Felix Loch erster deutscher Rodel-Olympiasieger seit Georg Hackl, dazu noch je einmal Silber im Eiskanal und im Eisschnelllauf-Oval: Am Ende des zweiten Wettkampf-Tages bei den XXI. Olympischen Winterspielen in Vancouver erhielt das deutsche Team doch noch Medaillenglanz. Der zweifache Weltmeister Loch deklassierte am Sonntag (Ortszeit) im Whistler Sliding Centre die Konkurrenz und holte das erste Gold für das deutsche Team vor seinem Teamkollegen David Möller und dem zweimaligen Olympiasieger Armin Zöggeler aus Italien. Silber gab es auch durch Eisflitzerin Stephanie Beckert. Die Erfolge überdeckten die Enttäuschungen durch die Biathlon-Herren und Nordischen Kombinierer.
Beckert holte über 3000 Meter Silber hinter Topfavoritin Martina Sablikova aus Tschechien. Daniela Anschütz-Thoms verpasste als Vierte 3/100 Sekunden hinter der Kanadierin Kristina Groves Bronze. Nach zehn von 86 Entscheidungen belegt das deutsche Team Rang zwei der Nationenwertung hinter Frankreich (2/0/1) und vor den USA (1/2/3).
Turin-Dreifachsieger Michael Greis und Co. enttäuschten im Biathlon-Sprint auf der ganzen Linie und verfehlten beim Sensationserfolg des Franzosen Vincent Jay die Podestplätze klar. Als bester belegte Christoph Stephan Rang 19, Greis wurde 21., Andreas Birnbacher belegte Rang 23, Arnd Peiffer kam als 37. ins Ziel. Der Norweger Emil Hegle Svendsen sicherte sich Silber vor dem Überraschungs-Dritten Jakov Fak aus Kroatien.
Die deutschen Kombinierer haben in der Wetterlotterie von Whistler eine Niete gezogen und erstmals seit acht Jahren in einem Olympia-Rennen die Medaillenplätze verpasst. Im Auftaktwettbewerb landete Eric Frenzel trotz einer tollen Aufholjagd nur auf Platz zehn, während sich der Franzose Jason Lamy Chappuis die Goldmedaille erkämpfte. Die Hoffnungen der deutschen Winterzweikämpfer waren schon im Springen vom Winde verweht worden.
„Das Ding war schon nach dem Springen fast verloren. Das war einfach ein Lotteriespiel, und wir hatten mit unseren Leuten hinten heraus kein Glück“, sagte Sprungtrainer Andreas Bauer enttäuscht. Auch Björn Kircheisen war frustriert: „Da arbeitest du vier Jahre auf Olympia hin, und dann entscheidet der Wind. Das ist schon bitter.“
Tino Edelmann (98,5 Meter), Eric Frenzel und Kircheisen (je 98) waren bei immer schlechter werdenden Windbedingungen auf der Schanze ins „gleiche Loch“ gesprungen. So mussten sie im 10-km-Langlauf von den Positionen 16 bis 19 mit über einer Minute Rückstand auf die Jagd nach dem überlegenen Sprunglaufsieger Janne Ryynänen gehen.
Nach 2,5 Kilometern war der Rückstand des deutschen Trios bereits auf 26 Sekunden geschrumpft, weil sich der führende Finne in einer Abfahrt spektakulär überschlagen hatte. Er wurde wenig später von einer siebenköpfigen Spitzengruppe überholt. Bei Hälfte der Strecke hatte Kircheisen nur noch zehn Sekunden Rückstand auf die Besten, doch die phantastische Aufholjagd hatte zu viel Kraft gekostet, der Sachse brach völlig ein.
Frenzel hatte im Ziel 36,1 Sekunden Rückstand auf Lamy Chappuis. Der Gesamtweltcup-Spitzenreiter und Mitfavorit rang im Zielsprint noch Ex-Weltmeister Johnny Spillane (USA) mit 0,4 Sekunden Vorsprung nieder. Bronze gewann der Italiener Alessandro Pittin. Edelmann wurde 18.
