Die Sportchef-Suche beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ist ein schier endloses Trauerspiel: Es geht um Geld, Macht und Eitelkeiten. Weil Top-Kandidat Nico-Jan Hoogma die Verhandlungen aus finanziellen Gründen für gescheitert erklärt hat, ist jetzt offenbar sein früherer Mannschaftskollege Sergej Barbarez erste Wahl.
Der Nächste, bitte! Der Bosnier hatte sich bereits nach dem Abgang von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer vor elf Monaten (!) als Nachfolger ins Gespräch gebracht. Damals war er jedoch bei seinen Kollegen im zwölfköpfigen Aufsichtsrat, dem er seit Januar 2009 angehört, nicht auf Gegenliebe gestoßen. Mittlerweile scheint das Gremium, das wegen der erfolglosen Suche immer stärker unter Druck gerät, einen Sinneswandel vollzogen zu haben. Offenbar ist der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach. „Ich hatte große Lust, wieder zum HSV zu gehen“, sagte Hoogma dem „Hamburger Abendblatt“. Die Verhandlungen sollen an der Differenz von 100.000 Euro gescheitert sein. Rund 500. 000 Euro soll der einstige HSV-Kapitän, der jetzt Manager des niederländischen Ehrendivisionärs Heracles Almelo ist, gefordert haben. Marktüblich, heißt es.
Während aus der Gerüchteküche dringt, Barbarez sei bereit, den Job auch zu gekürzten Bezügen zu übernehmen, gab sich dieser in der Öffentlichkeit zunächst bockig. „Wenn der Top-Favorit nun abgesprungen ist, heißt das nicht, dass ich automatisch zu Verfügung stehe“, sagte er dem Hörfunksender NDR 90,3. Aufsichtsratsvorsitzender Horst Becker, der die Sportdirektorsuche zur Chefsache erklärt hat, ist die neuerliche Pleite sichtlich peinlich. „Ich habe nichts zu sagen“, sagte der 69 Jahre alte Banker am Mittwochmorgen. Erst nach der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums Anfang kommender Woche will er sich äußern.
So gewinnt die Liste der Misserfolge bei der Fahndung nach einem Beiersdorfer-Nachfolger an Länge: Da war zunächst Ex-Bayern-Profi Oliver Kreuzer, der frustriert absagte, weil er sich als Alibi-Kandidat missbraucht sah; da war Spielerberater Roman Grill, dem wegen befürchteter Verquickung von Geschäftsinteressen und aufgrund öffentlichen Protestes das Mandat verweigert wurde; da war ein offenbar mit dem HSV-Interesse spielender VfB-Stuttgart-Manager Horst Heldt; da war Bernd Wehmeyer, der als HSV-Clubmanager seinen Hut in den Ring geworfen hatte, aber als nicht geeignet klassifiziert wurde; da war und ist DFB-Chef-Scout Urs Siegenthaler, der zwar zum HSV kommt, doch nur die Rolle des Talentesichters und Kaderplaners spielt; da war (oder ist) Ex-HSV-Spieler Stefan Beinlich, mit dem Becker im Kandidaten-Poker auch gesprochen hat – und da ist Barbarez.
Weil der HSV auf sportlicher Ebene das doppelte Lottchen einführt, sprich Sportarbeiter Siegenthaler und Sportchef XY, wird das Geld knapp. Jetzt müssen sich zwei teilen, was ansonsten einer eingesteckt hätte. Da bleibt Aufsichtsratsboss Becker nicht viel Spielraum. So ist verständlich, dass um 100.000 Euro gefeilscht wird. Vielleicht lässt sich der Fehlbetrag beim Salär des neuen Trainer einsparen. Denn auch der wird noch gesucht.
Der Hamburger SV hat sich offenbar für die kommenden vier Jahre die Dienste des niederländischen Nationalspielers Ibrahim Afellay vom PSV Eindhoven gesichert. Die Ablösesumme für den 24 Jahre alten Mittelfeldspieler soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung bei rund neun Millionen Euro liegen. Der Bundesliga-Siebte war schon seit längerer Zeit an einer Verpflichtung von Afellay interessiert. Der Profi marokkanischer Herkunft steht auch im Aufgebot von Bondscoach Bert van Marwijk für die WM-Endrunde in Südafrika. Der HSV wollte den Transfer zunächst noch nicht bestätigen.
dpa/jr




