angriffe zur möglichen Vorentscheidung ließen die Schwarz-Gelben jedoch ungenutzt, dann traf Ibisevic.

sid/jr