Ein Olympia-Rennen ohne deutsche Medaille hatte es letztmals 2002 gegeben, als Ronny Ackermann zum Auftakt Vierter geworden war. Der viermalige Weltmeister Ackermann hatte die Qualifikation für die Winterspiele nicht geschafft und drückte aus der Ferne die Daumen. Auch Olympiasieger Georg Hettich, der vor vier Jahren in Turin einen kompletten Medaillensatz gewonnen hatte, schaute nur zu: „Ich war nach den Vorleistungen klar der Ersatzmann. Immerhin bin ich aber kurz vor dem Ende meiner Karriere bei Olympia dabei.“
Der Franzose Vincent Jay ist Nachfolger des Oberhofers Sven Fischer als Biathlon-Olympiasieger im 10-km-Sprint. Der 24-Jährige aus der Olympiastadt Albertville blieb bei beiden Schießen fehlerfrei und hatte im Ziel 12,2 Sekunden Vorsprung vor dem norwegischen Mitfavoriten Emil Hegle Svendsen, der einen Fehlschuss hatte. Bronze holte sich der Kroate Jakov Fak.
Nicht in die Medaillenentscheidung eingreifen konnte das deutsche Quartett um den Dreifach-Olympiasieger von Turin, Michael Greis. Der 33-Jährige aus Nesselwang traf am Schießstand dreimal daneben und landete als zweitbester Deutscher abgeschlagen auf Rang 21. Bester war der Oberhofer Christoph Stehpan als 19.. Andreas Birnbacher aus Schleching und Arnd Pfeiffer aus Clausthal-Zellerfeld belegten die Ränge 23 und 37.
Die Paarlauf-Weltmeister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy erwischten einen fast perfekten Start in den olympischen Eiskunstlauf-Wettbewerb. Den Chemnitzern gelang am Sonntagabend ein fast fehlerfreier Vortrag in der Kurzkür, der mit 75,96 Punkten honoriert wurde. Damit gehen die Schützlinge von Trainer Ingo Steuer als Zweite in die Kür am Dienstag (2 Uhr). In Führung liegen die dreifachen Weltmeister Shen Xue/Zhao Hongbo aus China. Auf Platz drei rangiert das russische Paar Yuko Kawaguti/Alexander Smirnow.
Unter dem tosenden Jubel von 12.000 Fans hat Ski-Freestyler Alexandre Bilodeau Kanada das erste Olympia-Gold auf heimischem Boden beschert. Der Weltcup-Vierte aus Quebec siegte auf der Buckelpiste am Cypress Mountain mit 26,75 Punkten vor dem australischen Top-Favoriten und Turin-Sieger Dale Begg-Smith (26, 58) und Bryon Wilson aus den USA (26,08). Kanada war 1976 bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal, 1988 bei den Winterspielen in Calgary und bislang auch bei den Spielen von Vancouver ohne Gold geblieben. Einen Tag vor Bilodeaus Triumph hatte die große Hoffnungsträgerin Jennifer Heil in der Frauen-Konkurrenz Silber gewonnen. Weltmeister Patrick Deneen aus den USA konnte das Rennen nach einem Sturz nicht beenden, blieb allerdings unverletzt. Deutsche Teilnehmer hatten sich nicht für die olympischen Buckelpistenrennen qualifiziert.
Auch USA-Frauen mit Kantersieg
Einen Tag nach dem Rekordsieg von Olympiasieger Kanada hat auch die amerikanische Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen einen Olympia-Auftakt nach Maß hingelegt. Der Weltmeister ließ den hoffnungslos unterlegenen Chinesinnen keine Chance und siegte problemlos mit 12:1 (5:0, 3:0, 4:1). Um 16.30 Uhr Ortszeit (01.30 Uhr MEZ) treffen in der Gruppe B noch die Teams aus Finnland und Russland aufeinander. Jenny Potter mit drei sowie Meghan Duggan mit zwei Toren waren die besten Schützinnen.
Die US-Girls gelten neben Gastgeber Kanada als großer Titelfavorit. Die „Ahornblätter“ hatten Tags zuvor beim 18:0 gegen die Slowakei den höchsten Sieg seit dem Olympiadebüt des Frauen-Eishockeys 1998 erzielt.
Beim Turnier der Frauen wird in zwei Vierergruppen gespielt. Die beiden Gruppenersten erreichen das Halbfinale, die Dritt- und Viertplatzierten spielen nach der Vorrunde die Plätze fünf bis acht aus. Die deutschen Frauen hatten die Qualifikation für die Spiele in Vancouver nicht geschafft.
Am Montag können Sie in der Tageszeitung "Die Welt" nachlesen, wie das IOC wegen des Olympia-Geschäfts kritisiert wird
sid/dpa/fb





