Die Kollegen waren längst geduscht, umgezogen und zum Teil schon auf dem Heimweg. Sogar die vor dem Kabinentrakt postierte Ordnungskraft hatte bereits Feierabend gemacht, da schlurfte Marcell Jansen in Badelatschen durch die Katakomben der Nordbank-Arena. „Hauptsache, es lief“, stellte der Profi des HSV grinsend fest und störte sich nicht weiter daran, dass er bei der Dopingkontrolle ebenso viel Zeit wie zuvor auf dem Fußballplatz verbracht hatte.
Nach dem 2:0 (1:0) zum Auftakt der Rückrunde gegen den Aufsteiger SC Freiburg gab es überhaupt nichts, das Jansen die Laune hätte verderben können. Der 24-Jährige war einmal mehr eine bestimmende Figur der Hamburger gewesen, das erste Tor (7. Minute) erzielte er selbst, den zweiten Treffer durch Mladen Petric (55.) legte der Mittelfeldspieler mit der linken Fußspitze auf. Damit war Jansen an sechs der letzten sieben HSV-Tore als Schütze oder Vorbereiter beteiligt. Ein grandioser Wert.
Die eigene Leistung mochte der Publikumsliebling jedoch nicht in den Vordergrund rücken. Entscheidend sei gewesen, als Mannschaft aufgetreten zu sein. „Jeder ist bereit, die Drecksarbeit zu machen – und das ist elementar wichtig. Wir treten geschlossen auf, das zeichnet uns aus“, bekräftigte Jansen.
Freiburgs Trainer Robin Dutt sah das ähnlich, ein einziger Satz reichte ihm aus, um die 90 Minuten zu analysieren: „Der HSV war Herr im Hause, hat das Spiel vom Anpfiff bis zum Abpfiff dominiert.“ Sein Kollege auf HSV-Seite, Bruno Labbadia, schloss sich an: „Wir haben dort angeknüpft, wo wir zum Ende der Hinrunde in Nürnberg (4:0, d. Red.) und gegen Werder Bremen (2:1) aufgehört haben. Ich bin froh, dass wir so gut ins neue Jahr gestartet sind“, sagte der Hamburger Chefcoach, der am Sonnabend zehn Profis ersetzen und daher wieder einmal improvisieren musste.
Die 51.448 Zuschauer im Volkspark sahen von Beginn an einen flotten Auftritt des HSV. Mit dem ersten Schuss auf das Tor der Gäste gelang Jansen die Führung, Tunay Torun (16., 20.), Petric (18) sowie wiederum Jansen (37.) versäumten es, frühzeitig eine Entscheidung herbeizuführen. „Das war unser einziges Manko: Wir hätten schon bis zur Pause drei oder vier Treffer erzielen müssen“, blickte Labbadia zurück, freute sich aber gleichzeitig darüber, dass seine Mannschaft trotz der katastrophalen Platzverhältnisse flüssig kombinierte.
Trotz des starken Auftritts und des dritten Sieges in Serie haderten die Hamburger mit dem Geläuf in der Nordbank-Arena. „Das ist kein Rasen, das ist ein Acker“, sagte Petric, während sein Trainer darum bemüht war, die Sache positiv zu beurteilen: „Es klingt vielleicht etwas blöd, aber wir müssen unseren Greenkeepern ein Kompliment aussprechen. Nach dem Bremen-Spiel Ende Dezember war das eine Kraterlandschaft. So gesehen war der Platz heute sogar recht eben.“
Das nächste Heimspiel steht am 29. Januar auf dem Programm, noch ist unklar, ob der Bodenbelag bis zu diesem Spiel gegen den VfL Wolfsburg ausgetauscht wird. „Wir würden natürlich gern einen neuen Rasen verlegen lassen, aber solange Frost herrscht, lässt sich nichts bewerkstelligen. Wir müssen abwarten, wie sich die Wetterlage entwickelt“, berichtete Labbadia.
Am kommenden Samstag tritt der HSV bei Borussia Dortmund an, dann geht es darum, einen Verfolger auf Distanz zu halten. Durch den Erfolg im ersten Spiel der zweiten Saisonhälfte verschafften sich die Hamburger ein vorerst beruhigendes Polster auf Rang sechs, der am Ende nicht zur Teilnahme am europäischen Wettbewerb berechtigt. Der Vorsprung auf Bremen, derzeit auf diesem undankbaren Platz, beträgt sechs Punkte.
„Klar, es ist wichtig, so ein Polster zu haben. Aber mal ehrlich, es will doch niemand nach hinten schauen. Unser Blick muss nach vorn gerichtet sein“, sagte Kapitän David Jarolim und unterstrich damit den Anspruch der Mannschaft, in die Champions League einzuziehen. „In den zurückliegenden Jahren war es so, dass wichtige Stützen in der Schlussphase ausgefallen sind. Jetzt sieht es so aus, als würde dann der eine oder andere zurückkommen. Wir werden also immer stärker“, führte Jarolim aus.
Im Hinblick auf die nächste Partie in Dortmund wird sich die Personallage ein wenig entspannen. Verteidiger Jerome Boateng (nach Rotsperre) sowie Angreifer Eljero Elia (nach Knöchelverletzung) sollen im Westfalenstadion wieder in der Startformation stehen. Dann fehlen „nur“ noch acht Profis.




