Was den Fußballern von Hertha BSC Berlin nicht gelungen ist, schafften die Faustkämpfer des Klubs. Das Hauptstadt-Team von Boxring Hertha BSC gewann am letzten Bundesliga-Kampftag 15:9 beim deutsch-dänischen Team Nord in Aarhus und wurde erstmals seit 1996 wieder deutscher Mannschaftsmeister. Damals gehörten spätere Top- Profis wie Sven Ottke, Markus Beyer und Thomas Ulrich zur Staffel.
Titelverteidiger BC Velbert gewann zuhause gegen Motor Babelsberg 16:7, konnte den Punkterückstand auf die Berliner aber nicht verkürzen.
„Das war eine Riesen-Saison von unserer Mannschaft. Die Jungs haben sich voll reingehängt und waren hochmotiviert. Das hat Spaß gemacht“, sagte der am Dienstag 65 Jahre alt gewordene Trainer Adolf Angrick. Die achtstündige Bus-Rückfahrt nach Berlin mit mehreren Pausen war „sehr bewegt – mit Gesang, Trallala und Sektkorken- Knallen“, berichtete Angrick am Sonntag und hoffte: „Wir sind Meister - hoffentlich bekommt das jetzt auch mal jemand mit. Am besten ein Sponsor, der sichert, dass wir auch in der nächsten Saison weitermachen können.“
Allerdings droht dem Liga-Boxen ein Nachspiel. Noch nicht entschieden wurde über einen Protest, den Motor Babelsberg gegen die Wertung des verlorenen Duells mit Hertha BSC vom 15. Februar eingereicht hatte. Damals hatten die Berliner den Athletenpass ihres polnischen Faustkämpfers Marcin Legowski nicht vorlegen können.
„Das ist schon ein Trauerspiel. Der Protest wurde Mitte Februar beim zuständigen Sportgericht eingereicht, und noch immer liegt keine endgültige Entscheidung vor“, sagte Liga-Obmann Hans-Werner Stryak. Inwieweit der Protest Einfluss auf die Abschlusstabelle haben könnte, vermochte auch Stryak nicht zu sagen: „Das muss das Sportgericht entscheiden.“
Stryak, zugleich Vorsitzender beim Velberter BC, konnte mit dem vorläufigen Ergebnis leben. „Wir müssen nicht jedes Jahr deutscher Meister werden“, sagte der Präsident. Seine Faustkämpfer aus dem Bergischen hatten 2003 bis 2008 die Liga dominiert und waren sechsmal in Folge deutscher Meister geworden.
„Ich glaube nicht, dass wir durch den Protest den Titel noch verlieren. Wir sind ein würdiger Meister, schließlich haben wir im Boxring bewiesen, dass wir die Besten sind“, sagte Herthas Trainer Trainer Adolf Angrick.
Die drohende Runde am Grünen Tisch konnte die Freude der Berliner nicht trüben. „Eine tolle Leistung. Ich hoffe, dass wir zusammenbleiben. Natürlich geht das nur, wenn uns die Sponsoren auch in der neuen Saison unterstützen“, sagte Angrick, zu dessen siegreicher Staffel auch Vize-Europameister Jack Culcay-Keth gehört.
sid/dpa/sei


