Morgenpost Online: Wir müssen über die Krise Ihres Klubs reden!

Bernd Hoffmann: Ich hätte tatsächlich lieber über eine komfortablere Ausgangssituation für die letzten sechs Wochen der Saison gesprochen. Aber entscheidend ist, wir haben alles selbst in der Hand.

Morgenpost Online: Dennoch kann einem angst und bange um den HSV werden: zwei Siege aus zehn Spielen, eine desolate Vorstellung bei der Pleite in Gladbach, Ihre Aussage „Das war nicht nur zu wenig, das war weniger als wenig“, der Europa-League-Platz in Gefahr, schließlich die Krisensitzung am Montag.

Hoffmann: Sehen Sie, wir haben am Tag nach einem sehr schlechten Spiel ein offenes, konstruktives Gespräch geführt, wie es überall gemacht wird, wenn es um den richtigen Weg zum Erreichen der Ziele geht. Im Fußball hat das sofort eine andere Dimension, da nennt es sich Krisensitzung.

Morgenpost Online: Handlungsbedarf werden auch Sie gesehen haben?

Hoffmann: Wir haben Gesprächsbedarf gesehen. Die Ergebnisse sprechen in der Tat eine klare Sprache. Weil wir uns vor den entscheidenden sechs Wochen der Saison befinden, war es wichtig, dass sich alle noch mal bewusst werden, in welche Richtung hier gemeinsam gerudert wird.

Morgenpost Online: Sind Sie durchgedrungen?

Hoffmann: Wir sind uns alle bewusst, dass wir noch eine Menge erreichen können. Wir wollen uns zum achten Mal in Folge für den internationalen Wettbewerb qualifizieren, und wir können noch ein Europapokal-Finale erreichen.

Morgenpost Online: Daran wird der Klub gemessen.

Hoffmann: Das sollte er auch. Im Fußball gibt es keine B-Note.

Morgenpost Online: Bekommt die Mannschaft oder eher der Trainer für das bislang Verspielte eine schlechte Note?

Hoffmann: Wir sehen uns als Gesamtteam. Das Spiel am Sonntag in Gladbach hat jeder gesehen. Da kann sich keiner aus der Verantwortung stehlen.

Morgenpost Online: Die Vita ihres Trainers kennzeichnet, dass er eine zeitlang mit seinen Mannschaften richtig gut dasteht, dann aber auch richtig abstürzt. Zuletzt mit Leverkusen. Wiederholt sich Geschichte?

Hoffmann: Fakt ist, dass wir beim HSV seit 23 Jahren Probleme damit haben, etwas zu gewinnen. Es ist also in erster Linie ein Strukturproblem des HSV.

Morgenpost Online: Inwiefern?

Hoffmann: Es ist die Realität beim Hamburger SV, dass wir gute Ausgangspositionen zu selten ins Ziel gebracht haben.

Morgenpost Online: Das ist hinlänglich bekannt. Was sind die Gründe dafür?

Hoffmann: Wir sind offenbar noch nicht stabil genug, um mit 14 Europapokalspielen auf den Schultern bis zum Saisonende auch in der Bundesliga zwangsläufig um die Champions-League-Plätze mitzuspielen. Das kann aktuell in Deutschland dauerhaft nur der FC Bayern München.

Morgenpost Online: Anderen gelingt das doch auch?

Hoffmann: Wem denn? Bayer Leverkusen und der FC Schalke 04 hatten kein einziges Europapokal-Spiel. Die anderen Europapokal-Teilnehmer, also der VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg und Werder Bremen, hatten ebenso ihre Schwierigkeiten wie wir.

Morgenpost Online: Hinter vorgehaltener Hand sagen Spieler, es gäbe einen Bruch zwischen Team und Trainer. Labbadia hat die Unzufriedenen wegen ihrer Anonymität als „Hosenscheißer“ abgekanzelt.

Hoffmann: Ich kann einen Bruch nicht erkennen. Das dient doch immer als Alibi für die anonymen Kläger…

Morgenpost Online ... die aber Teil der Mannschaft sind.

Hoffmann: Das ist mir zu einfach und unkonkret. Es gibt immer unzufriedene Spieler. Umso mehr, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Natürlich wussten wir, dass Bruno Labbadia aus Leverkusen eine Geschichte mitbringt, auf die er in einer schwierigen Phase manches einzahlt. Dennoch sind wir von seiner Qualität überzeugt.

Morgenpost Online: Sie selber sagten: „Nächste Saison wird Labbadia Trainer sein – Stand jetzt.“

Hoffmann: Sie wissen, dass es in diesem Geschäft keine unabdingbaren Treueschwüre gibt. Fakt ist, dass wir, wie bei der Verpflichtung, weiterhin das Ziel haben, langfristig mit Bruno Labbadia zu arbeiten.

Morgenpost Online: Es hält sich hartnäckig die Annahme, dass Bundestrainer Joachim Löw der Kandidat ist, der im Sommer auf Labbadia folgen könnte. Was ist dran an den Spekulationen?

Hoffmann: Wir haben einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag und wollen in jedem Fall möglichst lange zusammen mit ihm arbeiten.

Morgenpost Online: Kann ein Superstar wie Ruud van Nistelrooy wie in Gladbach ausgewechselt werden, wenn der Rest der Offensive nicht besser ist?

Hoffmann: Das ist Sache des Trainers.

Morgenpost Online: Aber es ist eine weitere Baustelle, die geschlossen werden muss.

Hoffmann: Die größte Baustelle hat die gesamte Mannschaft durch den Auftritt in Gladbach aufgemacht.